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Polizei Frankfurt Leichenschau ohne lange Wartezeiten

Für die Leichenschau sind jetzt die Rechtsmediziner des Universitätsklinikums verantwortlich. Die Polizei in Frankfurt ist froh, dass es nun keine langen Wartezeiten mehr geben wird.

Institut für Rechtsmedizin
Rechtsmediziner kennen sich mit Leichen aus. Foto: Andreas Arnold (dpa)

Wenn die Frankfurter Polizei in der Vergangenheit bei einem Todesfall hinzugezogen wurde, begann für die Beamten die oft mühsame Suche nach einem Arzt für die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Leichenschau. Durch eine solche Untersuchung soll geklärt werden, ob es sich um einen natürlich Tod handelt oder ob ein Tötungsdelikt vorliegt.

Insgesamt sterben in Frankfurt jährlich rund 7000 Menschen. In 935 Fällen war nach Angaben von Polizeipräsident Gerhard Bereswill die Polizei involviert. Bei der Suche nach dem Hausarzt oder einem anderen niedergelassenen Arzt sei es immer wieder zu „erheblichen Wartezeiten“ gekommen. Im Notfall, so der Leiter des Gesundheitsamtes, René Gottschalk, musste seine Behörde mit Honorarkräften einspringen.

Die langen Wartezeiten seien aber nicht nur für die Angehörigen unzumutbar, so Bereswill. Im Jahr 2017 hätten sie sich auf 1700 Stunden summiert. Das entspreche der jährlichen Arbeitszeit eines Beamten. Außerdem sei die Qualität der Leichenschauen „sehr, sehr unterschiedlich und manchmal einfach schlecht“. Mit Blick auf die Spurensicherung gelte der Grundsatz, „was man am Tatort falsch macht, kann man später nicht mehr gutmachen“, sagte Bereswill. So dürfe der Tatort nicht „zertrampelt“ werden.

Bundesweit würden, so Bereswill, rund 1000 Tötungsdelikte nicht erkannt. Auch die Untaten des Krankenpflegers und Serienmörders von Delmenhorst, Niels Högel, hätte man durch mehr Sorgfalt bei der Leichenschau vielleicht wesentlich früher entdecken können, sagte der Polizeipräsident. In Frankfurt habe es vergangenes Jahr 40 versuchte und vollendete Tötungsdelikte gegeben.

Wie der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin, Marcel A. Verhoff, erläuterte, steht seit dem 2. Januar 2018 von montags bis freitags jeweils ein Kollege für die durchschnittlich 2,5 Leichenschauen am Tag zur Verfügung. Rechtsmediziner „denken anders“, betonte Verhoff, sie würden einen möglichen kriminalistischen Hintergrund mit einbeziehen. Vor allem aber verfügten sie über viele Erfahrungen. Durch die Obduktionen, die sie vornehmen, hätten sie gelernt, den äußeren Anschein mit dem Bild, das sie durch eine Obduktion erhalten, abzugleichen.

Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) sprach denn auch von einer „Professionalisierung“ der Leichenschau. Mit diesem Pilotprojekt, bei dem die Stadt mit der Uniklinik und dem Polizeipräsidium kooperiert, sei Frankfurt die bundesweit erste Kommune, die unabhängig von gesetzlichen Vorgaben „eine Regelung zu einer qualifizierten Leichenschau“ getroffen habe.

Das Pilotprojekt, dessen Kosten sich auf zunächst 100 000 Euro belaufen, ist auf ein Jahr befristet. Es soll wissenschaftlich ausgewertet werden. Alle Beteiligten zeigten sich jedoch zuversichtlich, das es eine Fortsetzung geben wird.

Sollte es tagsüber einmal zu einer Häufung von Leichenschauen kommen, wird sich das Rechtsmedizinische Institut bemühen, auch diesen Bedarf abzudecken. Für Todesfälle in der Nacht ist der Ärztliche Bereitschaftsdienst zuständig. Die dort tätigen Mediziner seien in der Regel gut auf diese Aufgabe vorbereitet, hieß es.

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