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Peter Wirth Alles gechillt beim Bahnbabo

Teenies flippen aus, wenn sie den „Bahnbabo“ alias Peter Wirth sehen, Frankfurts wohl bekanntesten Straßenbahn-Fahrer. In den sozialen Netzwerken ist er ein Star.

Bahnbabo
Straßenbahnfahrer Peter Wirth alias Bahnbabo kann überall Spagat. Auch ohne sich vorher aufzuwärmen. Foto: Peter Juelich

Das Strahle-Lächeln vom Bahnbabo hat etwas von Arnold Schwarzenegger, seine Armmuskeln definitiv auch. Eigentlich heißt der Bahnbabo ja Peter Wirth. Seit 30 Jahren ist er schon Straßenbahnfahrer bei der VGF. Aber er ist der einzige Straßenbahnfahrer in Frankfurt, bei dem die Teenies so ausflippen. 

Am Südbahnhof rufen Schüler zwischen neun und achtzehn ihm irgendwo zwischen überrascht und voller Freude zu: „Der Bahnbabo“. Die Mädchen kreischen das – und machen davon ein Video mit dem Smartphone. Der elfjährige Marlon sagt: „Der Bahnbabo ist in Frankfurt extrem bekannt.“ Sein Kumpel verwendet den Ausdruck „Er hat einen krassen Fame.“ Dann fragt Marlon den Bahnbabo: „Können Sie Ihre Muskeln zeigen?“ Für ein Gruppen-Selfie, natürlich. Denn alle wollen ein Foto mit dem Bahnbabo.

Spagat aus dem Effeff

Dieser sitzt an diesem Tag in der Linie 15 in seinem Fahrerhäuschen und lächelt und sagt: „Bleib stabil“. Das sagt er gerne und oft. Oder er ruft den Kids aus der Bahn gerne zu: „Alles gechillt bei euch?“ Seine Stimme klingt wie die eines Tagesschausprechers oder er könnte auch Märchenkassetten aufnehmen. Der 57-Jährige hat weiße Haare, stets gebräunte Haut, trägt Sonnenbrille – sein Markenzeichen wie er sagt. Und er ist nicht nur sehr stark und kann eine halbe Stunde lang eine Plastiktüte mit 15 Litern Hafermilch in der Hand tragen, und sich dabei locker unterhalten.

Er kann auch einfach so, ohne sich überhaupt erst aufzuwärmen zu müssen in den Spagat gehen. Ob vor der Bahn auf dem Boden, oder senkrecht gegen die SOS-Litfasssäule der VGF. „Bahnbabo in Not“ heißt das Bild: Vom Bahnbabo gibt es zahlreiche Fotos im Netz. Eine junge Frau schreibt auf Instagram zu ihrem Selfie mit dem Bahnbabo: „Ich habe es geschafft. Ich kann in Frieden sterben.“ Der Bahnbabo zeigt dann auch ein Video, das ihm zugeschickt wurde. Und zwar aus der Straßenbahnlinie 21 voller erwachsener Eintracht-Fans. „Bahnbabo du bist der beste Mann“, singen sie. Er antwortet: „Ich liebe euch.“ 

„Ich bin nicht der Bahnbabo, weil ich das selber wollte. Ich habe mir auch nicht den Namen gegeben. Ich bin von den Kids dazu gemacht worden“, erzählt Wirth. Babo, das Wort, das in der Jugendsprache der mittlerweile etablierte Begriff für Anführer oder Chef ist. „Ich kann heute nicht mehr genau sagen, wann mich einige Jugendliche das erste Mal den Bahnbabo nannten.“ Bekannt sei er jedenfalls schon viele Jahre. „Anfangs hat sich das von Haltestelle zu Haltestelle gespreaded, also rumgeprochen. Irgendwann gab es dann die Hashtags in den sozialen Medien mit Bahnbabo.“

Seinen Instagram-Account hat Wirth vergangenen Sommer nach dreieinhalb Monaten eingestellt. „Jeden Abend hatte ich 30 Direktnachrichten: Bruder wann kommst du Fechenheim? Wann kann ich ein Bild mit dir machen? Meine Schwester liebt dich. Oder auch: Bruder, wie viel Protein brauche ich?“ Er hatte den Anspruch jede Frage zu beantworten. „Vom kleinsten Kind bis zum größten. Ich bekam Feedback aus der ganzen Welt. Aber ich saß bis nachts um drei Uhr da. Dann hat meine Frau gesagt: ‚Das kannst du nicht mehr machen. Das hältst du nicht durch.‘“ Als er sich aus Instagram zurückzog, hat ein Junge aus Oberrad die geschlossene Facebook-Gruppe „Der Bahnbabo Fans“ gegründet.

Auch in den Sozialen Medien ein Star

Auch sonst kann man den Bahnbabo-Hype verfolgen. So auch auf der Social Media App „Jodel“, auf der Leute Schnappschüsse vom Bahnbabo auf der Fahrt oder beim Training, reinstellen. Und auch er selbst postet immer wieder etwas aus Spaß. „1770 Upvotes, also so was wie Likes, gab es neulich auf ein Bild von mir. Man bekommt da auch sogenannte Karma-Punkte.“ Da habe er über 130 000 in drei Monaten, das seien in der Jodel-Währung sehr viele Karma-Punkte. Bis auf einen kurzen Blogeintrag, hat die VGF bislang noch nie mit dem Bahnbabo geworben. 

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