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Protest gegen Sodexo Schüler belagern Sodexo-Firmensitz

Die IGS Nordend in Frankfurt marschiert mit über 520 Teilnehmern nach Rüsselsheim. Sie wollen ihre geliebte Mensa erhalten und verhindern, dass ihr Schulessen künftig vom Großcaterer Sodexo kommt.

Schülerdemo
Lautstarker Protest: Demonstration der IGS Nordend vor der Sodexo-Zentrale in Rüsselsheim am Montag. Foto: Rolf Oeser

Es ist ein ungewöhnlicher Wandertag, der die IGS Nordend unter dem Motto „Demokratie leben“ am Montag nach Rüsselsheim (Kreis Groß-Gerau) führt. Lärmend und pfeifend marschieren rund 520 Schüler mit Lehrern und Eltern vom Bahnhof zum Firmensitz des Großcaterers Sodexo Services. „Wir wollen, dass die Mensa bleibt“ und „#mensaretten“ steht auf ihren Transparenten. „Sodexo ins Klo“ skandieren die Jugendlichen und stoßen die Fäuste in die Luft. 600 Briefe an die Firmenleitung wollen sie überreichen. Und landen vor verschlossener Tür.

„Wir sind nicht hier, um heute darüber zu diskutieren, ob Sodexo gut kochen kann oder nicht“, ruft Schulleiter Uwe Gehrmann ins Mikrofon – „wobei viele sagen, es ist eine Katastrophe“. Heute gehe es darum, den bisherigen Caterer zu retten. „Wir brauchen die Cantina – es ist mehr als eine Stelle, die kocht, es sind unsere Freunde!“

Das kleine Unternehmen, das seit fünf Jahren die Essensverpflegung an der IGS Nordend betreibt, kocht vor Ort täglich aus frischen Zutaten. Hervorgegangen sei das Unternehmen mit acht Mitarbeitern aus einer Elterninitiative, wie Schulelternbeirätin Stephanie Dietmann berichtet. Um die Hygieneverordnung einzuhalten, habe eine der beteiligten Mütter 2009 das Unternehmen gegründet. Jetzt soll aber nach dem Willen der Stadt Frankfurt der französische Großcaterer Sodexo das Geschäft übernehmen.

Beim EU-weiten Vergabeverfahren hatte die Cantina Buen Barrio wegen formeller Fehler schlechter abgeschnitten, obwohl sie nach Angaben von Eltern und Schulleitung eine bessere Qualität anbietet und individuell auf die Schüler eingeht. Wie viel Sodexo von der Stadt für die Verpflegung verlange, wisse man nicht, es gebe keine Transparenz. Laut Ausschreibung, sagt Dietmann, sei es möglich, zu 49 Prozent Convenience Food zu verwenden. Die jetzige Mensa habe Convienenceklasse null – das heißt, alles wird frisch zubereitet. Es gehe bei ihrem Protest auch darum, dass die IGS Nordend eine der letzten Frankfurter Schulen sei, die eine auf Elterninitiative beruhende Verpflegung anbieten.

„Unsere Mensa empfängt die Kinder, wie Eltern sie empfangen. Sie arbeitet frei und selbstständig“, ruft Dietmann den Schülern zu, und die antworten mit tosendem Beifall. Wie sich das Angebot von Sodexo, die Cantina-Mitarbeiter zu übernehmen, gestalten soll, auch das weiß an der IGS keiner. Vermutlich gehe es darum, Essen vor Ort zusammenzurühren, sagt Dietmann. Das sei jedoch nicht das, was man unter „frisch kochen“ verstehe.

Auch Joaquin Celino Rio Antas lobt unter Jubel den „unglaublich guten Job“ des jetzigen Mensapersonals. Der 15-Jährige hat die Stadt verklagt, weil er sein Mitspracherecht als Schüler missachtet sieht. Derzeit wartet er auf die Entscheidung über eine Einstweilige Verfügung, wonach der Vertrag mit Sodexo nicht unterzeichnet werden dürfe, solange das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt laufe, sagt er. Er ist der Einzige, der schließlich nach viel Radau und Getrommel auf das Klingelschild in die Firmenzentrale eingelassen wird. Die 600 Briefe gibt er am Empfang ab und muss wieder gehen. Mit ihm sprechen will bei Sodexo heute niemand.

In ihren Briefen legen die Schüler dem Unternehmen nahe, von der Bewerbung zurückzutreten. „Warum werden wir nicht gefragt?“, sei der Tenor vieler Briefe, sagt die pädagogische Leiterin Susanne Habermann.

Gefragt wurden auch nicht 20 weitere Frankfurter Schulen, für die derzeit ebenfalls die Ausschreibung läuft und von denen schon einige wissen, dass ab dem Sommer das Schulessen von Sodexo kommen soll. Doch der Protest formiert sich bereits. Auch die Kitas will Dietmann ins Boot holen. Hier seien Kinder und Eltern noch mehr der Willkür ausgeliefert. Außerdem habe man Kontakt zu EU-Abgeordneten aufgenommen, um zu eruieren, welche Möglichkeiten es gebe, auf das Vergabeverfahren Einfluss zu nehmen.

Mehrere Protestaktionen vor städtischen Gremien konnten die Politik bisher nicht zum Einlenken bewegen. IGS-Schulleiter Gehrmann hofft nun, dass sich Sodexo freiwillig zurückzieht.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Frankfurt

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