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Parade der Kulturen Wo Peru von China nur einen Schritt entfernt ist

Bei der elften Auflage des Kulturfestes in Frankfurt begeistern zahlreiche Gruppen mit Tanz, Gesang und bunten Trachten.

Parade der Kulturen
Peru zum Greifen nahe: Bei jedem Hüftschwung dieses Vereinsmitglieds klappern die Verzierungen am Rock und geben den Rhythmus der Musik wieder. Foto: Michael Schick

Dieser Tag ist vor allem etwas fürs Auge. Am Samstag wurde die elfte Auflage der Parade der Kulturen gefeiert, und an kaum einem anderen Tag zeigt sich: Frankfurt ist bunt. Bei bestem Paradewetter versammelten sich die mehr als 40 teilnehmenden Gruppen, Vereine und Organisationen am Mainkai und fieberten dem Start entgegen.

Doch große Teile des Fußvolks gehen am Vormittag noch auf dem Römerberg umher. Das sorgt für allerlei neugierige Blicke, Fragen und vor allem Fotomöglichkeiten. „Wo ist die Gruppe denn her?“, fragt ein Mann seine Frau. Diese hastet schnell zum Träger mit dem Schild und liest Panama vor. „Aha, toll sehen die aus“, erwidert der Mann. Die Frauen aus Panama tragen weiße Kleider, auf denen farbige Blumenmuster zu sehen sind. Die Männer halten es eher mit dem Trikot ihrer Nationalmannschaft – als erstmaliger Fußball-WM-Teilnehmer darf man ruhig auch mal stolz auf die Leistung sein.

Nahe des Rathauses haben Männer und Frauen mit üppigem Federkopfschmuck Stellung bezogen. Ein wenig erinnern die Kostüme an männliche Pfauen, die ein Rad schlagen. Die Teilnehmer gehören zum Verein Puerta del Sol (Tor der Sonne). Viele sind Bolivianer, aber es sind auch zahlreiche unter ihnen, die gar nicht so bolivianisch aussehen. „Wir haben auch einige Bleichgesichter dabei“, sagt Steffen Rassow und lacht. Rassow – seines Zeichens selbst Bleichgesicht – hat eine bolivianische Frau und erzählt, dass der Verein seit der ersten Parade im Jahr 2003 dabei ist. „Die Parade steht für Frankfurt“, sagt er. Menschen mit unterschiedlichen Kulturen zusammenzubringen, das sei genau das Richtige für den Verein, der die Verbundenheit zwischen Deutschland, Bolivien und ganz Südamerika stärken möchte.

In Richtung Mainufer nahe des Historischen Museums hat sich der Freundeskreis für ukrainische Kultur und Volkskunst aufgestellt. Um ihn herum eine Traube Menschen, die der Musik des Vereins zuhört. Mit Geige, Akkordeon und Trommel unterhält die Gruppe das Publikum. Die Frauen tanzen in weiß-roter Tracht zu den Klängen der Instrumente und schwenken die gelb-blaue Fahne des Landes.

Am Ufer des Mains schlendern die ersten Besucher über das Kinder- und Jugendfest, das parallel zur Parade durchgeführt wird. Der Veranstalter Frankfurter Jugendring möchte damit auch etwas für die kleinen Gäste bieten, doch auch die haben zunächst viel Interesse an den Paradeteilnehmern. Gemeinsam mit ihren Eltern suchen sie sich die besten Plätze am Straßenrand.

Doch noch ist der Startschuss für den Umzug nicht gefallen. Andrej Schmidt und Tamara Berlakov gehören zur Initiativgruppe „Republik Belarus“. „Wir sind zum ersten Mal dabei“, sagt Berlakov. Die Erwartungen seien freudig, aber man sei auch ein bisschen aufgeregt.

Auch die Südsee, die Maori und Hawaii sind vertreten

Die kleine Gruppe möchte ihre Heimat Weißrussland repräsentieren und zeigen, dass die weißrussische Community hier gar nicht so klein ist. Ihre weiß-roten Trachten hätten sie extra von der Botschaft in Berlin bekommen. „Eine schöne Veranstaltung in einer toleranten Umgebung“, resümiert Andrej Schmidt.

Beim Gang durch das Teilnehmerfeld, das sich langsam in Position bringt, mag sich das Auge kaum sattsehen. Gelb, Grün, Rot, Blau, Lila – kaum eine Farbe, die es da nicht gibt. Besonders schön die Details der Kostüme. Eine Gruppe aus China trägt aufwendig gestaltete Fächer. Frauen aus Indonesien haben bunte Sonnenschirme aufgespannt, vier Drachen mit je zwei Menschen drin wackeln durch die Teilnehmer, suchen noch ihren Platz. An fast allen Wagen und Autos erklingt Musik. Mal aus Lautsprechern, aber oft auch selbst gespielt.

So wie die Musik der Kulturfreunde von Polynesien, der Südsee und Maori. Mit Ukulelen spielen sie hawaiianische Musik und singen dazu. „Wir sind extra aus Stuttgart zur Unterstützung angereist“, verrät Nicole Schüder. Viele treibe die Sehnsucht nach schönen Inseln um, diese und die Liebe zur Natur würden in den Liedern besungen, die die Gruppe vorträgt. „Wir haben ein hawaiianisches Herz“, sagt Schüder. Erst im April habe sie auf der Inselgruppe im Pazifik Urlaub gemacht. Zur Parade tragen die Frauen rote Blumenkränze um den Hals. Ihre Oberteile haben sie selbst gefertigt und die Unterteile direkt aus Hawaii bekommen.

Vor ihnen probt eine chinesische Trommelgruppe noch die letzten Schläge. Dann geht es los, und der Tross bahnt sich seinen Weg in Richtung Hauptwache.

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