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Protest Religionsfreiheit am Arbeitsplatz

Gegen das EU-Urteil, wonach ein Verbot von Kopftüchern bedingt zulässig ist. gibt es in Frankfurt in Demonstration.

21.03.2017 00:50
Demo gegen Kopftuchverbot in Frankfurt
Pro-Kopftuch-Aktivistinnen auf dem Opernplatz in Frankfurt. Foto: peter-juelich.com

Gegen das Verbot von Kopftüchern und anderen religiösen Symbolen am Arbeitsplatz haben knapp 50 Menschen gestern Abend auf dem Frankfurter Opernplatz demonstriert. Überwiegend muslimische Studentinnen waren anwesend, die ihre berufliche Zukunft bedroht sehen. Grund ist ein Urteil, das der Europäische Gerichtshof (EuGH) vor einer Woche fällte.

Dort heißt es, dass private Unternehmen ihren Angestellten verbieten dürfen, ein Kopftuch zu tragen – vorausgesetzt, alle anderen politischen, philosophischen und religiösen Symbole sind auch unerwünscht. Ein Verbot, das lediglich das Kopftuch betrifft – etwa, weil sich Kunden beschwert haben –, sei allerdings diskriminierend, urteilt der EuGH. Anlass des Urteils waren zwei Klagen muslimischer Frauen, die wegen ihres Kopftuchs entlassen worden sind.

„Das Urteil ist nichts weiter als Wahlkampf, der auf dem Rücken religiöser und ethnischer Minderheiten betrieben wird, damit der rechte Teil der Bevölkerung beschwichtigt wird“, sagt Sennur Bedir. Die Jurastudentin trägt selbst Kopftuch und hat die Kundgebung organisiert. „Das Kopftuch gehört zu meiner Identität. Ich werde einmal die Hälfte meines Lebens arbeiten, und in dieser Zeit möchte ich nicht meine Persönlichkeit abgeben“, sagt Bedir. Sie fühle sich in ihren Menschenrechten verletzt. Bedir verweist auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das 2015 das Kopftuchverbot für Lehrerinnen für verfassungswidrig erklärt hat.

Redner sagen ab

„Ich hatte große Probleme, einen Referendariatsplatz zu finden“, sagt die angehende Lehrerin Merve Bedir. Ihr sei offen gesagt worden, dass ihr Kopftuch ein Ausschlusskriterium sei. Ohne Kopftuch wolle sie nicht arbeiten: „Das bin nicht mehr ich.“

„Immer wird uns gesagt, wir seien nicht emanzipiert genug, aber jetzt soll uns verboten werden zu arbeiten“, sagt Nilab Taufier. Die Entwicklungshelferin trägt selbst kein Kopftuch, aber sie sei extra aus München angereist, um hier eine Rede zu halten.

Sie habe für den Protest noch mehr Redner angefragt, sagt Bedir. Leider hätten ihr sowohl muslimische als auch christliche und jüdische Organisationen abgesagt. Als Grund sei angegeben worden, dass es noch keine konkrete Folge des EuGH-Urteils in Deutschland gegeben habe. „Das finde ich etwas schade“, sagt die Jurastudentin. (prjh)

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