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Prozess gegen Schwesta Ewa Zeuginnen sprechen von freiwilligem Sex

1. Update Der Prozess gegen die Rapperin Schwesta Ewa entwickelt sich etwas anders als erwartet. Nur eine Zeugin erhält ihre Vorwürfe aufrecht.

Schwesta Ewa
Schwesta Ewa wird Zuhälterei, Menschenhandel, Körperverletzung und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Foto: dpa

Die Anklage hatte es in sich. Ewa Malanda, geborene Müller, aber allgemein bekannter unter dem Namen Schwesta Ewa, soll ihre Popularität genutzt haben, um mindestens vier junge, teils sogar minderjährige Fans in die Prostitution gedrängt, mit Gewalt gefügig gemacht und nebenbei auch noch die Steuer geprellt haben. Aber nach zwei Verhandlungstagen ist von dieser saftigen Anklage nur noch ein mageres Gerippe übrig.

Die vier „Mädels“, wie die rappende Ex-Dirne die Frauen gerne nennt, sagten am gestrigen Montag vor dem Landgericht aus. Und zumindest bei dreien war von Zwang keine Rede mehr. Die beiden ersten Zeuginnen, heute 20 und 21 Jahre alt, hatten bereits als Prostituierte gearbeitet, bevor sie die Angeklagte kennengelernt hatten. Und hatten sich nach eigenen Angaben aus freien Stücken unter die Fuchtel der Schwesta begeben. Und das nicht wegen deren Musik, die die Zeuginnen durchaus schätzen: noch mehr aber schätzten sie wohl Malandas unternehmerische Expertise im Rotlicht.

Die Schwesta habe sich um die Logistik gekümmert: um die Erstellung eines „Profils“ für die Freier, um die Anmietung der Hotelzimmer, die Beschaffung von Handys und Kleidern. Sie habe ihnen gesagt, wie sie sich kleiden sollen. Und ihnen Geld für Lippenaufspritzungen und Haar- und Fingernägelverlängerungen vorgestreckt. Schulden, sagten die Zeuginnen, hätten sie alle bei Malanda gehabt. Und diese habe auch auf der Rückzahlung bestanden – sie aber nie zur Prostitution gezwungen.

Immer wieder habe es auch Hiebe gesetzt. Aber nur dann, wenn die Schwesta aufgrund von Alltagsschwierigkeiten „mal wieder sauer“ gewesen sei. Die Gründe dafür muten fast possierlich an: etwa eine pinkfarbene Socke, die in die weiße Wäsche geraten war, ein nichtbezahltes Parkhausticket oder einfach nur ein Fahrfehler: Die Schwesta habe sie immer wieder mal gehauen, meist seien darauf aber eine Entschuldigung und eine tränenreiche Versöhnung erfolgt. Von dem Dirnenlohn habe die Schwesta durchaus marktübliche 50 Prozent kassiert.

„Sie hat mich nie zu irgendetwas gezwungen“, sagt auch die heute volljährige Zeugin, die bereits mit 17 unter der Aufsicht der Schwesta angeschafft hatte. Eine Anzeige der Mutter der damals 17-Jährigen hatte die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Heute sagt die Frau, Malanda habe sie nie bedrängt, habe ihr gar vorgeschlagen, mit der Hurerei noch abzuwarten, Aber sie sei wild entschlossen gewesen, Prostituierte zu werden, das „schnelle leichte Geld“ habe sie gelockt, und sie habe diesen Entschluss nie bereut.

Am Ende ihrer Aussage entschuldigt sich die Angeklagte, wie auch schon bei den anderen Zeuginnen. „Ich schäme mich hier zu Tode“, sagt die Schwesta. „Du musst dich für nichts entschuldigen, Ewa“, sagt das Opfer, „ich würde gar nicht hier sitzen, wenn ich nicht müsste“.

Etwas mehr Belastungseifer zeigt allein die vierte Zeugin, sie spricht von Zwang, wenn auch eher von psychischem, ohne dabei konkret zu werden. Als der Vorsitzende Richter Martin Bach genauer nachfragt, verweigert sie plötzlich die weitere Aussage – und wird von Bach mit einem Ordnungsgeld von 300 Euro bedacht. „Ich zahle Ihnen auch gerne 1000 Euro“, sagt die urplötzlich schweigsame Zeugin, „es gehört sich nicht, eine Freundin anzuschwärzen.“ Und in der Tat beschreiben alle vier Zeuginnen das Verhältnis als freundschaftlich, wenn auch mitunter schwierig. Man sei nicht nur gemeinsam anschaffen gegangen, sondern habe auch gemeinsam Clubs und Konzerte besucht oder „einfach nur gechillt“. Und mitunter Maulschellen kassiert.
Seit acht Monaten sitzt Ewa Malanda nun bereits in U-Haft. Prozessbeobachter würde es nicht wundern, wenn Malandas Verteidiger heute einen Antrag auf Aufhebung der Haft stellten.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schwesta Ewa

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