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Ostermarsch Ein Appell für den Frieden

2500 Menschen treffen sich auf dem Frankfurter Römerberg und fordern ein Ende von Nato, Waffenexporten und Krieg. Doch manche Teilnehmer fühlen sich hilflos.

Ostermarsch
Ostermarschierer. Foto: Andreas Arnold

Trillerpfeifen, Trommeln und das Protestlied „We shall overcome“ (Wir werden es überwinden): Mit viel Lärm haben die Teilnehmer des Ostermarsches in Frankfurt am Ostermontag auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht. Auf Plakaten und Bannern fordern sie die Freilassung des Journalisten Deniz Yücel und das Ende der Waffenexporte Deutschlands. Der Tross aus mehr als hundert Menschen zieht gegen Mittag vom Bockenheimer Depot zur Kundgebung auf dem Römerberg. Wer ihm entgegenkommt und sich wundert, bekommt einen Flyer in die Hand gedrückt. „Kommt auch zur Kundgebung auf dem Römerberg“, ruft ein Friedensaktivist den Passanten zu.

Menschen jeden Alters nehmen am Ostermarsch teil. Die Sozialistische deutsche Arbeiterjugend ist dabei und fordert: „Hoch mit der Bildung, runter mit der Rüstung.“ Auch der Verein Türkisches Volkshaus Frankfurt mischt sich unter die Marschierenden. Viele andere Leute sind ebenfalls gekommen. Einer von ihnen ist Armin Mikosch. „In der momentanen Situation glaube ich, dass es wichtig ist, Flagge zu zeigen“, begründet der 50-Jährige, warum er an der Demo teilnimmt. Es sei für ihn das erste Mal, dass er mitlaufe. „Sonst war ich nur bei der Kundgebung.“ Eigentlich seien es zu wenige, die mitmarschierten, aber „egal wie viele dabei sind, was die Leute hier sagen, ist wichtig“.

Als die von der Polizei eskortierten Friedensaktivisten in die Schumannstraße einbiegen, rufen sie mit einer Stimme „Hoch die internationale Solidarität!“ Kurz darauf singen einige das Lied „Let it be“ von den Beatles. Die Stimmung ist gut, trotz des ernsten Hintergrunds und trotz Regen und Kälte.

Die 29-jährige Charlotte Graf nimmt schon von Kindesbeinen am Frankfurter Ostermarsch teil. „Es ist ein Programmpunkt der für mich zu Ostern dazugehört“, sagt sie. In diesem Jahr empfindet sie die Situation in der Welt aber noch bedrohlicher als sonst, weshalb es ihr ein noch tieferes Bedürfnis war, teilzunehmen. „Was bleibt einem sonst übrig? Man kann sonst nicht viel machen.“ Deshalb müsse sie diese Möglichkeit nutzen. Sie sei überrascht, dass trotz des schlechten Wetters so viele Leute dabei sind. Sie könne sich aber auch noch an Zeiten in ihrer Kindheit erinnern, wo unglaublich viele Menschen zur Kundgebung auf den Römerberg kamen.

In diesem Jahr sind es 2500 Personen, teilt der Veranstalter mit. Aus Darmstadt und Offenbach sind viele Demonstranten mit dem Fahrrad nach Frankfurt gekommen. „Ich möchte ein Zeichen für den Frieden setzen“, sagt Matthias Muncke. Der 56-Jährige kommt aus der Nähe von Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis und ist in der evangelischen Kirche aktiv. Die Gemeindemitglieder würden sich Sorgen über Krisen wie in Syrien oder die Verfolgung der koptischen Christen in Ägypten machen. „Der Ostermarsch ist eine Institution. Hier will ich mich als Bürger sichtbar zeigen.“ In einer solchen Phase wie momentan sei es wichtig, dass auch andere Präsenz zeigen und sich für Frieden einsetzen.

Auf dem Römerberg ist der Tenor eindeutig. Wer hoffe, dass die Großen die Kriege beenden, mache den Bock zum Gärtner, sagt Bundestagsabgeordnete Christine Buchholz (Linke). Und Landtagsabgeordnete Andrea Ypsilanti (SPD) ergänzt: „Die Friedensbewegung war noch nie so wichtig wie heute.“

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