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Parade der Kulturen in Frankfurt Wo die ganze Welt zu Hause ist

Die Parade der Kulturen in Frankfurt offenbart, wie bunt und vielfältig das Leben in der Mainmetropole ist. Die Zuschauer sind dabei nicht weniger international aufgestellt als die Teilnehmer. 

Bunt und schön - die Parade der Kulturen. Foto: Rolf Oeser

Man muss keine Weltreisen unternehmen, um zu sehen, wie es in  anderen Kontinenten zugeht – die ganze Welt ist in Frankfurt zu Hause. Da hat Andrea Ehrig vom Stadtjugendring, der die Parade organisiert hat,  schon recht. Ehrig kommentiert das bunte Treiben am Samstag vom „Stimmungsnest“ an der Hauptwache aus. Hier legen die meisten der rund 70 Gruppen einen kleinen Zwischenstopp ein, zeigen ihre Trachten und Tänze und dass ihnen trotz des großen gemeinsamen Gefühls der Zusammengehörigkeit, doch etwas ganz eigens geblieben ist – ihre Tradition, die sie auch fern der Heimat pflegen und zwar mit einem bisweilen überwältigenden Aufwand.

 Wie viele Blumen haben wohl die lettischen Frauen gepflückt und zu üppigen Kränzen gebunden, die sie auf dem Haupt tragen  und die ihnen etwas Feenhaftes verleihen? Blumen tragen sie auch in den Händen, mit denen sie den Zuschauern zuwinken, die nicht weniger international aufgestellt sind als die Teilnehmer  der Parade.  

Mit  Hingabe werden Fahnen und  Hüte  geschwenkt, die Röcke fliegen, wenn die Frauen sich drehen,  oder werden bodenlang und mit Würde getragen. Wilde Bulgaren in  zotteligen Kostümen stürmen vorüber. Lateinamerikanerinnen bewegen sich graziös – nicht nur sie erinnern ein wenig an Karneval in Rio. Dabei geht es bei der Parade nicht nur darum, ausgelassen und fröhlich zu sein.  Alle zusammen wollen auch ein Zeichen setzen gegen Ausgrenzung und Rassismus. „Schön zu sehen, wie Frankfurt für viele eine Heimat wird“, sagt Ehrig, die mit ihrer Tochter am Nebeneingang zur Katharinenkirche steht und immer wieder darauf hinweist, dass es als Hilfestellung für all jene, die zufällig auf den Demonstrationszug gestoßen sind, noch jede Menge Programmhefte gibt. 

Drei Bühnen gibt es, eine auf dem Römerberg, zwei am Main mit Programm bis 20 Uhr. Dazu rund 80 Stände an denen kulinarische Köstlichkeiten und Kunstgewerbe angeboten werden. Dieser „Markt der Kulturen“ wird kurz nach  12 Uhr von Oberbürgermeister Peter Feldmann (OB) eröffnet. Der OB betont die Jahrhunderte währende Kraft zur Integration in der Messestadt Frankfurt, erwähnt die   175 Nationen,   die hier leben und 200 verschiedene Sprachen sprechen. In Frankfurt gebe es keine Separation, keine pakistanischen, jüdischen oder chinesischen Viertel wie in London oder Paris. Das Rezept dieser Stadt laute Frieden und Zusammenhalt.

Als der OB spricht, hat sich die Parade schon in Bewegung gesetzt. In schwindelerregendem Tempo wechseln sich  die Herkunftsländer ab:  So geht es von Venezuela übergangslos in die Ukraine, bis nach Polen ist es dann nicht mehr ganz so weit. Es folgt eine Gruppe der Paul-Hindemith-Schule aus dem Frankfurter Gallusviertel, abgelöst von Peru, wo es offenbar Männer gibt, die gleichzeitig die Trommel schlagen und die Panflöte spielen können. In Bolivien tragen sie   dafür prächtige, blau-glitzernde Anzüge.

Alle machen mit: Frauen, Männer, wer im Rollstuhl sitzt, wird geschoben, die Kinder wirken häufig noch etwas schüchtern, aber schließlich beginnen  auch sie zu tanzen. Natürlich nicht alle – etwa die kleinen Jungs aus China, allesamt schlicht schwarz gekleidet, die doch eher grimmig gucken, während die etwas älteren Mädchen in federleichten Kleidern sich elegant-wehmütig zur Melodie im Hintergrund bewegen. Anerkennendes Gemurmel bricht im Publikum aus, als  eine Kung-Fu-Einlage gezeigt wird, ergänzt von einem Kämpfer der Schwertkunst. Das sieht nun wirklich so perfekt aus, wie im Fernsehen.

Damit ist der chinesische Beitrag aber noch nicht abgeschlossen:  Ein goldener Drache gesteuert von neun Personen und ihren Bambusstäben schlängelt sich vorbei, die Mitglieder einer  Blaskapelle marschieren zackig. Später, wenn sie auf dem Römerberg eintreffen, werden sie mit großem Schmiss „Freude schöner Götterfunken“ spielen.

Andrea Losleben und Johannes Sassenroth begrüßen die Gruppen von der Bühne am Römerberg aus, wenn sie über die Neue Mainzer, den Roßmarkt, die Töngesgasse und die Braubachstrasse durch die Innenstadt gezogen sind. Auch hier wird in wechselnden Formationen getanzt. „Wir brauchen den Beat, alle müssen mitklatschen“, ruft Sassenroth und bittet darum, noch bis zum „großen Finale“ um 15 Uhr zu bleiben.              

Tülay und Sadi Sanlav haben  für diesen Tag extra ein Lied komponiert:    „Liebe ist“.   Es werden Zettel mit dem Text verteilt. Tülay betritt die Bühne sucht noch nach ihrem Mikrophon. Bis zu diesem Zeitpunkt ist „Petrus ein Frankfurter“, beteuert  Ehrig.      Doch jetzt kommt der Regen.   Aber das macht nichts. Tülay singt und viele singen mit. Der Römerberg rockt.   

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