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Palmengarten Goose verlässt Villa Leonhardi

Die jungen Foodtruck-Gastronomen von Goose verlassen ihren vorübergehenden Sitz in der Palmengarten-Villa Leonhardi und fühlen sich von der Leitung des Palmengartens im Stich gelassen.

Die ehrwürdige Villa Leonhardi im Palmengarten, modern bespielt, im vorigen Sommer. Foto: peter-juelich.com

Schön war’s, ein Dreivierteljahr lang. Da gab es im Palmengarten Kürbissuppe mit frischem Koriander, Pasta, Ofenkartoffeln – und Waffeln vor allem, leckere belgische Waffeln mit Karamell, Schokolade oder Bratapfelcreme. Aber damit ist es bald vorbei.

„Eilmeldung!“, überschreiben die jungen Köche ihre Pressemitteilung: „Goose verlässt Villa Leonhardi im Palmengarten vorzeitig“ – zu Weihnachten. Goose ist ein modernes Catering-Unternehmen, das sogenannte Foodtrucks im Stadtgebiet betreibt, Imbisswagen also. Im Palmengarten eröffnete die Firma im März ein neues Betätigungsfeld, ein stationäres Restaurant. Drei Jahre sollte es dort bleiben; aber nun ist das Experiment vorbei. „Diesem traurigen Ende sind Monate schwieriger Zusammenarbeit mit dem Palmengarten vorausgegangen und wir ziehen nun schlichtweg die Konsequenzen aus dieser unbefriedigenden Partnerschaft“, schreiben die Goose-Chefs Gökhan Kaba und Patrik Bruch.

Was lief schief? Der Palmengarten habe Versprechen nicht gehalten, beklagt Kaba im Gespräch mit der FR, etwa die Öffnung des Zugangs Zeppelinallee zum Restaurant, ohne dass die Gäste den Palmengarten-Eintritt zahlen müssen. Oder die Werbung: „Es hieß, wir müssten uns um nichts kümmern, es sollten überall Hinweisplakate hängen und ein Goose-Logo sollte am Eingang prangen.“ Aber die Gaststätte sei noch nicht einmal im Palmengarten-Faltplan aufgetaucht – lediglich eine Toilette sei an der Stelle verzeichnet.

„Wir wollen jetzt nicht sagen: der böse Palmengarten“, relativiert Kaba. „Die Villa hat uns auch viel gebracht als Übungsort für die Gastronomie. Aber wir fühlen uns schon ein bisschen im Stich gelassen.“

Gartenleitung ein wenig überrascht

Das beurteilt Palmengartendirektor Matthias Jenny anders. „Im Sommer muss man sich das erwirtschaften, wovon man im Winter lebt“, sagt er. „Das war den jungen Leute nicht klar. Sie haben nicht darauf vertraut, dass wir zusammen etwas entwickeln, das trägt.“ Die Gartenleitung ist ein wenig überrascht davon, dass Goose die Zusammenarbeit schon aufkündigte, obwohl noch ein Gespräch ausgestanden habe.

Generell, sagt Jenny, habe der Catering-Betrieb „relativ passiv darauf gewartet, dass wir ihnen die Gäste reinschicken“. Eine Öffnung zur Zeppelinallee sei von Anfang an nicht beabsichtigt gewesen. Zugang von außen hätten ja bereits das Feinschmecker-Restaurant Lafleur und das Café Siesmayer. „Bei der Villa muss aber der Ansatz sein, dass sie den weniger Reichen etwas bietet.“

Das prachtvolle Gebäude am westlichen Rand der grünen Oase hat eine bewegte Geschichte. 1806 für die Kaufmannsfamilie Leonhardi vor den Toren der Stadt erbaut, brach man sie 99 Jahre später an der Bockenheimer Anlage ab, um Teile davon im Palmengarten zu rekonstruieren. 1987 schließlich gab der Magistrat den Auftrag, die Villa nach historischem Vorbild wiederherzustellen. Die ausführende Firma von damals, die Julius Hembus GmbH, legte sich mit Stuck, Rabitz und Vergoldungen ins Zeug, schuf den Rahmen für noble Edelrestaurants, die bald einzogen – und war nun im Frühjahr 2016 entsetzt darüber, dass die Villa für die künftige Nutzung in grellbunten Farben von innen gestrichen wurde. „Da geht jemand her und verschandelt ein herausragendes Gebäude“, wetterte Hembus-Geschäftsführer Hans Moosbrugger über den „Murks“ und befand: „Diese Villa ist eben kein unbedeutendes Wasserhäuschen oder ein Kitschbau, mit dem man machen kann was will!“

Dem Publikum freilich gefiel’s. Im Sommer konnte sich Goose vor dem Ansturm kaum retten und beschäftigte 20 Mitarbeiter in der Villa. Zu den Weinabenden am Donnerstag, als das Haus tatsächlich zur Zeppelinallee hin geöffnet war, kamen regelmäßig 200 Gäste. Doch in der kalten Jahreszeit ebbte das ab.

Goose (deutsch: Gans) zieht also weiter, auch wieder an einen festen Ort, mit neuem Konzept und neuem Team, sagt Gökhan Kaba, aber die Adresse bleibt noch geheim, bis ein Investor gefunden ist. Und die Villa? Für sie will Jenny einen neuen Caterer finden. „Es wäre eine Sünde, das Haus dauerhaft zu schließen.“

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