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Promikoch Mirko Reeh Der traurige Entertainer

Der einstige Chef vom "Reehstaurant" kämpft gegen das Gerücht, er betrüge seine Gläubiger - und plant ein Comeback im Japan Tower.

15.08.2012 20:51
Katharina Sperber
Fühlt sich verleumdet: Starkoch Mirko Reeh. Foto: Andreas Arnold

Mirko Reeh hat in einem halben Jahr 22 Kilo abgenommen. Darauf ist der in Frankfurt als „Promikoch“ bekannte Entertainer richtig stolz. Und natürlich darf der Erfolg auch in der Zeitung stehen, sagt Reeh. Soll er sogar, denn Öffentlichkeit ist Reehs Lebenselixier, wie die Luft zum Atmen und das Wasser zum Trinken und Kochen.

Doch wie alles, hat auch der ungebremste Drang ins Licht der Öffentlichkeit seine Schattenseiten. Derzeit wabert durch die Stadt das Gerücht, Mirko Reeh sei pleite und bediene seine Gläubiger nicht ordentlich. Das macht Reeh „traurig“, wie er sagt. Und geschäftsschädigend sei es obendrein, da etliche Leute anriefen und besorgt fragten, ob er in der Kochschule in der Wiesenstraße nun keine Kurse mehr gebe. Das sei „natürlich Quatsch“. Hundert solcher Kurse gibt Reeh pro Jahr, und immer mache er die selbst, beteuert der 35-Jährige im Ton eines Mannes, der von sich selbst eine hohe Meinung hat.

Richtig ist: Mirko Reeh hatte mit seinem kleinen „Reehstaurant“, ebenfalls in der Wiesenstraße, kein Glück. Denn ein Starkoch ist kein Sternekoch, und ein „Künstler“, wie Reeh sich selbst bezeichnet, kein Geschäftsmann.

Alles in den Topf des Insolvenzverwalters

Das Lokal beglückte seine maximal 20 Gäste pro Mahlzeit mit Drei- bis Elf-Gänge-Menüs und sei, so Reeh, immer ausverkauft gewesen. Doch der Aufwand war zu hoch, die Einkünfte zu niedrig. Der Koch meldet 2009 Insolvenz mit Restschuldbefreiung an. Sechs Jahre lang musste und muss er seither alles pfändbare Einkommen in den Topf des Insolvenzverwalters geben. Der zahlt es nach festgelegten Quoten an die Gläubiger aus. Der Koch selbst darf laut Gesetz gar keine Gläubiger bedienen. Er selbst arbeitet inzwischen als Angestellter des Frankfurter Gastro-Investors Jan Mai in der Bornheimer Kochschule und demnächst auch in einem neuen Restaurant im Japan-Tower, dort wo bislang das „Sansibar“ war.

„Katana“ soll das neue Lokal mit Platz für 60 Gäste heißen, im September öffnen und hessische mit japanischer Küche verbinden. Dazu liefert Reeh „die Kreationen“. Und in dieser Kunst ist der in Bad Hersfeld geborene Hansdampf in allen Küchen immer kreativ gewesen. Mischt Karibisches, Israelisches oder Mediterranes mit Hessischem, und seine Buddies futtern es ihm aus der Hand. Schließlich ist Mirko Reeh in Frankfurts Society nicht irgendwer, sondern gerngesehener Gast bei Empfängen, Messen oder anderen öffentlichen Veranstaltungen. Japanisches und Hessisches habe er auch schon serviert, sagt Reeh: Blutwurst und Rote Bete im Klebereis, fertig ist das Hessen-Sushi. Seine Gäste und Schüler seien begeistert gewesen.

Reeh lehrt nicht nur in der Kochschule, seine TV- und Radio-Auftritte zählen in die Tausende. Er hat „rund 25 Kochbücher“ geschrieben, mit einer Gesamtauflage über 300000 Exemplaren. Das nächste – über vegetarische Küche – sei schon fast fertig.

Botschafter hessischer Küche

Jüngst erst war der Selfmade-Koch für eine Gourmet-Reisezeitschrift im australischen New South Wales zum Fotoshooting. Er trat als Botschafter hessischer Küche auf – Kartoffelpuffer, Rotkohl und Klöße mag er besonders – und nahm gleich ein paar Ideen für neue Kreationen mit nach Hause. Dann war er ein paar Tage in Frankfurt – „der schönsten Stadt der Welt“, wie er immer wieder betont –, um gleich wieder loszudüsen in die Karibik auf die Insel Aruba. Auch dort wieder ein Fotoshooting für eine Gourmet-Reisezeitschrift.

Das alles klingt nach Luxus und Savoir-vivre und weckt bestimmt auch viel Neid. In Wirklichkeit ist das eher Knochenarbeit – stundenlang im Flieger sitzen, zwei Tage von Termin zu Termin hetzen und immer lächeln, jedenfalls wenn die Kamera an ist, und wieder zurückfliegen. Und was sagt der Getriebene: „Ich freue mich wie ein Kind, dass ich das alles machen darf“ – auch wenn große Teile seines Einkommens gepfändet werden.

Mirko Reeh hat gerade 18 Folgen für das TV-Boulevardmagazin „Maintower“ vom Hessischen Rundfunk abgedreht. Da hat der „Koch im Speckmantel“, wie er sich in aller Öffentlichkeit nennen ließ, über den Fortgang seiner Diät mit Sport berichtet. 30 Kilo weniger Gewicht hatte er zu Beginn versprochen, 22 sind es bis jetzt. „Aber die restlichen acht will ich unbedingt auch noch schaffen“, sagt Mirko Reeh. Und verabschiedet sich, in Richtung Flughafen.

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