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Park(ing) Day Frankfurt Mehr Park, weniger Parkplatz

Frankfurt begeht zum ersten Mal den Park(ing) Day. Dabei werden Autoparkplätze zeitweise umgewidmet: in kleine Parks, in Treffpunkte mit Sitzgelegenheiten, in Fahrradabstellfläche.

Nein, hier kann heute kein Auto parken. Foto: Monika Müller

Er kann es wohl nicht so recht glauben, der Autofahrer. Erstaunt hebt er zunächst die Augenbrauen, als er am Samstagmittag an der Parkbucht in der Töngesgasse vorbeifährt. Dann kneift er verärgert die Mundwinkel zusammen: Es wäre eben ein schöner Parkplatz gewesen. Super praktisch, nur ein paar Meter von der Zeil entfernt. Aber er ist besetzt. Nicht von einem Auto, und das ist es wohl, was den Herren im Wagen ärgert: Topfpflanzen besetzten den Parkplatz. Und Bierzeltgarnituren. Und Susanne Neumann, Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

Sie lacht. „Pöbeleien von Autofahrern, die parken wollen, hat es noch nicht gegeben“, sagt sie. Noch nicht. So sicher ist sie sich nicht, ob nicht doch noch einer durchdreht. Weil Frankfurt an diesem Tag den Park(ing) Day begeht. Weil deshalb Bürger Autoparkplätze zeitweise umwidmen: in kleine Parks, in Treffpunkte mit Sitzgelegenheiten, in Fahrradabstellfläche. Oder was ihnen sonst so einfällt. „Sinn und Zweck ist zu zeigen, wie viel öffentliche Fläche parkende Autos einnehmen“, sagt Neumann. Das sei tote Fläche, die von Menschen ganz anders genutzt werden könnte. „Sinnvoller“, sagt Neumann.

Das dachten sich vor elf Jahren auch Aktivisten in San Francisco. Sie wollten aufzeigen, welche Platzverschwendung es bedeutet, Flächen für Fahrzeuge zu reservieren, die in Wirklichkeit im Schnitt 22 bis 23 Stunden am Tag herumstehen. Mit Kunstrasen, Bänken und Pflanzen verwandelten sie Parkplätze in Raum für Menschen. Die Idee ging um die Welt und seitdem wird einmal jährlich im September der Park(ing) Day begangen. In Frankfurt hat der ADFC dazu aufgerufen. Der BUND Friend of the Earth und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sind gefolgt. Noch sind es nicht viele Teilnehmer. „Aber es ist auch das erste Mal in Frankfurt“, sagt Neumann. Der Park(ing) Day und die Frankfurter müssen sich eben erstmal kennenlernen.

Geteilte Autos sind weniger Autos

Schräg gegenüber des ADFC hat sich der BUND auf einem Parkplatz breit gemacht. Fahrräder liegen auf dem Boden und blockieren die Fläche, auf Gartenstühlen können Chips und Nüsse geknabbert werden. Auch hier begrünen Topfpflanzen den Asphalt. Rosen, Hagebutten, Paprika. Alles wurde mit dem Carsharing-Fahrzeug in die Töngesgasse transportiert. „Man braucht schon ein Auto“, sagt Charlotte Behrmann vom Kreisverband Frankfurt. „Aber nicht jeder ein eigenes.“

Geteilte Autos sind weniger Autos und somit weniger zugestellte Flächen. „Dann könnte man den Raum begrünen“, sagt Behrmann. Das sei nicht nur schöner, sondern auch besser fürs Klima. Und auch eine Passantin findet, dass in der Stadt immer noch viel zu sehr an die Autos und zu wenig an die Menschen gedacht werde. „Alles ist grau, betoniert, asphaltiert“, meint sie. Den Park(ing) Day hat sie noch nicht gekannt, findet die Aktion aber gut. „Die Menschen müssen sich den Raum aktiv zurückerobern.“ Beim ADFC kann man sich über solche Aussagen nur freuen. „Wenn ein paar heute auf die Idee kommen, dass der Raum besser genutzt werden könnte, dann haben wir ein Ziel erreicht“, sagt Alexander Schulz vom ADFC. „Denn Umdenken funktioniert nicht von einem Tag auf den anderen.“

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