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Pilotprojekt SPD wirbt für Crack-Areal

Die Ortsbeirats-Fraktion fordert ein Pilotprojekt mit bewachtem Konsum von Crack nach Hamburger Vorbild. Andere Ortspolitiker sehen die Gefahr eines rechtsfreien Raums.

Einen geschützten Raum für Crack-Konsumenten im Bahnhofsviertel wünscht sich Ortsvorsteher Oliver Strank. Seiner Ansicht nach müsse es ein Areal geben, wo Crack-Abhängige Drogen konsumieren könnten, aber gleichzeitig Hilfe zum Ausstieg bekämen. „Das Problem ist, dass durch die vielen Repressionen und Kontrollen in den vergangenen Monaten, die durchaus richtig waren, die Konsumenten sich übers gesamte Viertel verteilen“, so der SPD-Mann. Abhängige seien oft aggressiv, was auch Anwohner, vor allem in der Taunus-, Elbe- und Niddastraße belaste. „Wenn wir den Konsum unter Überwachung konzentrieren würden, würde es wieder ruhiger werden“, so Strank.

Die Idee ist nicht neu und wird in Hamburg auch schon umgesetzt. Dort gibt es das „Drob Inn“, eine Kontakt- und Beratungsstelle für Crack-Süchtige. In den Räumen können Abhängige Drogen konsumieren, werden aber wissenschaftlich und medizinisch begleitet, um so einen Ausstieg zu forcieren. Nach dem Vorbild will auch Strank in Frankfurt arbeiten. Einen rechtsfreien Raum wolle er nicht, deshalb müsse das Crack-Areal verschlossen sein, so der Rechtsanwalt. Er wünscht sich aber ein Gelände, das zwar abgegrenzt, aber auch gut einsehbar ist.

Für die Grünen-Fraktion hinkt der Vergleich mit Hamburg. „Es gibt da einen entscheidenden Unterschied“, sagt Fraktionschef Andreas Laeuen, „in Hamburg gibt es eine Brache, auf der Crack unter Aufsicht hergestellt und konsumiert wird, in Frankfurt wird gedealt.“ Somit entstünde ein rechtsfreier Raum, „das kann die Polizei nicht dulden“.

Laeuen will im Bahnhofsviertel keine zweite Taunusanlage haben – in den 90er Jahren Treffpunkt der Heroinsüchtigen. „Es gibt ein Problem und das bereitet Sorgen“, so Laeuen. „Aber man kann bei Ängsten von Bürgern nicht mit schnellen und einfachen Lösungen kommen.“

Auch andere Fraktionen kritisierten Stranks Vorstoß, der im Juni einen Antrag dazu einbrachte, der allerdings zurückgestellt wurde. Der CDU fehlt ein schlüssiges Konzept. „Ich denke, dass der Ansatz, erst einmal Sozialarbeiter einzusetzen und zu schauen, was gebraucht wird, sinnvoll ist, ehe man einen Schnellschuss startet“, so der Fraktionsvorsitzende Michael Weber. Auch er sieht die Gefahr eines rechtsfreien Raums, „das zieht die Leute eher an, wenn da Dealer und Konsumenten auf einem Areal machen können, was sie wollen“.

Alle Fraktionen sehen zudem ein Standortproblem. „Wer das Bahnhofsviertel kennt, weiß, dass es dafür keinen Raum gibt“, sagt FDP-Mann Stephan Korte. Die SPD brachte des Café Fix in der Moselstraße ins Gespräch, „aber die Räume sind nicht groß genug“, sagt Strank. Für ihn ist die Standortfrage auch der zweite Schritt, „erst einmal geht es um die Überzeugung für das Projekt, dann können wir kreativ werden und nach Standorten suchen“.

Strank will demnächst zu einem Ortstermin laden, dort sollen Experten, Anwohner, Polizei und Ortspolitik Modelle diskutieren. „Ich wollte mit meinem Antrag eine konstruktive Debatte anstoßen, das ist mir gelungen“, sagt Strank, „wenn es dann eine bessere Lösung als ein Crack-Areal gibt, bin ich dafür offen.“

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