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Pro Familia in Frankfurt „Schwangere werden drangsaliert“

Rund 150 Menschen demonstrieren in Frankfurt für Frauenrechte und kritisieren die Mahnwachen der Abtreibungsgegner vor Pro Familia.

Protest gegen Abtreibungsgegner vor dem Gebäude von Pro Familia in Frankfurt. Foto: Peter Juelich

Der Anlass für den Protest ist am Samstagmittag nicht da: die christlich-fundamentalistischen Abtreibungsgegner vor der Beratungsstelle von Pro Familia in der Palmengartenstraße im Westend. Seit Aschermittwoch hält die Initiative „40 Tage für das Leben“ dort täglich Mahnwachen ab. Nicht so am Samstag, für den das Bündnis „Frankfurt für Frauenrechte“ Protest gegen die selbsternannten „Lebensschützer“ angekündigt hatte. „Eigentlich schade, dass sie nicht da sind“, sagt Grünen-Sprecher Bastian Bergerhoff. „Aber das ist ja eines der Ziele des Protests.“

Rund 150 Menschen sind gekommen, um für Frauenrechte zu demonstrieren. Mit Plakaten, auf denen etwa steht: „Beratung statt Gebete“ oder „Mein Bauch gehört mir“. Sie stehen dort, wo normalerweise die Abtreibungsgegner stehen und Fotos von Föten mit Überschriften wie „Ich will leben“ hochhalten.

Pro Familia bietet in gesetzlichem Auftrag Schwangerschaftskonfliktberatungen an, die erforderlich sind, damit ein Schwangerschaftsabbruch straffrei bleiben kann. Zwar sind die Gegner am Samstag nicht erschienen, „aber am Donnerstag, dem Weltfrauentag, sind sie wegen Protesten auch nicht gekommen“, sagt Brigitte Ott, Geschäftsführerin von Pro Familia Hessen. „Und am Freitag waren sie wieder da.“

Nun will das neue Bündnis aus Parteien, Frauengruppen, Initiativen und Vereinen allerdings ebenfalls täglich – außer sonntags – vor der Pro-Familia-Zentrale Präsenz zeigen. Bis Ostern, so lange wie die Abtreibungsgegner kommen wollen. Jeden Tag organisiert eine andere Gruppe Kundgebungen um zwölf Uhr.

Christinnen, Sportlerinnen, Juristinnen, Studentinnen. „Wir wollen zeigen, dass es ein breites gesellschaftliches Verständnis dafür gibt, dass diese Mahnwachen vor der Beratungsstelle nicht gehen“, sagt Ursula auf der Heide, Grünen-Politikerin und Initiatorin des Bündnisses. Die reproduktive Selbstbestimmung sei ein Menschenrecht und die Mahnwache drangsaliere Frauen, die in die Beratungsstelle kämen.

Brigitte Ott berichtet, welch massive Beeinträchtigung die Mahnwachen für Pro Familia darstellten. Es sei etwa fraglich, „ob Frauen, denen in der Beratung Hilfe angeboten wird, auch wiederkommen“. Schließlich müssten sie jedes Mal an Abtreibungsgegnern vorbei. „Aber es ist großartig zu sehen“, ruft Ott, „dass Frankfurt aufsteht und sagt: So etwas geht bei uns nicht“. Und Annette Ludwig von NoFragida sagt: „Dass eine wichtige Arbeit versucht wird zu stören, ist alles andere als christlich – es ist inhuman.“

Das Ordnungsamt verbietet die Mahnwachen nicht: Demonstrationsfreiheit. „Aber es geht da nicht um Meinungsäußerung, es geht um Ansprache“, moniert Ott. Denn letztendlich sollten Schwangere von einer Abtreibung abgehalten werden.

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