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Pulse of Europe in Frankfurt Am Ende tanzt Europa am Goetheplatz

Rund 3000 Pro-EU-Demonstranten feiern bei Pulse of Europe den Wahlausgang in den Niederlanden.

Demo Pulse of Europe, Goetheplatz, Frankfurt, im Bild: x von 21
Áufstehen für ein vereintes Europa: Pulse of Europe auf dem Goetheplatz. Foto: Michael Schick

Als sich Willem an die Menge auf dem Goethe-Platz wendet, ist die Erleichterung in seiner Stimme hörbar: „Ich bin froh, dass ich mich nicht für die Niederlande schämen muss“, sagt er, während er von der Bühne am nördlichen Ende des Platzes über die Köpfe der Pulse-of-Europe-Demonstranten hinwegblickt. Etwa 3000 haben sich an diesem Sonntag eingefunden, um erneut für ein demokratisches und geeintes Europa zu demonstrieren. So wie jeden Sonntag seit Anfang dieses Jahres.

Das Konzept macht Schule. Was in Frankfurt vom Anwaltsehepaar Sabine und Daniel Röder initiiert wurde, wird mittlerweile in Dutzenden Städten in Deutschland und der EU kopiert. Ein wöchentliches Bekenntnis zum Unionsgedanken, der sich europaweit nicht erst seit dem Brexit in der Defensive befindet.

Dass an diesem Sonntag ein Niederländer das Wort an die Menge richtet, hat seinen Grund. Mitte der Woche wurde dort ein neues Parlament gewählt. Noch Anfang des Jahres hatten Umfragen den Rechtspopulisten Geert Wilders und seine Freiheits-Partei PVV weit vorne gesehen.

Stattdessen landeten die Anti-Europäer trotz Zugewinnen deutlich abgeschlagen hinter der konservativ-liberalen Partei von Ministerpräsident Mark Rutte. Das Ergebnis sei „eine solide Mehrheit von Parteien, die die Lösung von Problemen nicht in der Nationalstaatlichkeit suchen“, erklärt Willem. Und erntet dafür den Applaus der Menge.

Die Organisatoren von „Pulse of Europe“ sehen die Eindämmung des Rechtspopulismus in den Niederlanden als einen ersten Erfolg. „Gut gemacht, Niederlande“, ruft Hansjörg Schmitt, einer der Initiatoren, von der Bühne. Einen Monat lang war bei den Demonstrationen der Pro-Europäer für einen Verbleib der Niederlande in der EU getrommelt worden, während in Europa bereits über einen „Nexit“ spekuliert wurde. Man ist nicht so vermessen zu glauben, dass die eigene Kampagne entscheidend gewesen sei. Aber es ist ein Hoffnungszeichen, dessen Schwung die Organisatoren für die anstehende Präsidentenwahl in Frankreich und für die Bundestagswahl im Herbst nutzen wollen.

Hohe Wahlbeteiligung ein Ansporn

Vor allem die hohe Wahlbeteiligung in den Niederlanden müsse für alle pro-europäischen Kräfte „ein Ansporn sein“, betont Hansjörg Schmitt. Einen wichtigen Schönheitsfleck hatte die Wahl in den Niederlanden dennoch, findet Pulse-of-Europe- Gründer Daniel Röder: den Konflikt zwischen Den Haag und der Türkei, der Mark Rutte möglicherweise sogar einen Vorteil verschafft hat. „Wir sind jedoch nicht angetreten, um die europäischen Reihen zu schließen und externe Feindbilder aufzubauen“, sagt Röder, „wir brauchen die Türkei.“

Über dem Goetheplatz flattern am Sonntagnachmittag unzählige Sternenbanner der EU. Douglas Fraser hingegen hat sich die Fahne Schottlands umgehängt – einer von zwei Landesteilen des Vereinigten Königreichs, der für den Verbleib in der EU gestimmt hat. Fraser ist aus Glasgow zu Besuch bei Freunden in Frankfurt. „Ich stehe hier für die europäische Idee. Schottland will in der EU bleiben.“ Dafür allerdings müssten sich die Schotten zunächst aus dem Vereinigten Königreich lösen. Die Regionsregierung will deshalb ein zweites Unabhängigkeitsreferendum. Fraser weiß, wie er votieren würde: für die Unabhängigkeit, für die EU.

Einstweilen überstrahlt die Freude über den Wahlausgang in den Niederlanden solche Gedankenspiele. Zum Abschluss der Demonstration findet diese sogar in einem Tanz Ausdruck. Der Italopop-Schlager „Insieme – Unite Europe“ bringt die Pro-Europäer in Bewegung. Und es scheint nicht so, als ob sie bald wieder anhalten wollten.

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