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Protest Literatur ist keine Ware

Buchhändler protestieren in Frankfurt gegen das Freihandelsabkommen TTIP. Sie befürchten, dass durch TTIP die Buchpreisbindung aufgehoben werden könnte.

Die Buchhandlung Ypsilon ist mit dabei. Foto: Christoph Boeckheler

Romane, Kunstbände, Reiseliteratur oder Kinderbücher. Das Sortiment im Buchladen „Ypsilon“ auf der Berger Straße ist groß. „Hier sollen auch weiterhin Bücher ausliegen“, heißt es auf den Postern, die Geschäftsführer Ralph Wagner an sein Fenster hängt. Die Plakate informieren, welche Auswirkungen das Freihandelsabkommen TTIP zwischen Europa und den USA auf den deutschen Buchmarkt haben könnte. Am Freitag brachten Buchhandlungen in ganz Frankfurt die Poster an ihren Schaufenstern an. Rund 23 Geschäfte beteiligten sich an der von Attac initiierten Aktion.

Buchhändler und Attac befürchten, dass durch TTIP die Buchpreisbindung aufgehoben werden könnte. Diese legt fest, dass Händler Bücher nicht unter einem festgesetzten Preis verkaufen. „Ein Ende der Bindung bedeutet eine Bedrohung für den Buchhandel, Verlage und Autoren“, sagt Dirk Friedrichs von Attac. Die Gefahr sei, dass so nur noch ein Teil der Literatur herausgegeben werde. Etwa nur solche, bei der man sich einer großen Auflage sicher sei. So gingen kleine Verlage und Buchhandlungen den Bach runter.

„Fast alle Frankfurter Buchhandlungen, die wir angeschrieben haben, machen mit“, freut sich Friedrichs. Natürlich träfe eine Aufhebung zunächst die Verlage, sagt Wagner. Doch später die Buchhändler und letztendlich auch die Konsumenten. Denn selbst wenn einige wenige Bestseller billiger würden, erhöhe sich für einen Großteil der Literatur der Preis. Die Konsequenz: Bestimmte Themen würden nicht mehr behandelt. „Vielfalt geht verloren.“ Zudem sei Literatur keine Handelsware wie Kühlschränke, sondern ein Kulturgut.

Persönliche Beratung ein großer Vorteil

Kleine Buchhandlungen haben es sowieso schon nicht leicht. „Wir müssen kämpfen“, sagt Weber. „Wir leiden ja schon unter dem Internet.“ Auch wenn sich das nach der negativen Berichterstattung über Amazon letztlich etwas gebessert habe. Ihr größter Vorteil sei immer noch die persönliche Beratung. „Wir haben eine große Stammkundschaft und sind sehr verwurzelt im Stadtteil.“ TTIP gefährde nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Teile einer Lebenskultur und das Sozialgefüge eines Stadtteils.

Für Kundin Miriam Fischer gehört das Ypsilon zu ihrem Leben dazu. Seit 36 Jahren gibt es das Geschäft mit angegliedertem Café. „Ich bestelle extra hier und nicht im Internet oder bei Buchriesen.“ Sie schätzt die große Auswahl, Atmosphäre und Beratung. Die Folgen von TTIP und dem Ende der Buchpreisbindung sind ihr neu. Umso wichtiger sei, dass die Buchläden darauf aufmerksam machten. „Ich unterstütze sie.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier TTIP und Ceta

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