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Ostend Verhärtete Fronten an der Wingertstraße

Im Frankfurter Ostend gibt es Streit um die Sanierung eines Mietshauses. Nachdem die Bauaufsicht einen Baustopp verhängt, müssen die Arbeiten vorerst ruhen.

23.02.2015 09:53
Martín Steinhagen
Die Mieter aus der Wingertstraße 21-23 sind von der Mietervertreibung durch den Hausbesitzer bedroht. Foto: Rolf Oeser

In der Auseinandersetzung um das Haus in der Wingertstraße 21 ist die nächste Runde eingeläutet: Die Bauaufsicht hat vergangenen Mittwoch einen Baustopp verhängt. Seit Mitte Februar ist das Mietshaus eingerüstet, am Samstag vor einer Woche begannen Abbrucharbeiten an ehemaligen Lagerhallen im Hinterhof, im Treppenhaus fehlen inzwischen die Fenster.

Bis zu einem Grad Celsius sei es im Treppenhaus kalt geworden, seit die Fenster dort ausgehängt sind, sagt Thomas Heinzelmann-Ekoos. Die Mieter führen Buch über die Vorgänge im Haus. Seit es vor etwa zwei Jahren den Besitzer wechselte, hat sich für sie vieles verändert. Die Hausgemeinschaft wirft den Eigentümern vor, sie loswerden zu wollen, um das Haus luxuriös zu sanieren. Die Fronten in der Auseinandersetzung sind längst verhärtet. Von zehn Mietparteien sind nur noch sechs übrig.

Die neuen Eigentümer boten das Haus zunächst für 2,8 Millionen Euro zum Weiterverkauf an. Bisher wohl ohne Erfolg. Eine Baugenehmigung für umfassende Sanierungen und Umbauten liegt aber vor. Inzwischen ist wohl geplant, Wohnungen einzeln zu verkaufen. Das hat einer der Eigentümer der Frankfurter Neuen Presse gesagt.

Mieter vermuten Vertreibung

Die verbliebenen Mieter wollen aber nicht ausziehen. Darauf machen sie mit Schildern auf ihren Balkonen aufmerksam. Vielleicht hat das bisher auch mögliche Interessenten abgeschreckt. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte einer der Eigentümer, er würde das Haus nicht noch einmal kaufen. Gegenüber der FR war er zu keiner Stellungnahme bereit.

Als die Bauarbeiten am Samstag vor einer Woche im Hinterhof und an Balkonen im Erdgeschoss begannen, riefen Bewohner die Polizei, sie informierten auch das Amt für Wohnungswesen und die Bauaufsicht. Die Mieter verweisen auf ein Schreiben der Hausverwaltung, in dem die Arbeiten nicht wie im Mietrecht vorgesehen angekündigt wurden.

Am Mittwoch verhängte die Bauaufsicht einen Baustopp, weil der Beginn der Arbeiten der Stadt nicht gemeldet worden war, erklärt Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats. „Das Amt für Wohnungswesen und die Bauaufsicht haben das im Blick“, sagt er. Die Baugenehmigung gelte aber weiter. Gellert warnt davor, zu viel von der Stadt zu erwarten: Nicht bei allen Problemen könne die Kommune tätig werden.

Die Mieter wünschen sich aber mehr Unterstützung. „Ist die Stadt bereit sich das mit anzuschauen?“, fragt Mieterin Almuth Meyer. „Wir werden uns weiter wehren und rufen andere auf, sich so etwas nicht gefallen zu lassen.“ Ziel der Mieter bleibe es, mit ihrem Verein das Haus zu kaufen, ein Angebot über zwei Millionen Euro hätten sie dem Eigentümer unterbreitet.

Unterstützung erfährt die Hausgemeinschaft inzwischen nicht nur von anderen Initiativen und Nachbarn. Zu einer Mahnwache vor dem Haus am kommenden Samstag, 28. Februar, um 12 Uhr hat auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen aufgerufen.

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