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Palmengarten Tausende besuchen das Rosen- und Lichterfest im Palmengarten

Das Rosen- und Lichterfest im Palmengarten zieht am Samstag erneut tausende Besucher an. Hunderte warten auf Einlass.

Rosen und Lichterfest im Palmengarten
Teelichter-Kunstwerke auf dem Rasen. Foto: Monika Müller

Die junge Frau ist aufgebracht. Das Handy ans Ohr gepresst, als wollte sie damit eine Beule kühlen, läuft sie mit stampfenden Schritten die Siesmayerstraße herunter und gestikuliert immer wieder in Richtung der Warteschlange. „Hey, ich warte hier schon 30 Minuten auf euch“, schreit sie ihren Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung an. Dann plötzlich bleibt sie stehen. Das Smartphone verschwindet in der Gesäßtasche. „Da seid ihr ja!“, ruft sie in die Masse der Wartenden hinein und reiht sich ein.

Wer am Samstagabend gegen 20.30 Uhr noch nicht im Palmengarten ist und nicht zu den Glücklichen zählt, die bereits vorab eine Karte für das Rosen- und Lichterfest erworben haben, muss sich in Geduld üben. Die Siesmayerstraße ist ab der Ecke Grüneburgweg gesperrt und verstopft mit Hunderten Wartenden. Ähnlich sieht es zum selben Zeitpunkt am Eingang Palmengartenstraße aus. Warten, anstehen, hoffen, dass man noch rechtzeitig reinkommt, ehe die Veranstalter die Notbremse ziehen und niemanden mehr reinlassen – das ist längst Teil der Tradition dieses Festes, das bereit seit 1931 vom Palmengarten ausgerichtet wird. So bleiben die Massen geduldig, selbst wenn sie von Kartenbesitzern überholt werden.

Diejenigen, die früh genug da waren, haben derweil im Palmengarten längst die begehrtesten Plätze besetzt. Zwischen den Rosenbeeten unmittelbar hinter dem Eingang Siesmayerstraße sind sämtliche Freiflächen längst wie Claims im wilden Westen abgesteckt. Picknickdecken und Campingstühle markieren Territorien, die selbst dann unangetastet bleiben, wenn sich die Eigentümer gerade woanders herumtreiben.

Die Dämmerung ist die Zeit, in der sich das Herumtreiben beim Rosen- und Lichterfest wohl am meisten lohnt. Je dunkler der Abendhimmel wird, umso mehr Teelichter leuchten. Und die von den Gästen selbst gestalteten Teelicht-Kunstwerke auf dem Rasen des Palmengartens gelten weiterhin als Hauptattraktion des Festivals.

„In drei Stunden, die wir hier schon sind, hat erst einer erkannt, was es darstellen soll“, sagt Marius Bruns mit schelmischem Grinsen, während drei andere Besucher vor seinem Teelichter-Arrangement stehen, es mit ihren Smartphones abfotografieren, sich am Ende aber doch nicht trauen, zu fragen, was es eigentlich darstellen soll. „Anderthalb Stunden habe ich es gelegt“, sagt Bruns, „das Anzünden hat noch mal 45 Minuten gedauert.“ Herausgekommen ist ein Niffler – eine Figur aus dem Kosmos der Harry-Potter-Romane und ihrer Ableger.

Bruns Teelicht-Kunstwerk gehört zu den aufwendigeren. Die meisten Künstler beschränken sich auf einfach zu legende Klassiker: Herzen, Peace-Zeichen, der eigene Name. Das Motiv ist nicht wichtig. Es geht um das Leuchten. „Ich finde es toll, dass so etwas Einfaches wie die Kombination aus Licht und Pflanzen die Leute noch so begeistern kann“, erklärt Bruns, warum er das Rosen- und Lichterfest besucht. Seine Partnerin, Dagmar Jourdan-Hilbert ergänzt: „Die Atmosphäre hier ist einfach ungezwungen. Es ist ein Fest für alle. Für Jung und Alt.“

Bei genauem Hinsehen erschließt sich ein eklatanter Unterschied zwischen jungen und „reiferen“ Besuchern. Letztere mögen es eher stationär, beziehen ihre Position im Palmengarten früh – auf einer der Wiesen oder vor einer der Musikbühnen. Die Jungen hingegen scheinen unablässig unterwegs zu sein, fast immer in kleinen Gruppen, auf der Suche nach Anschluss oder wer weiß was. Nicht wenige haben ihre eigenes Getränke-Arsenal im Gepäck – meist in Dosen, Glasflaschen konfisziert der Sicherheitsdienst am Eingang. Wahrscheinlich rührt daher der volkstümliche Spitzname der Veranstaltung: Rosé- und Licherfest.

Johannes aus Darmstadt hat für das Geschehen im Palmengarten keine Zeit. Zielstrebig haben er und seine Frau den Weg in das Gesellschaftshaus gefunden. Den großen Saal bespielt die Tanzschule Wernecke, die Tanzfläche gehört jenen, die Standardtänze beherrschen. „Ist schon 15 Jahre her, aber die Schritte sitzen noch“, sagt Johannes. Seine Frau blickt skeptisch drein, schweigt aber verständnisvoll. „Vor 25 Jahren war sie meine Partnerin beim Abschlussball. Ein Paar sind wir aber erst zehn Jahre später geworden.“

Johannes und seine Frau wollen durchtanzen bis 22.45 Uhr. Dann werden auch sie das Gesellschaftshaus verlassen, um das Feuerwerk zu sehen. Auch das eine Tradition beim Rosen- und Lichterfest. Eine, in deren Genuss die ganze Stadt kommt – ganz ohne Anstehen.

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