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Protest gegen Flughafen-Ausbau Trauergang zur Goethe-Buche

Am Freitag wird die neue Landebahn des Frankfurter Flughafens eröffnet. Flughafenausbau-Gegner machten sich am Wochenende auf in den Stadtwald, um noch einmal die Ruhe im Wald genießen zu können - und davon Abschied zu nehmen.

17.10.2011 22:51
Markus Bulgrin
Noch kann man die Musik verstehen: Kundgebung im Stadtwald. Foto: Morgenstern

Für Winfried Heuser ist es ein trauriger Tag, man sieht es ihm an. Der Mann blickt geknickt drein, als er im Schatten der fast 30 Meter hohen Goethe-Buche im Stadtwald steht. In der Hand hält er ein großes, gelbes Transparent. „Das hatten wir schon am 21. März 1998“, sagt Heuser. „Damals, als wir noch Vertrauen in Politik und Rechtssprechung hatten.“ Damals, als Heuser, der Sprecher der Flughafen-Bürgerinitiative Schwanheim/Goldstein und seine Mitstreiter begannen, sich öffentlich gegen die geplante Landebahn Nordwest zu wehren. „Doch das Traurige am heutigen Tag ist nicht, dass die Landebahn nun gebaut wurde“, sagt Heuser, „sondern, dass wir nicht wissen, wie oft wir noch an dieser Stelle stehen werden.“

Bedächtiges Schweigen nach diesen Worten, vereinzelt Klatschen; über 100 Menschen sind am Sonntag dem Spaziergang unter die Goethe-Buche gefolgt. „Um noch einmal die Ruhe des Waldes zu spüren“, sagt Heuser. Denn am kommenden Freitag wird die Nordwestlandebahn in Betrieb genommen, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird in der ersten Maschine landen. Fernab von den baldigen Feierlichkeiten haben sich Politiker, Ausbau-Gegner, Aktivisten und Menschen, die tagein, tagaus unter dem Fluglärm leiden, zusammengefunden. Viele von ihnen sind bereits lange mit dabei.

Auch Holker Kaufmann protestiert schon seit über 30 Jahren an vorderster Front. Er zeigt auf eine Stelle über seiner Stirn, die geschwollen aussieht: „Ein Streifschlag, von den Polizisten.“ Während einer Demo gegen die Startbahn West, Anfang der Achtziger Jahre. Da klingt es fast bescheiden, wenn er sagt: „Ich bin für die Menschen, für die Umwelt und die Natur.“ Und Kaufmann lebt mit dem Fluglärm, seit Jahren: Er wohnt in Mörfelden. Doch von den Entschädigungen, die Fraport den Lärmgeplagten zahlen will, wird er wohl nicht profitieren. „Das werden nur wenige sein“, ist er sich sicher. „Das basiert nicht auf Schallmessungen, sondern auf theoretischen Grundlagen.“

Leo Spahn sieht das ähnlich. Der Mörfeldener Stadtverordnete der Linken bewertet die Schlichtergespräche zum Bau der Landebahn rückblickend als ein Mittel, um den Protest der Bürger im Zaum zu halten. Auch die Argumente pro Landebahn der Fraport, sprich Wirtschaftswachstum und mehr Arbeitsplätze, hält er für fadenscheinig: „Das werden vor allem Mini-Jobs sein – von Qualität kann da sicher nicht die Rede sein.“

Vor allem um „die ökologische Ebene“ gehe es einer Frau, die ebenfalls mitläuft – „aber nicht nur wegen des Flughafens“. Sie wolle umfassend erfahren, welche Auswirkungen die Landebahn auf den Stadtwald haben wird. Das beantwortet Holger Scheel knapp: „Es handelt sich im Grunde um den richtigen Ort, an dem sich der Mensch entspannen und erholen soll“, sagt der Mann von der IG Bauen-Agrar-Umwelt. „Und dieser Ort, der Wald, ist nun gerodet.“ 162 Hektar – abgeholzt für die 220 Hektar große Landebahn. Auch für ihn sei es, so sagt er, ein trauriger Tag.

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