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Polizei Berger Straße in Frankfurt Eskalation bei Kontrolle

Die Polizei überprüft nachts Ausweise auf der Berger Straße in Frankfurt. Es kommt zum Gerangel. Die Situation eskaliert.

Polizeikontrolle  Frankfurt
Personenkontrolle am Donnerstag, 6. Juli, kurz vor Mitternacht auf der Berger Straße. Foto: Bernd Kammerer (.)

Vier Polizisten knien auf einem Mann. Sie drücken ihn mit ihrem Gewicht zu Boden. Daneben stehen Menschen, die sich empören: Die Beamten sollen von dem Mann ablassen. Einige machen Aufnahmen mit Handykameras. Aus einem geöffneten Fenster rufen zwei Frauen: „Hört auf! Das ist Polizeigewalt.“

Ein Polizist schiebt einen Zeugen gegen eine Hauswand. Der Mann solle die Aufnahmen von seinem Handy löschen. Das seien „Beweismittel“, sagt der Polizist. Das Handy würde sonst mitgenommen. Der Zeuge tut, was der Polizist verlangt.

Der Polizeieinsatz war am Donnerstag um kurz vor Mitternacht in der Berger Straße Ecke Schellingstraße. Der Autor dieses Textes und ein Pressefotograf waren zufällig Zeugen der Aktion. Was war passiert? Daniel H. erzählt es so: Er sei mit seinem Freund Valentin C., der von den Polizisten zu Boden gedrückt wurde, auf der Berger Straße auf Kneipentour gewesen. Die Polizisten hätten sie angehalten und nach den Ausweisen gefragt. Plötzlich sei es zum Gerangel mit seinem Freund gekommen. „Wir haben nichts verbrochen“, sagt er. „Der Polizeieinsatz war übertrieben.“

Ein Einsatzleiter der Polizei war am Donnerstagabend für die FR nicht zu sprechen. Am Freitag schilderte Chantal Emch, Pressesprecherin des Frankfurter Polizeipräsidiums, den Hergang so:

Um 23.25 Uhr sei ein Anruf bei der Polizei eingegangen. Mehrere Männer würden Frauen auf der Berger Straße belästigen. Einer habe seinen Penis gezeigt. Daraufhin habe eine Polizei-Streife die beiden Männer kontrollieren wollen. Auf sie habe die Personenbeschreibung gepasst. Valentin C. habe sich „vehement gewehrt“, nach den Beamten getreten, versucht, sich aus dem Polizei-Griff zu winden. Daraufhin seien Kollegen zur Hilfe geeilt und hätten ihn gemeinsam zu Boden gedrückt. Anschließend sei er mit aufs Revier genommen worden, um seine Identität festzustellen. Es sei Blut abgenommen worden, um die Alkoholwerte zu ermitteln. Danach sei er entlassen worden. Gegen ihn werde ermittelt. Die Vorwürfe lauteten: Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Erregung öffentlichen Ärgernisses. Ein Polizeisprecher sagte auf Nachfrage, dass Polizisten das Recht hätten, die Aufnahme von Ton- und Videomaterial zu untersagen. Er berief sich auf Paragraph 201 des Strafgesetzbuches. Strafbar ist demnach, das „nicht-öffentlich gesprochene Wort“ aufzunehmen oder zu verbreiten.

Valentin C. stritt den Vorwurf des Exhibitionismus ab. Er sprach von einen „aggressiven Tonfall“ der Beamten bei der Kontrolle. Er habe in seine Tasche gegriffen, um den Ausweis herauszuholen. Daraufhin habe ihn erst ein Polizist, dann mehrere niedergerungen. Einer der Polizisten habe seine Brille zertreten. Ein Beamter habe, während er auf ihm kniete, seinen Daumen weit von der Hand abgespreizt, was „sehr schmerzhaft“ gewesen sei. Er berichtete von Schürfwunden an Knie, Ellbogen, Stirn sowie Rückenschmerzen. Valentin C. will Anzeige erstatten.

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