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PlastX in Frankfurt „Wir leben im Plastikzeitalter“

Carolin Völker von der Forschungsgruppe PlastX am Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt erklärt, warum wir das umstrittene Material Plastik nicht per se verteufeln sollten

Plastikmüll in Prag
Plastikmüll auf dem Weg zur Wiederaufbereitung. Doch Recycling alleine löst das Problem nicht. Foto: rtr

Es gibt auch diese sehr erstaunliche niederländische Studie, die besagt, dass Einweg-Plastikbecher meist besser sind, als wenn man Keramiktassen in einem Café verwendet. Wie kann das sein?
Der Plastik-Einwegbecher schneidet besser ab als die Keramiktasse, wenn man die Herstellung miteinbezieht. Also auch die Energie, die benötigt wird und den Müll, der dabei entsteht. Und dazu kommt: Wie oft wird diese Keramiktasse gespült? Heißes Wasser, Spülmittel, das ebenfalls in die Umwelt gelangt. Das ist ein Müll, der bloß nicht so sichtbar ist wie die Plastikberge. Laut dieser Studie müsste man die Keramiktasse 500- bis 3000-mal wiederverwenden, bis sie sich gegenüber einem Einwegbecher rentiert. Man müsste seine Keramiktasse eigentlich immer dabei haben – und sie am besten nur einmal die Woche kurz mit kaltem Wasser ausspülen.

Ist das denn die Lösung?
Das ist die Frage. Man sollte an manchen Punkten einfach seinen Lebensstil hinterfragen: Muss ich am Bahnhof noch diesen einen Coffee to go trinken? Kann ich meine Äpfel nicht unverpackt in meinen Rucksack packen statt in Tütchen? Allerdings: Man sollte Plastik auch nicht per se verteufeln und versuchen, es in allen Bereichen durch andere Materialien zu ersetzen. Bei manchen Alternativen befördern wir vielleicht mehr Chemikalien in die Umwelt, andere sind energieintensiver in der Herstellung. Die Lösungsstrategien am Ende zu entwickeln, ist aber nicht die Aufgabe der Konsumenten, sondern die der Wissenschaft, der Politik und der Industrie.

Was kann die Industrie tun, außer Verpackung zu reduzieren?
Ein Weg wäre sicherlich, dass sie sich auch finanziell beteiligt: entweder an der Reinigung von Stränden, wie es beispielsweise die EU-Kommission für bestimmte Produkte, die am Strand gefunden wurden, vorgeschlagen hat. Oder am Aufbau von Abfallentsorgungssystemen in vielen Ländern des globalen Südens.

Was halten Sie von verpackungsfreien Läden?
Verpackungsfreie Läden finde ich gut, aber sie sprechen ein Nischenpublikum an. Aber mit Sicherheit kann man manche Idee auch für die breite Masse umsetzen. In anderen Ländern habe ich beispielsweise gesehen, dass im normalen Supermarkt Abfüllstationen für Kaffeebohnen angeboten werden.

Interview: Kathrin Rosendorff

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