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Polizei in Frankfurt 150 Jahre Frankfurter Polizei

Die Frankfurter haben den Preußen viel zu verdanken - nämlich ihre Polizei. Sie errichteten vor 150 Jahren ein Polizeipräsidium in der Stadt. aus Anlass des Jubiläums gibt es einen Tag der offenen Tür.

22.06.2017 08:06
Kriminalität in Frankfurt
Die Frankfurter Polizei ist immer im Einsatz - hier bei einer Razzia im Bahnhofsviertel. (Archivbild) Foto: dpa

„O.P.“ schrieben die Frankfurter früher gerne einmal als kleinen Zusatz auf ihre Einladungen. Dass eine Gesellschaft „ohne Preußen“ stattfinden würde, war im 19. Jahrhundert eine entscheidende Information - die Bewohner der ehemals Freien Stadt Frankfurt waren ihren Besatzern zutiefst abgeneigt. Und doch: „Im Prinzip haben sie den Preußen viel zu verdanken“, sagt Kurt Kraus, ehemaliger Erster Polizeihauptkommissar bei der Frankfurter Polizei.

Ein moderner Polizeiapparat zählt zu diesen Errungenschaften. Die Polizeigeschichte lässt sich in Frankfurt zwar bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Am 29. September 1867 aber errichteten die Preußen ein Polizeipräsidium mit einem Präsidenten an der Spitze. Der Grundstein für die behördliche Polizei war gelegt. Die Zahl der damals etwa 100 Polizisten stieg bis heute auf mehr als 3700. Das Jubiläum nach preußischem Recht wird nun groß gefeiert: Der Tag der offenen Tür am 24. Juni steht ganz im Zeichen des 150. Geburtstags.

Kraus hat die städtische Polizeigeschichte erforscht und aufgeschrieben. Nach seiner Pensionierung war der heute 83-Jährige dabei, als aus der einstigen Lehrmittelsammlung der Polizei ein öffentliches Kriminalmuseum wurde. Wer heute durch die Räume im Keller des Präsidiums an der Adickesallee streift, kann jedes Detail der Frankfurter Polizeihistorie nachlesen. Vom Büttelwesen zum Akademikerberuf, sagt Kraus.

Heute steht er vor einer großen Tafel, die Bilder aus dem Dritten Reich zeigt. Damals waren die der SS unterstellten Polizeiregimentern auch in Erschießungen und den Abtransport von Juden in Konzentrationslager verwickelt. Den wohl dunkelsten Abschnitt der Frankfurter Polizeigeschichte wolle man „nicht ausblenden“, sagt Kraus. „Sondern dokumentieren, wie es war.“

Besucher müssen 14 Jahre alt sein - Tatort-Fotos, originale Täterkleidung, Schusswaffen und aufgesprengte Tresore gibt es zu sehen. Eine Vitrine zeigt den Fall Nitribitt: Früher, so erzählt Kraus, hätten Besucher hier sogar den Schädel der wohl berühmtesten Prostituierten Frankfurts zu sehen bekommen. Erst 2008 - knapp 50 Jahre nach dem Tod der jungen Frau - beerdigte man ihn auf Bitten der Halbschwester in Rosemarie Nitribitts Grab in Düsseldorf. Der Mordfall aus dem Jahr 1957 „wurde aufgebauscht als Legende“, findet Kraus.

Wenige Meter weiter liegt die Tatwaffe des „Hammermörders von Frankfurt“: ein psychisch kranker Mann, der 1990 mehrere Obdachlose und Homosexuelle durch kräftige Schläge auf den Hinterkopf tötete und sich selbst später in der Psychiatrie erhängte. In der Vitrine nebenan erinnert ein skurriles Ausstellungsstück an den Autor Henry Jaeger: Der wegen Raubüberfällen verurteilte Frankfurter schrieb seine ersten Werke im Zuchthaus auf Klopapierrollen.

Die Polizei- und Kriminalgeschichte Frankfurts kommt an. Zwar müssen sich Interessierte vorab per E-Mail oder Telefon um einen Besuch im Museum bemühen. Im vergangenen Jahr aber zählten die Beamten mehr als 2200 Gäste. Die Leute seien nach wie vor fasziniert vom Polizistenberuf, meint Kraus.

Doch so groß die Bewunderung für die vermeintlich Schurken jagenden Uniformierten auch sein mag - „es fehlt vielfach an qualifizierten Bewerbern“, sagt Wolfgang Schulte, Leiter der Forschungsstelle Polizeigeschichte an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. Durch die aktuelle Sicherheitslage und die abstrakte Terrorbedrohung suche die deutsche Polizei dringend neue Leute.

Die meisten Bewerber sind Männer. Der Frauenanteil bei der deutschen Polizei ist nach wie vor gering. Im Bundesdurchschnitt liege er zwischen 20 bis 25 Prozent; im Höheren Dienst sogar bei weniger als zehn Prozent, so Schulte. 1979 wurden in Berlin erstmals auch Frauen für die Ausbildung zugelassen. Bayern war acht Jahre später Schlusslicht.

Frankfurt liegt dazwischen: Die erste Polizistin wurde 1981 angestellt. Heute sind 24 Prozent der Beamten weiblich. Immerhin - zehn Jahre zuvor waren es noch 16 Prozent. Aber „die Polizei bemüht sich“, meint Schulte in Hinblick auf den mageren Frauenanteil bei der deutschen Polizei. Das Bewusstsein ändere sich.

Heute, meint Kraus rückblickend, müssten die jungen Kollegen viele Überstunden leisten. Nicht zuletzt wegen verschärfter Sicherheitsvorkehrungen und der großen Einsätze sei die Polizei überlastet. Paradoxerweise profitiere der Sicherheitsapparat aber auch von der aktuellen Lage, sagt hingegen Schulte. Nicht nur, weil mehr Geld investiert wird - im Augenblick verändere sich zudem das Image der Polizei: „Es wird deutlich: Wir brauchen Polizei.“

Der Tag der offenen Tür in Frankfurt bildet keine Ausnahme: Hunderte Einsatzkräfte werden im Dienst sein. Besucher müssen sich auf Einlasskontrollen einstellen. Die dürften sich lohnen - nicht nur für Krimi-Fans. (dpa)

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