Lade Inhalte...

Ortsbeirat 6 „Die Menschen begeistern“

Susanne Serke, Vorsteherin des Ortsbeirates 6, will die Politik zu den Bürgern bringen. Im FR-Interview spricht sie darüber, wie sie dies schaffen will.

Die Ortsvorsteherin an der Schaumburger Straße. Foto: Rolf Oeser

Frau Serke, in Höchst sind viele Projekte in Bewegung gekommen, die den Ortsbeirat seit langem beschäftigen. Der Bahnhofsumbau, die Planungen für Vorplatz und Busbahnhof, die Sanierung des Bolongaropalasts. Hat der Ortsbeirat jetzt nichts mehr zu tun?
Doch. Wir müssen am Ball bleiben. Den Fortschritt der Projekte begleiten. Die Sanierung des Bolongaropalasts zum Beispiel bringt ja auch Unannehmlichkeiten mit sich. Die jetzigen Nutzer müssen sich nach anderen Räumen umsehen.

Das Theaterfestival Barock am Main zum Beispiel.
Der Leiter, Michael Quast, hatte um finanzielle Unterstützung gebeten, da ein neuer Standort auch mit höheren Kosten verbunden ist. Inzwischen hat das Festival eine neue Spielstätte gefunden, das mehr als 100 Jahre alte Gebäude der Höchster Porzellan-Manufaktur wird zur neuen Kulisse.

Der Ortsbeirat ist ja mit seinen Sitzungen bereits umgezogen, in den Saal der Freikirchlichen Gemeinde.
Was uns gut getan hat. Nicht nur, weil das eine sehr schöne Bleibe ist. Wir wollen näher an die Bürger rücken. Deshalb ist es wichtig, in einem barrierefrei zu erreichenden Raum zu tagen, damit jeder teilnehmen kann. Wir wollen im kommenden Jahr auch durch die Stadtteile ziehen mit unserer Sitzung. Es wäre schön, wenn wir dadurch Bürger erreichen, die sonst nicht zu uns kommen.

Warum ist das wichtig?
Wir müssen die Menschen für die Politik vor Ort begeistern. Ihnen zeigen, dass hier vor ihrer Tür Entscheidungen getroffen werden, die sie unmittelbar betreffen. Egal wie sie vielleicht zu bundespolitischen Themen stehen. Sie sollen sehen, dass es Leute gibt, die vor Ort ihre Interessen vertreten.

Wo wird der Ortsbeirat denn tagen?
In Nied, Sossenheim und Goldstein. Auch in Höchst wollen wir noch etwas Neues ausprobieren und uns in den Räumen der Kliniken treffen. Das ist auch näher an Unterliederbach.

Stichwort Kliniken. Sehen Sie den Trägerschafts-Verbund mit dem Main-Taunus-Kreis eher als Chance oder Gefahr?
Ganz klar als Chance. Ich bin froh, dass die Kliniken weiterhin unter kommunaler Regie laufen. Zum einen sind sie ein wichtiger Arbeitgeber für den Frankfurter Westen, zum andern ist die Gesundheitsversorgung der Menschen hier sicher gestellt. Nicht zuletzt sind die Kliniken ein wichtiger Standortfaktor für die Unternehmen im Industriepark.

Fühlen sich die Bürger in den anderen Stadtteilen des Ortsbezirks jetzt benachteiligt, weil so viel in Höchst passiert?
Ach, es wird ja oft beklagt, der Frankfurter Westen sei abgehängt. Das finde ich schade. Frankfurt ist eine große Stadt mit vielen Stadtteilen. Wenn man betont, der Westen sei davon abgehängt, bleibt das Bild hängen, verfestigt sich. Wir sollten mehr in den Vordergrund rücken, was alles Gutes passiert.

Und das passiert in Höchst.
Auch in den anderen Stadtteilen. Nied ist ins Bundes-Programm Soziale Stadt aufgenommen worden. Nach Griesheim fließt Geld aus dem Stadtumbau-Programm. Außerdem profitieren vom Umbau des Bolongaropalastes und dem Neubau der Kliniken auch die Menschen in den anderen westlichen Stadtteilen. Allerdings konzentrieren sich die Leute tatsächlich oft auf die Probleme vor der eigenen Tür.

Sie meinen?
Kürzlich habe ich in einem sozialen Netzwerk geschrieben, beim Bolongaropalast passiere endlich etwas. Ich dachte, das ist doch ein tolle Nachricht. Prompt hat sich aber eine Sossenheimerin beschwert, dass die Stadt Geld in den Palast stecke aber an der Dunant-Schule gar nichts passiere. Aber ich verstehe die Frau. Sie ist Mutter. Ihre Kinder müssen seit einem Jahr jeden Tag mit dem Bus an die Palleskestraße nach Höchst pendeln. Und am Schulgebäude in Sossenheim ist tatsächlich nicht zu sehen, dass daran gearbeitet wird.

Aber es wird daran gearbeitet?
So weit ich weiß, sind die Vorbereitungen fast abgeschlossen. Im Frühjahr schreibt die Stadt die Arbeiten aus. So ein Schulneubau dauert seine Zeit, es soll ja auch gut werden. Aber mir fällt es zuweilen auch schwer zu akzeptieren, dass die Dinge in der Politik viel Zeit brauchen.

Sie hatten sich sehr für den Verkehrsversuch in Sossenheim eingesetzt. Was ist da der Stand?
Das ist so ein Fall, bei dem ich mich von den Ämtern im Stich gelassen fühle. Weil jetzt gar nichts mehr passiert.

Wo liegt das Problem?
Seit Jahren beschweren sich die Anwohner der Schaumburger und Westerwaldstraße, dass die Autos dort rasen. Wir haben aus Ortsterminen mit dem Straßenverkehrsamt die Idee entwickelt, die Einbahnstraßenregelung zu drehen. Das haben die Experten vorgeschlagen wohlgemerkt. Versetztes Parken würde zu viele Stellflächen kosten, Bodenschwellen bringen Lärm mit sich, wenn die Autos drüberfahren.

Und hilft die Einbahnstraße?
Einige Bürger sagen, die Autos fahren langsamer. Dafür haben sich neue Probleme ergeben. Manche Leute parken die Kurven zu, große Fahrzeuge kommen dann nicht mehr durch. Die Müllabfuhr fährt deswegen gegen die Einbahnstraße. Erstaunlicherweise machen das aber auch andere, selbst in der Michaelstraße, in der sich gar nichts geändert hat. Anscheinend ist die Beschilderung nicht klar. Außerdem weichen die Autos auf die Bordsteine aus, gefährden so die Passanten.

Sie würden darum gerne den Versuch abschließen und bewerten, einen entsprechenden Antrag gibt es im Ortsbeirat.
Es gibt nur noch keine offizielle Auswertung. Die Stadt hat uns noch keine Termin genannt, an dem sie etwas vorstellen könnte. Dabei war der Versuch auf ein halbes Jahr angelegt. Dass es ein bisschen länger dauert, okay, damit haben wir gerechnet. Aber jetzt gilt die neue Regelung seit fast einem Jahr.

Was sagt die Stadt dazu?
Im Sommer hat man uns vertröstet. Unsere Anfrage aus Oktober ist unbeantwortet. Ich fühle mich hilflos, weil wir den Bürgern nichts antworten können auf ihre Fragen. Ich kann ja schlecht selbst losziehen und die Schilder wieder abhängen. Aber ich bleibe am Thema dran.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen