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Performance in Frankfurt „Der letzte Nazi“ bringt Rechte in Rage

Der Frankfurter Künstler Niklas Fiedler führt im Kunstverein Familie Montez „Der letzte Nazi“ auf, und viele Rechtsextreme drehen durch.

Performance in Frankfurt
Der Frankfurter Künstler Niklas Fiedler spielt den letzten Nazi. Foto: Privat

Der letzte Nazi sitzt im Schnee und weint. Zuletzt ging wirklich alles schief. Am Anfang, ja, da waren er und seinesgleichen auf dem Vormarsch. Der Zweite Weltkrieg wurde gewonnen. Aus Deutschland wurde Deutschwelt. Juden gab es nicht mehr.

Aber damit zunächst auch keine Feinde mehr. Also gründete sich eine Alternative für Deutschland, die noch radikaler war als die NSDAP. Und fortan wurde wieder ausgegrenzt. Alle Asiaten ermordet. Alle Afrikaner sowieso. Dann alle Schwarzhaarigen, schließlich alle Deutschen, die kleiner waren als zwei Meter. Bis nur noch einer übrig blieb. Der letzte Nazi.

Der Comic, den der Frankfurter Künstler Niklas Fiedler, alias Zarathroxa, gezeichnet hat, trägt genau diesen Titel. Seit einigen Tagen führt der 29 Jahre alte Frankfurter die Geschichte als Ein-Personen-Performance im Kunstverein Familie Montez an der Honsellbrücke auf. Damit scheint er viele Rechtsextreme massiv zu provozieren.

So stellte Fiedler vor kurzem ein Video auf seine Facebook-Seite, „einen völlig harmlosen Film“, wie er am Donnerstag im Gespräch mit der FR sagte. Darin informierte er darüber, dass die Vorbereitungen für die Performance, die in eine Ausstellung eingebettet ist, kurz vor dem Abschluss stehen. Doch die Reaktionen darauf waren alles andere als harmlos. „Sperrt ihn weg, dann hat er genug Zeit für seine ,Kunst‘. Im Tierreich hätte man sowas nach der Geburt tot gebissen!“, hieß es etwa. Andere User sprachen von „Entartung und Degeneration“.

Was Fiedler freute: Die Hass-Kommentare wurden von Politikern unterschiedlicher Parteien gelesen und verurteilt. So drückten ihm etwa der Stadtverordnete Thomas Dürbeck (CDU), die Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen (SPD) und die Landtagsabgeordnete Martina Feldmayer (Grüne) ihre Solidarität aus. Fiedler und der Kunstverein Familie Montez sollten sich nicht einschüchtern lassen, so der Tenor.

Der Künstler will die Hasskommentare bei der nächsten Performance am Samstag vorlesen. Doch sprechen möchte er lieber über seine Arbeit. In dem Stück zeige er auch auf, wie es zum NS-Terror gekommen ist. Insofern sei die Performance auch „eine Art Frühwarnsystem“. Die Zuschauer sollten sich der Nazi-Ideologie bewusst werden. Am Ende bleibe dem Protagonisten in seinem Stück nur noch, sich selbst zu hassen.

Auf einen Kommentar hat Fiedler aber doch geantwortet. Ein User pöbelte rum, man könne für solchen Schund ja wohl kein Geld ausgeben. Müsse man auch nicht, schrieb Fiedler. Der Eintritt in den Kunstverein ist frei.

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