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Ostend Kur fürs Uhrtürmchen

Das historisches Stück an der Pfingstweidstraße wird für die Restaurierung abgebaut. Die Schäden an dem Türmchen aus dem Jahre 1894 sind nicht zu übersehen.

Sobald die Figur abgetrennt ist, bettet sie Kunstschmied Ralf Gerhardt auf Matratzen. Foto: Alex Kraus

Die Laterne ist schon abgeschraubt, der Körper des Uhrtürmchens geöffnet und auf einem Gerüst meißeln und hämmern drei Männer, dass das ganze Bauwerk wackelt. Dem historischen Wahrzeichen an der Kreuzung Pfingstweidstraße / Friedberger Anlage geht es seit Montag an den Kragen. Bis an die Spitze eingerüstet steht es auf der kleinen Verkehrsinsel. Die Kunstschmiede der Werkstatt Gerhardt aus Thüringen nehmen das historische Wahrzeichen Stück für Stück auseinander, um es in ihre Werkstatt zu transportieren.

„Wir werden den Turm soweit vorbereiten, dass er am Dienstag abgebaut werden kann“, sagt Inhaber Ralf Gerhardt. Zunächst werde der obere Korpus zerlegt, der Ritter auf der Spitze des Turmes, der Kranz und auch die Leuchte demontiert und gesichert. Dann werde der gesamte Turm bis auf den Sockel zerlegt und mit einem Kran auf einen Lastwagen verfrachtet. Alles natürlich sehr vorsichtig. „Die ganzen Matratzen haben wir nicht zum schlafen dabei“, scherzt Gerhardt und zeigt auf die Polster auf der Ladefläche seines Lkw.

Die Schäden an dem Türmchen aus dem Jahre 1894 sind nicht zu übersehen. Schaft und Dach zeigen Löcher und Beulen. Korrosion hat ihre Spuren in der Kupferarbeit hinterlassen. In der Werkstatt soll der Turm in alle Einzelteile zerlegt werden. „Wir entfernen zunächst Rost und Kruste“, sagt Gerhardt. Auch die Figuren und die Blüten müssen gereinigt werden.

Viele kleine sensible Arbeiten, mit sehr viel Feinarbeit seien nötig. Alle äußeren Schäden werde man ebenfalls reparieren. „Wichtig ist uns im Bestand zu restaurieren – mit Respekt zu dem historischen Stück“, erklärt der Kunstschmied. Sie versetzten sich in die Herangehensweise derer, die es einst angefertigt hatten. Das Türmchen sei ein schönes Zeugnis aus der Zeit und handwerklich sehr gut gearbeitet. Am Schluss bekomme das Stück einen Schutzfilm aus Wachs. Trotzdem werde der Turm anschließend nicht aussehen wie neu. „Man soll ihm ansehen, dass er aus einer anderen Zeit kommt.“ Um die Uhr und ihre marode Mechanik kümmert sich eigens ein Uhrmacher. Den Sandstein-Sockel wird ein Steinmetz sanieren.

Der Handwerksbetrieb Gerhardt kennt sich aus mit Frankfurter Denkmälern. „Vor vier Jahren war schon die Quadriga der Alten Oper zur Kur bei uns in Thüringen“, so Gerhardt. Auch im Falle des Uhrtürmchens habe die Stadt die Sanierung ausgeschrieben und dem ostdeutschen Betrieb den Zuschlag erteilt. Eigentlich sollte der Turm bereits Anfang Mai abgebaut werden. Die Vorbereitungen mit Straßensperrung und Genehmigungen hätten jedoch länger gedauert.

Um das Uhrtürmchen zu retten, hatte das Kulturamt gemeinsam mit dem Verein „Freunde Frankfurts“ im Herbst vergangenen Jahres einen Spendenaufruf gestartet. Rund 100 000 Euro sind nötig, um das historische Stück zu sanieren. Mehr als hundert Privatpersonen und Firmen sowie der zuständige Ortsbeirat 4 halfen letztendlich, die Sanierung zu ermöglichen.

Geplant sei, dass die Restaurierung vor Winterbeginn abgeschlossen ist, so Gerhardt. Der Kunstschmied ist zuversichtlich, dass dieser Zeitplan eingehalten werden könne. Der Turm, der vor 120 Jahren vom Ostend-Verein, eine Vereinigung ansässiger Geschäftsleute, gespendet wurde, soll dann wieder an seinem angestammten Platz aufgestellt werden – im neuen Glanz.

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