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Polizeiskandal in Frankfurt Das Comeback von Sabine Thurau

Die LKA-Chefin Sabine Thurau muss mal wieder in Frankfurt ausmisten – ein Porträt.

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Sabine Thurau (62) kennt sich in Frankfurt bestens aus. Foto: Alex Kraus

Es ist schon einige Jahre her, aber Sabine Thurau wird die Vorgänge in Frankfurt noch in guter Erinnerung haben. Der damalige Innenminister Volker Bouffier hatte Thurau Ende 2005 als Polizeivizepräsidentin nach Frankfurt geschickt, um dort auszumisten. Es ging um Mobbingvorwürfe, Spesenbetrug und Seilschaften innerhalb einzelner Dienstgruppen.

Thurau, bereits seit 1974 bei der hessischen Polizei, war nicht für halbe Sachen bekannt. Als 2006 der Leiter einer Fahndungsabteilung wegen des Verdachts auf Spesenbetrug suspendiert wurde, sagte Thurau in einer Dienstbesprechung, der Beamte sei „in schwerste kriminelle Machenschaften verwickelt“ und werde nicht mehr auf die Dienststelle zurückkehren. Der Beamte klagte dagegen erfolgreich, das Land Hessen musste 8000 Euro Schmerzensgeld zahlen, da Thurau gegen das Verbot der Vorverurteilung verstoßen habe.

In einem anderen Fall soll Thurau einem Beamten die Kronzeugenregelung in Aussicht gestellt haben, falls dieser gegen einen Kollegen aussage. 2009 sagte Thurau in der Sache vor dem Amtsgericht aus und wollte das so nicht gesagt haben. Es folgte eine Schmutzkampagne mit gegenseitigen Vorwürfen und Beschuldigungen. Ein Jahr später landete die Mutter dreier Kinder selbst wegen des Vorwurfs der uneidlichen Falschaussage vor Gericht.

Thurau war zu diesem Zeitpunkt auf der Karriereleiter schon weiter nach oben geklettert und hatte im März 2010 die Leitung des Landeskriminalamts übernommen. 

Nach den Vorwürfen musste sie das Amt aber schon ein halbes Jahr später wieder ruhen lassen und wurde vom neuen Innenminister Boris Rhein ins Innenministerium abgeschoben, wo sie in einem Kämmerchen ein Projekt zur Einführung der elektronischen Personalakte überwachen sollte. Eine hochrangige Beamtin, die suspendiert und kaltgestellt wird – ein gefundenes Fressen für die Medien. Die Kampagne gipfelte laut Thurau darin, dass ihre elfjährige Tochter in der Schule gehänselt wurde. Bei ihrer Aussage vor dem Landgericht in einem proppevollen Verhandlungssaal war die vergiftete Stimmung zwischen der Angeklagten und den anwesenden Frankfurter Beamten dann zum Greifen. 

Die gebürtige Frankfurterin wurde freigesprochen und klagte anschließend auch erfolgreich gegen ihre Suspendierung als LKA-Chefin. 2013 übernahm sie das Amt wieder. „Es war für mich eine sehr lehrreiche Erfahrung, die mich nicht nur demütig gemacht hat, sondern mir auch zeigt, wie sensibel wir mit Vorwurfslagen umzugehen haben“, sagte die heute 62-Jährige seinerzeit. 

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