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Projekt gegen Körperterror „Mädchen sind stärker, als sie aussehen“

Ein Projekt des Zentrums für Ess-Störungen kämpft gegen Schönheitsideale und für selbstbewusste Frauen.

Macht Frieden mit euren Körpern“ oder „Mädchen sind stärker als sie aussehen!“. Das sind nur zwei der vielen bunten Plakate, die aufgehängt sind. Viele dieser Bilder und Forderungen von Frankfurter Mädchen und Frauen findet man auch auf Instagram. Unter den Hashtags #bestimmt_gut und #was_ich_will.

„Es geht darum, fiesen Kommentaren auf Social-Media-Kanälen wie Instagram etwas Positives entgegenzusetzen. Den Mädchen und Frauen eine Stimme zu geben“, betont Sigrid Borse, Leiterin des Frankfurter Zentrums für Ess-Störungen am Dienstagnachmittag bei der Präsentation des Projekts, das seit Mai läuft. „Lasst uns bestimmen, was wir schön finden.“ Nicht nur auf Instagram, sondern auch im realen Leben soll bei Workshops an Schulen oder in Vereinen wie Infrau, dem interkulturellen Beratungs- und Bildungszentrum für Frauen, Mädchen und Seniorinnen, das Selbstbewusstsein der Mädchen gestärkt werden. 

Borse erzählt von einem Mädchen, das eigentlich nur ein schönes Urlaubsfoto von sich gepostet hatte – aber dann Kommentare wie „Du siehst aus wie ein Walross“. „Lara war geknickt, hat angefangen, weniger zu essen, aber irgendwann konnte sie mit dieser Diät nicht mehr aufhören. Sie bekam eine Essstörung.“ Social Media mit dieser Glitzer- und Filter-Welt setze die Mädchen immer mehr unter Druck. Sie seien der Kritik viel mehr ausgesetzt, als dies in der Zeit vor den sozialen Netzwerken der Fall gewesen sei. Das habe Folgen: „Immer jüngere Mädchen sind betroffen, und auch immer mehr Jungs erkranken an Essstörungen“, sagt Borse. 

Das städtische Frauenreferat fördert das Projekt. „Mit der Pubertät beginnt der Körperterror. Besonders Männer, aber auch Werbung wollen uns permanent sagen, wie wir auszusehen haben“, sagt Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). „Wir wollen junge Frauen in ihrem Selbstbewusstsein stärken.“

Dabei geht es um viel mehr als nur um den Druck, einen Model-Body haben zu müssen. Lejla (20) spricht als Erste aus, was sie nervt: „Ich werde oft nicht ernstgenommen, nur weil ich ein Mensch bin, der meist gut gelaunt ist und viel lacht.“ Und sie habe keine Lust mehr darauf, wenn sie    ein Kleid anhabe, von Männern „blöd angesprochen zu werden“. Genauso schlimm sei der Kommentar eines Nachbarn, der sie fragte, warum sie denn Brot kaufe – „ich müsse doch abnehmen“.

Amna (13) sagt: „In Pakistan, dem Heimatland meiner Eltern, sollen Mädchen leise sein. Ich bin aber eben eher aufgedreht. Meine Familie akzeptiert das, aber andere pakistanische Mütter lästern über mich, das verletzt mich sehr.“ Und Kylie und Sewra (12) wünschen sich, dass Jungs endlich verstehen, dass „Mädchen stärker sind, als sie aussehen“. Und genauso gut Fußball spielen können. 

Frauen und Mädchen können Bilder und Wünsche auf Instagram unter #bestimmt_gut und #was_ich_will posten oder an www.was-ich-will.info schicken. Die Bilder sollen 2019 ausgestellt werden. Schulen können sich auf www.essstoerungen-frankfurt.de für Workshops bewerben.

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