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Philosophicum Besetzer ziehen ab und fordern Diskussion

Weil der Eigentümer mit einer Anzeige droht, ziehen die Besetzer des Philosophicums auf dem Campus Bockenheim in Frankfurt wieder ab. Die Initiatoren fordern nun eine eine öffentliche Diskussion um das Gebäude.

Das Philosophicum. Foto: Rolf Oeser

Weil der Eigentümer mit einer Anzeige droht, ziehen die Besetzer des Philosophicums auf dem Campus Bockenheim in Frankfurt wieder ab. Die Initiatoren fordern nun eine eine öffentliche Diskussion um das Gebäude.

Am Sonntagnachmittag ist alles vorbei. Eine Gruppe von Aktivisten, die am Abend zuvor das Philosophicum auf dem Campus Bockenheim besetzt hatten, beschließt, es freiwillig zu räumen – eine Reaktion auf die Drohung von ABG-Chef und Eigentümer Frank Junker, gegen alle Personen, die Montagmorgen noch im Gebäude seien, Strafanzeige zu stellen.

Im Gespräch mit der FR erklärt der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), in Gesprächen mit Junker und den Bürgerinitiativen für eine friedliche Einigung geworben zu haben. Angesichts der Wohnungsnot in Frankfurt zeigte er aber grundsätzliches Verständnis für das Engagement der Initiativen.

Besetzung beginnt gegen 21 Uhr

Begonnen hatte die Besetzung am Samstagabend gegen 21 Uhr. Wie die ersten Aktivisten in das verschlossene Gebäude gekommen sind, ist unklar. Sicher ist nur, dass gegen 21 Uhr die Besucher des Campus-Sommerfestes der Bockenheimer Bürgerinitiativen vom Heulen einer Alarmanlage überrascht wurde.

Kurz darauf öffneten einige Aktivisten von Innen die Türen des Philosophicums und luden die Anwesenden ein, hineinzugehen. Der Einladung folgten mehr als hundert Menschen. Neugierig erkundeten sie das Haus, genossen den Taunusblick aus den oberen Stockwerken und studierten die alten Türschilder der Uni-Mitarbeiter.

Viele erzählten, nicht zum Kern der Aktivisten zu gehören, sondern aus reinem Interesse an dem seit Jahren leerstehenden Gebäude gekommen zu sein. Andere stellten sich als Künstler heraus, die im Verein „Offenes Haus der Kulturen“ mitarbeiten, und auch ältere Menschen waren gekommen, darunter Mitglieder der Gruppe „Wohnen im Philosophicum“.

"Keine Besetzung, sondern eine Öffnung"

Das entsprach ganz der Idee, die die Initiatoren verfolgt hatten: „Um das Philosophicum müsste eine öffentliche Diskussion geführt werden, stattdessen ist es in den letzten Jahren unter Verschluss gehalten worden“, sagte Tim Schuster vom Verein „Offenes Haus der Kulturen“.

„Wir sehen diese Aktion nicht als Besetzung, sondern als Öffnung.“ Geplant sei, eine Woche im Philosophicum zu bleiben, und es mit einem kulturellen Programm zu bespielen.

Gar nicht einverstanden mit dieser Idee zeigte sich Frank Junker, der kurz vor Mitternacht in den zweiten Stock des mittlerweile dunklen Gebäudes gekommen war, wo sich rund 60 Menschen zum Plenum versammelt hatten.

Junker kritisierte, dass die Besetzer mit ihrer illegalen Aktion den offenen Dialog zerstört hätten, der in den Planungswerkstätten so gut gestartet sei: „Wir waren immer gesprächsbereit.“ Anette Mönich von der Philosophicum-Gruppe forderte ihn auf, das Gebäude eine Woche lang zur Verfügung zu stellen, um „zu sehen, was sich hier machen lässt“.

Zu einer Einigung kam es nicht, Junker setzte den Besetzern zunächst eine Frist bis Sonntagmittag, später bis zum Montag. Nachdem er gegangen war, gab es noch eine Kunstaktion und Konzerte im Philosophicum. Später in der Nacht zeigte sich jedoch, dass nicht alle Besetzer ernsthaftes Interesse an dem Gebäude hatten. Unbekannte rissen in einigen Räumen Waschbecken und Feuerlöscher von der Wand und warfen sie aus den Fenstern.

Eine Aktion, die am Tag darauf alle Aktivisten scharf verurteilen: „Gefährlich, dumm und kontraproduktiv“, lautet das Urteil. Das war aber auch der einzige Konsens, den sie an diesem Wochenende mit Frank Junker fanden.

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