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Prozesse in Frankfurt Wie ein Brüderpaar beinahe reich wurde

Die Frankfurter Gebrüder Zeleke hätten es fast einmal geschafft, durch einen Fehler reich zu werden.

Justizia
Justizia ist wachsam (Symbolbild). Foto: imago

Reich werden durch eigene Fehler ist schön, aber selten. Noch schöner und seltener ist es freilich, durch die Fehler anderer reich zu werden. Und wenn der andere dann auch noch eine Bank ist, dann kann man sich immerhin sicher sein, am Ende vielleicht kein Geld, aber jede Menge Sympathie gewonnen zu haben.

Im März 2012 mussten die Gebrüder Mengi, Yeshi und Taff Zeleke, drei ausgebuffte Zampanos des Frankfurter Nachtlebens mit einem Charme, der ebenso knuffig wie ihre Namen ist, ihren Club „NuSoul“ im Ostend dichtmachen – Mietrückstände. Der Vermieter West-Invest, eine Immobilientochter der Deka Bank, drehte den Brüdern den Saft ab und ließ den Laden räumen, samt Mobiliar und Technik. Manches wurde verkauft, manches weggeschmissen.

Im August 2014 zerrten die Zelekes die Bank vor das Landgericht und verlangten Schadensersatz in Höhe von drei Millionen Euro. Denn die Einrichtung des Klubs stammte von ihrem Kumpel Tobias Rehberger, einem der wenigen Frankfurter Künstler von Weltrang. Drei Millionen Euro sind viel, aber für ein Objekt von Rehberger nicht unrealistisch.

Die Bank bedauerte, sie habe nicht gewusst, dass das Kunst sei, und es habe halt weggemusst. Rehberger habe es nicht haben wollen, die Brüder seien damals nicht erreichbar gewesen und überhaupt sei es ja ein bisschen komisch, dass die Brüder erst ein Jahr nach der Zwangsräumung Kohle oder Kunst zurückforderten. Das sei ganz klar Kunst gewesen, konterten die Brüder, sie seien sehr wohl erreichbar gewesen und das alles sei gar nicht komisch. Überhaupt redeten beide Parteien im Prozess aneinander vorbei. Was für die Bank sperrmüllreife „Sitzmöbel“ waren, bezeichneten die Brüder als museumsreife „multifunktionale Skulpturen, variabel in Form und Funktion“. Das Landgericht enthielt sich der ästhetischen Bewertung und wies die Klage ab – weil unklar sei, ob die Kunst oder der Sperrmüll Eigentum der Brüder oder der von ihnen geleiteten GmbH gewesen sei. Die Kunstfrage blieb offen. Die Brüder gingen in Berufung.

Im Juli 2015 begann der Prozess vor dem Oberlandesgericht mit dem Vorschlag der Richter, die Bank könne ja eine gewisse Summe zum Wohle der Frankfurter Kunstszene spenden. Die Brüder hätten das zähneknirschend akzeptiert, aber der Bank schien das wenig renditeverdächtig – und zudem wollte sie endgültig vom Ruch des Banausentums reingewaschen werden. Das klappte so nicht ganz.

„Wir waren durchaus bereit, ein Verschulden der Beklagten zu sehen“, sagte am Ende die Richterin. Bei der Räumung habe die Kunstfrage nie eine Rolle gespielt. Doch im Bürgerlichen Gesetzbuch stehe geschrieben: „Ansprüche des Mieters auf Ersatz von Aufwendungen oder auf Gestattung der Wegnahme einer Einrichtung verjähren in sechs Monaten nach der Beendigung des Mietverhältnisses.“ Die Brüder aber hätten erst nach diesem halben Jahr Ansprüche auf die Kunstzurückerstattung angemeldet. Klage abgewiesen, drei Millionen futsch.

Immerhin: Die Bank bedauerte, das sei alles „dumm gelaufen“ und entschuldigte sich bei Rehberger. Und die Gebrüder Zeleke hatten zwar kein Geld, aber jede Menge Sympathie gewonnen.  

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