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Protest Hunderte demonstrieren gegen Dalai Lama

„Stop lying. Stop Dalai Lama“, schallt es über den Römerberg. Rund 300 Anhänger der buddhistischen Shugden-Gemeinschaft werfen dem Dalai Lama vor, sie zu diskriminieren. Auch 50 Chinesen demonstrieren.

Demonstranten werfen dem Dalai Lama Verfolgung, religiöse Intoleranz und Ausgrenzung vor. Foto: peter-juelich.com

Sie singen ohne Unterbrechung. Stundenlang. Immer denselben Refrain. „Stop lying. Stop Dalai Lama“, schallt es über den Römerberg. Wieder und wieder. Und wer länger als eine halbe Stunde zuhört, gerät vermutlich in Trance.

Die rund 300 Menschen, die am Montagvormittag vor dem Frankfurter Rathaus gegen den Dalai Lama protestieren, sind Anhänger der buddhistischen Shugden-Gemeinschaft. Sie werfen dem Dalai Lama vor, sie zu diskriminieren. Valentina Schweizer, eine Sprecherin der in den USA ansässigen International Shugden Community, verteilt Pressemappen mit Fotos. Darauf zu sehen sind Schilder an Eingängen zu Klöstern, Geschäften und Bibliotheken in Südindien. Freunde der Shugden-Organisation müssten draußen bleiben, heißt es darauf. Hintergrund der Auseinandersetzung ist die Verehrung der Gottheit Dorje Shugden, die von einem Teil der Buddhisten betrieben wird. Der Dalai Lama lehnt diese Praxis ab.

Der Tibeter Sonam ist für die Proteste extra aus den USA nach Frankfurt gekommen. Er wolle nicht schweigend mitansehen, wie sich der Dalai Lama feiern lasse, sagt der Steinmetz, der mittlerweile in Massachusetts lebt. In den 80er Jahren gehörte er einem Orden an und wohnte in einem Kloster, „aber ich wurde rausgeworfen, weil ich Dorje Shugden verehre“, berichtet er. Für ihn seien alle Buddhisten Schwestern und Brüder, doch der Dalai Lama sehe das leider anders: „Er weiß gar nicht, was Religionsfreiheit ist“, sagt Sonam.

So viel Abneigung gegen „seine Heiligkeit“ ist zu viel für eine Anhängerin des Dalai Lama. Als bei der Ankunft des 80-Jährigen gejohlt und gepfiffen wird, bricht die Frau, die eine Akkreditierung für den Römer besitzt, kurz vor den Stufen zum Rathaus weinend zusammen. Die gute Nachricht: Sie fängt sich wieder und kann den Besuch aus Tibet fortan genießen.

Und sie ist ja auch nicht alleine mit ihrer Verehrung für den Dalai Lama. Zehn Meter von den Demonstranten entfernt stehen seine Anhänger. Sie halten Schilder hoch, auf denen sie „seiner Heiligkeit“ zum 80. Geburtstag gratulieren, sie schwenken Tibet-Fahnen, und als das geistige Oberhaupt des Staats mit Oberbürgermeister Peter Feldmann den Römer verlässt, kreischen sie wie die Fans bei einem Justin-Bieber-Konzert.

Viele von ihnen hoffen darauf, dass der Dalai kurz zu ihnen an die Drängelgitter kommt, doch der religiöse Führer winkt der Menge nur kurz zu. Seine Fans winken zurück, die Shugden-Verehrer singen noch etwas lauter: „Stop lying. Stop Dalai Lama.“ Dann braust der Auto-Konvoi mit dem 80-Jährigen davon. Dalai-Lama-Verehrer und -Gegner schnauzen sich über Polizeiabsperrungen hinweg noch etwas an, aber alles bleibt friedlich.

Und auch die 50 Chinesen ziehen von dannen. Sie hatten auf dem Paulsplatz chinesische Fahnen geschwenkt und Transparente mit der Aufschrift „Tibet gehört zu China“ ausgerollt. Was skandiert wurde und wer an welcher Stelle hinter dem Transparent zu stehen hatte, entschied ein Mann im dunklen Anzug. Mit Reportern wollten die meisten Demonstranten nicht reden.

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