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„Patrioten für Deutschland“ in Frankfurt Vier sind das Volk

Die Kundgebung der „Patrioten für Deutschland“ in Frankfurt wird zu einem skurrilen Spektakel. Die Gegendemonstranten sind in der Überzahl.

Rechte Kundgebung
Die Kundgebung der „Patrioten für Deutschland“ in Frankfurt wird zu einem skurrilen Spektakel. Foto: Monika Müller

Als Hartmut Issmer sich ans Mikrofon stellt, um sich an das Volk zu richten, ist er praktisch nicht zu verstehen. Das Volk, das sind zu diesem Zeitpunkt exakt sieben Menschen. Mehr sind nicht auf den Opernplatz gekommen, um sich der Kundgebung der „Patrioten für Deutschland“ anzuschließen, die Issmer, ein Bauingenieur aus Erlensee, angemeldet hat. An den Gittern, mit denen die Polizei den Opernplatz hermetisch abgeriegelt hat, stehen zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 200 Gegendemonstranten mit Regenbogen-Fahnen und Antifa-Plakaten. Ihre Pfiffe und ihre laute Parole „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda“ sind hervorragend zu verstehen.

Es ist kein Wunder, dass an diesem Samstagmittag immer wieder Touristen und andere Passanten stehenbleiben, um die in großer Zahl eingesetzten Polizisten zu fragen, was denn da bitte an der Oper los sei. Denn die Szenerie ist wirklich skurril. Vor einer kleinen Bühne, an der neben mehreren Deutschland-Fahnen auch die Parole „Wir sind das Volk“ prangt, stehen gerade einmal eine Handvoll älterer Leute. Organisator Issmer, in Lederjacke, weißem Hemd und Strohhut, läuft geschäftig vor der Bühne umher, rundherum steht überall Polizei. Selbst einen Wasserwerfer haben die Beamten aufgefahren.

Gegen die vermeintliche „Islamisierung des Abendlandes“ soll Issmers Kundgebung sich richten, 250 Teilnehmer hatte er erwartet und der Frankfurter Rundschau vorab selbstbewusst gesagt, er sei bundesweit vernetzt.

Einer der wenigen tatsächlich gekommenen Teilnehmer, ein großer Mann mit Schnurrbart und grauem Pferdeschwanz, ist bereit, mit der Presse zu reden. Er sei hier, weil er nicht mehr zusehen wolle, wie sein Land verschenkt werde, sagt er. Die UN planten, im Rahmen ihres neuen Migrationspakts 162 Millionen Afrikaner in Deutschland anzusiedeln. „Wer soll das bezahlen?“ Die Grenzen müssten geschlossen werden, um die Migration zu stoppen, sagt der Mann. „Die Afrikaner“, redet er sich in Rage, bekämen seit Jahren Entwicklungshilfe – und trotzdem flöhen viele nach Europa. Zur Not müsse man einfach die ganzen afrikanischen Regierungen absetzen, die seien sowieso alle korrupt.

Mittlerweile hat Hartmut Issmer mit seiner Rede begonnen, von den mittlerweile rund 250 Gegendemonstranten erntet er ein Pfeifkonzert. Deutschland, ruft Issmer, werde von einer „schwarz-rot-grünen Politikerkaste“ regiert, „die die Grenzen weit geöffnet hat.“ Das „hart erarbeitete Volksvermögen des deutschen Volkes“ werde an die ganze Welt verschleudert. Und es sei der Plan der Regierung und der „Globalisten“, in Europa eine „afro-eurasische Mischrasse“ zu züchten. Viele der umstehenden Gegendemonstranten wissen zu diesem Zeitpunkt schon kaum noch, ob sie brüllen oder lachen sollen. Als Issmer seine Rede mit einem schmetternden „Deutsches Volk, wach auf!“ beendet und dann Marschmusik abspielt, schallen Pfiffe und die Parole „Haut ab!“ über den Opernplatz.

Nach gut eineinhalb Stunden ist das Spektakel dann beendet. Die „Patrioten“ rollen ihre Fahnen ein. „Ich geh jetzt in die Sonne“, sagt ein Gegendemonstrant.

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