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Project Shelter Frankfurt Café International

Die Gruppe „Project Shelter“ Frankfurt eröffnet ein Café in Alt-Bornheim. Dort können Menschen aus der Nachbarschaft und obdachlose Arbeitsmigranten zusammentreffen. Das Café ist für die Initiative erst der Anfang.

Eigentlich ist es hier wie in jedem anderen Café. Nur, dass es den Kaffee gegen Spende gibt. Foto: Peter Jülich

„Macht hier wieder was auf?“ Der Mann auf dem Fahrrad hat die Tische gesehen und den Kaffee gerochen und sein Interesse ist geweckt. In der Tat, antwortet eine der junge Frauen, die gerade ein Plakat aufhängen, das Project Shelter eröffne hier heute sein neues Begegnungscafé. Project Shelter? Der Radfahrer legt seine Stirn in Falten. „Ist das eine Restaurantkette?“

Nicht ganz. Project Shelter ist die Frankfurter Initiative, die sich für ein selbstverwaltetes Zentrum einsetzt, in dem obdachlose Arbeitsmigranten wohnen sollen. Sogenannte Lampedusa-Flüchtlinge. Und an diesem Freitagnachmittag eröffnet die Gruppe in Alt-Bornheim einen Treffpunkt, dort, wo die Berger Straße auf die Spillingsgasse trifft. Anfang Juli hatte die Gruppe das Eckhaus besetzt, und nun lässt der Eigentümer sie das leere Bistro im Erdgeschoss nutzen.

Man habe hier in den letzten zwei Wochen ganz schön anpacken müssen, sagt Tom, einer der Aktivisten von Project Shelter. „Es war alles ultraverstaubt und die Möbel waren noch verpackt.“ Wenn das stimmt, müssen die Leute wirklich geschuftet haben: Die Theke in dem kleinen Raum blitzt, darauf stehen Kaffee und selbst gebackene Cupcakes, an den Wänden hängen Fotos. Ein richtig süßes, kleines Café, der Zitronenkuchen schmeckt herrlich, und den Kaffee gibt es gegen Spende. Man hoffe, das Café jetzt zwei bis drei Tage die Woche öffnen zu können, sagt Tom, außerdem soll es Veranstaltungen und auch interne Treffen geben.

„Wir sind froh, diesen Ort zu haben“, sagt Jamal, der erst vor einigen Monaten aus Italien nach Frankfurt gekommen ist, auf Englisch. „Durch dieses Café können wir hoffentlich weitere Leute kennenlernen, wir können uns vernetzen und vielleicht unsere Ziele erreichen.“ Ihr großes Ziel, das ist nach wie vor ein Haus, möglichst von der Stadt, in der die oft aus Afrika stammenden Migranten bleiben können, bis sie Arbeit und Wohnung gefunden haben.

Am nächsten Mittwoch treffen Mitglieder der Gruppe daher Planungsdezernent Mike Josef (SPD), der sich vor der Kommunalwahl im März dafür ausgesprochen hat, Project Shelter ein Haus zur Verfügung zu stellen. Einen Trägerverein dafür hat die Initiative schon gegründet. Er hoffe, dass bei dem Treffen wirklich etwas Konkretes herauskomme, sagt Aktivist Tom. „Es wäre traurig, wenn Mike Josef, der die Thematik durchaus erkannt hat, zurückrudert.“

Aber zunächst einmal gilt es, die neuen Nachbarn in Bornheim von dem kleinen Café zu überzeugen. Der im Viertel bereits überall per Aushang angekündigte Treffpunkt werde in der Nachbarschaft durchaus kontrovers diskutiert, sagt eine Anwohnerin, die mit ihren Kindern gekommen ist. Immerhin seien diese Leute ja Hausbesetzer. „Aber ich finde das eigentlich ganz nett, dass hier was gemacht wird. Das hat hier so lange leergestanden.“ Eine ältere Nachbarin ist ebenfalls positiv überrascht. „Ich hatte auch schon mal die Idee, hier ein Café zu eröffnen“, sagt sie. Also, noch einen Kaffee? Aber gern!

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