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Protest gegen Erdogan Türken demonstrieren in Frankfurt

In der Frankfurter Innenstadt solidarisieren sich rund 1500 Demonstranten mit den Opfern der Polizeigewalt in Istanbul.

01.06.2013 21:11
Timur Tinç
Auch in Berlin fanden spontane Demos gegen Erdogan statt. Foto: dpa

In der Frankfurter Innenstadt solidarisieren sich rund 1500 Demonstranten mit den Opfern der Polizeigewalt in Istanbul.

"Überall ist Taksim, überall ist Widerstand." Mit diesem Slogan sind am Samstagabend 1500 Türken von der Hauptwache in Richtung Römer gezogen, um ihre Solidarität mit den Demonstranten in Istanbulzu zeigen.

Der Bund Türkischer Jugendlicher Frankfurt - Türk Gençler Birli?i (TGB) - rief am Freitagabend über soziale Netzwerke zu den Demos auf. Am Freitag hatte die türkische Polizei unter Einsatz von Pfefferspray und Tränengas ein Protestcamp, gegen die Zerstörung des Gazi-Parks am Rande des Taksim-Platzes, gewaltsam geräumt.

In der ganzen Türkei und später weltweit rief dies heftige Proteste hervorgerufen. Bei den anschließenden Demonstrationen ging es nicht mehr um den Park, der für ein umstrittenes Bauprojekt weichen soll, sondern um die Kritik am türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdo?an von der islamisch-konservativen AKP.

"Wir stellen uns gegen den AKP-Faschismus und das Vorhaben ohne Zustimmung des Volkes durchzusetzen", sagte Bahri Mutlu von der TGB. Er sei in ständigem Kontakt mit Freunden in der Türkei, um auf dem laufenden gehalten zu werden. "Wir wissen von zwei unserer Mitglieder, die in Istanbul ums Leben gekommen sind", berichtete der 34-Jährige.

"Erdo?an kontrolliert die Medien"

Sevil Ayberk ist froh, dass sich so viele Menschen, "die sonst nie zusammenfinden würden", versammelt haben. "Es ist kein Protest von einer bestimmten politischen Gruppe oder der Opposition, sondern vom gesamten Volk", sagte die 53-Jährige. Unter den Demonstranten wurde nicht nur das harsche Vorgehen der Polizei scharf kritisiert, sondern auch die türkischen Medien.

"Die Medien werden von Erdo?an kontrolliert", ärgert sich ein Demonstrant. Bis auf den Sender Halk TV, dem TV-Sender der kemalistischen Oppositionspartei CHP, werde im türkischen Fernsehen nichts oder nur sehr wenig über die Demonstrationen berichtet. Außerdem sei das Internet an verschiedenen Stellen gekappt worden, damit die Demonstranten in der Türkei nicht über die sozialen Netzwerke kommunizieren können. "Was gerade in der Türkei passiert, war zu erwarten", findet der SPD-Stadtverordnete Turgut Yüksel. Die Wut über die Politik der AKP habe sich aufgestaut "und das Ereignis rund um den Park hat die Menschen aufgewühlt", so Yüksel.

Mit Türkei-Fahnen, selbstgemalten Schildern und übergroßen Konterfeis von Mustafa Kemal Atatürk - dem Staatsgründer der Türkischen Republik - sind die Demonstranten friedlich vom Kaufhof in Richtung Römer gelaufen. Unter Rufen wie,"die Türkei ist laizistisch und wird es bleiben" oder "Frankfurt Hand in Hand mit Taksim", forderten die Demonstranten Erdo?an zum Rücktritt auf. Sie durften sogar den Lautsprecherwagen der Polizei für eine Rede nutzen und bedankten sich am Ende bei der Frankfurter Polizei. "Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf", sagte Bahri Mutlu abschließend. Er hätte mit rund 500 Teilnehmern gerechnet, dass es 1500 geworden sind, sei ein gutes Zeichen für die Türkei.
Weitere Informationen zu den Demonstrationen gibt es unter den Twitter-Hashtags #direngeziparkund #occupygezi.

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