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Parade der Kulturen "Das Bunte ist politisch"

Man kann nicht nur gegen, sondern auch für etwas demonstrieren, sagt Rebekka Rammé, die Vorsitzende des Frankfurter Jugendrings. Der lädt Ende Juni wieder zur Parade der Kulturen ein.

Wer bei der Parade mitlaufen möchte, kann sich noch bis Ende April bewerben. Foto: Michael Schick

Frau Rammé, die Parade der Kulturen wird im Juni zum zehnten Mal durch Frankfurt ziehen. Erstmals sollen Teilnehmer einen Aufruf „für ein offenes und solidarisches Frankfurt“ unterstützen. Warum?
Die Parade war schon immer eine politische Demonstration. Sie ist ins Leben gerufen worden, um gegen Neonazis in Frankfurt zu demonstrieren und die Vielfalt der Stadt zu zeigen. In den letzten Jahren haben wir aber von verschiedener Seite Kritik gehört, dass die Parade nicht mehr politisch genug wäre. Wir wollen deshalb dieses Mal die politische Seite mehr in den Vordergrund stellen. Die Ziele, die im Aufruf aufgeführt werden, dass wir Vielfalt als Bereicherung verstehen, für ein gleichberechtigtes und friedliches Miteinander und gegen Diskriminierung eintreten, waren zwar schon immer Inhalt der Parade, wurden aber noch nicht so explizit benannt. Wir haben aber natürlich dieses Jahr auch das Thema Flüchtlinge im Aufruf mit in den Blick genommen.

Bunte Kostüme, Musik, Tanz haben eher etwas Folkloristisch-Unterhaltsames. Wodurch zeigt sich denn der politische Charakter der Parade?
Ich glaube, gerade dieser bunte Demonstrationszug ist das Politische. Das Bunte zeigt ja, dass es in Frankfurt so viele unterschiedliche Nationen gibt, die friedlich miteinander leben, die auch ihre Kultur hier in Frankfurt ausleben, das offen zeigen und gemeinsam dafür demonstrieren können.

Wie wird sich das Thema Flucht im Programm niederschlagen?
Es wird mit Sicherheit in den Reden der Abschlusskundgebung auf dem Römerberg thematisiert werden. Schon in den vergangenen Jahren haben Geflüchtete etwa beim Markt der Kulturen teilgenommen. Die Parade ist offen für jeden, und wir haben auch Jugendverbände, die viel in der Flüchtlingsarbeit machen und denen es freisteht, darauf hinzuweisen, dass Integration hier in Frankfurt funktioniert.

Bis Ende April können sich noch Teilnehmer für den Demonstrationszug anmelden. Wer kann mitmachen und wie?
Grundsätzlich gilt: An der politischen Demo kann jeder auch noch am Tag selbst entscheiden teilzunehmen. Aber wer offiziell ins Programm aufgenommen werden möchte, muss sich bis Monatsende anmelden. Bedingung ist nur, dass es nicht unseren im Aufruf vermerkten Grundsätzen widerspricht oder demokratiefeindlich ist.

Das Zusammenleben verschiedenster Kulturen ist in Frankfurt Alltag, gerade unter den Kindern und Jugendlichen, die Sie als Jugendring vertreten. Warum braucht es dennoch eine Parade der Kulturen?
Ich finde, es wird immer ganz viel gegen irgendetwas demonstriert - und wir wollen mit der Parade zeigen, dass man auch für etwas demonstrieren kann. Wir möchten den Menschen die Vielfalt dieser Stadt vor Augen führen. Und denen, die meinen, einzelne Gruppen ausgrenzen zu müssen, wollen wir zeigen, dass es eben doch möglich ist, friedlich in Vielfalt zusammenzuleben.

Welchen Stellenwert hat die Parade für den Jugendring?
Es ist die größte Veranstaltung, die der Frankfurter Jugendring durchführt und mindestens hessenweit das größte Event, das rein ehrenamtlich gestemmt wird. Und es ist der Teil unserer Arbeit, der öffentlich am meisten wahrgenommen wird.

Ist die Parade an sich denn eine junge Veranstaltung?
Die Gruppen, die teilnehmen, sind bunt gemischt. Beim Bühnenprogramm achten wir immer drauf, dass viele Jugend- und Kindergruppen zum Zuge kommen. Wir haben auch ein spezielles Kinderprogramm. Und die rund 250 ehrenamtlichen Helfer sind Jugendliche und junge Erwachsene, die den ganzen Tag dafür arbeiten, dass dieses Event läuft.

Sie selbst sind erst kürzlich in Ihrem Amt als Vorsitzende des Frankfurter Jugendrings bestätigt worden. Warum engagieren Sie sich neben Ihrem Beruf als Polizistin für die Jugend und die Parade der Kulturen?
Ich finde, dass man sich gesellschaftlich engagieren sollte, um etwas zurückzugeben. Parteipolitik ist aber nicht mein Ding, weil ich das Gefühl habe, mehr erreichen zu können, wenn ich direkt an den Jugendlichen dran bin. Wir verstehen uns als Sprachrohr aller Kinder und Jugendlichen in Frankfurt. Wir versuchen, die Politik auf Missstände aufmerksam zu machen und gucken, was kann besser gemacht werden, damit das Leben in Frankfurt gut läuft für junge Menschen. Ich finde das ganz wichtig, sich für sie starkzumachen, weil sie keine starke Lobby haben und selbst schwer gehört werden. Das mache ich aus Überzeugung.

Interview: Marie-Sophie Adeoso

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