Lade Inhalte...

Partyschiffe Main Proteste gegen Partyschiffe

Die Partyschiffe auf dem Main spielen oftmals bis zum frühen Morgen laute Disco-Musik. Das stört die Anwohner. Die Behörden sind allerdings machtlos.

Bis spätnachts schippern Partyschiffe mit laut dröhnender Musik über den Main. Foto: Rolf Oeser

Von wegen hochsommerlicher Frieden. Ursula Leonhard in Oberrad ist das Schlafen bei offenem Fenster gründlich vergällt. „Wir werden bis morgens früh mit superlauter Disco-Musik vom Main her beschallt“, berichtet die aufgebrachte Mieterin. Jörg Ludwig, der Betriebsleiter des Hotel-Restaurants „Gerbermühle“, stimmt in die Klage ein: „Bis morgens um vier oder fünf Uhr dröhnt und scheppert es, unsere Hotelgäste fühlen sich massiv belästigt.“

Bei der Wasserschutzpolizei Frankfurt ist das Problem nur zu gut bekannt: „Die Freizeitgesellschaft hat den Main als Location angenommen“, bilanziert Hauptkommissar Hans-Peter Schmidt, Leiter der Ermittlungsgruppe. Auf dem Main fahren von nachmittags bis spät nachts Partyschiffe mit sehr lauter Musik.

„Bei uns laufen immer wieder Beschwerden ein“, bestätigt Schmidt. Jörg Ludwig von der Gerbermühle: „Wenn die Partyschiffe vorbeifahren, fallen die Gäste bei uns draußen im Garten fast vom Stuhl.“

Doch tatsächlich sind die schwimmenden Diskotheken buchstäblich im rechtsfreien Raum unterwegs. Beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Aschaffenburg heißt es: „Wir sind nur zuständig, wenn es Probleme mit dem Motor und der Technik gibt.“

Das städtische Ordnungsamt wiederum verweist auf das hessische Gaststättengesetz, das, so Sprecher Michael Jenisch, ausdrücklich nicht auf Schiffe und Flugzeuge angewendet werden könne.

Die einzige Möglichkeit zum Eingreifen sei „unzulässiger Lärm“: „In äußerst seltenen Fällen haben wir das bei Partyschiffen anwenden können und ahnden die Lautstärke als Ordnungswidrigkeit.“

Hauptkommissar Schmidt hat bereits 2014 das Bundesinnenministerium um Amtshilfe gebeten. Es soll klären, wer auf welcher Rechtsgrundlage gegen die Partyschiffe handeln kann. Diese Prüfung dauere allerdings bis heute an. Bei einem Treffen zwischen Wasserschutzpolizei und Ordnungsamt gelang es der Polizei 2014 immerhin, feststellen zu lassen: „Das Ordnungsamt ist als Verfolgungsbehörde zuständig.“

Party nicht angemeldet

Nur hilft das auch deshalb nichts, weil Partyschiffe nun mal sehr beweglich sind. Bis die Wasserschutzpolizei bei Beschwerden vor Ort ist, ist die Party längst weitergefahren.

Besonders schlimm war für die Oberräder die Nacht vom 8. auf den 9. August – doch das hatte mit Party-Schiffen ausnahmsweise gar nichts zu tun. Bei der Stadtpolizei, berichtet Michael Jenisch, gingen damals massive Beschwerden über laute Musik ein. Die alarmierten Beamten trafen laut Einsatzprotokoll „genau um 0.10 Uhr“ auf dem Grundstück Franziusstraße 164 im Osthafen ein, an der Quelle des Lärms. Dort war laut Bericht der Polizisten „eine Techno-Party mit etwa 1000 Personen im Gang“.

Die Beamten forderten, nachdem es ihnen gelungen war, eine „verantwortliche Person“ zu ermitteln, diese auf, doch die Musik zu dämpfen.

Das Interessante an diesem Fall: Es handelte sich laut Jenisch um ein städtisches Grundstück, für das das Liegenschaftsamt zuständig war. Doch das Ordnungsamt fand heraus: „Beim Liegenschaftsamt war die Party nicht angemeldet.“ Doch so ist das im heißen Sommer 2015 in Frankfurt: Die Grenzen der Zuständigkeit verschwimmen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen