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Organspenden Frankfurter Uniklinik unter Verdacht

1. UpdateDie Prüfkommission der Bundesärztekammer und der Deutschen Krankenhausgesellschaft sprechen von „systematischen Unregelmäßigkeiten“ bei Lebertransplantationen. Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet.

Organspende
Eine Kühlbox für entnommene Organe. (Symbolbild) Foto: imago stock&people

Systematische Unregelmäßigkeiten bei Lebertransplantationen am Frankfurter Universitätsklinikum hat eine Prüfungskommission festgestellt, die im Auftrag der Bundesärztekammer, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und der Gesetzlichen Krankenversicherungen die Organtransplantationen bundesweit kontrolliert.  Inzwischen beschäftigt sich auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft mit den Lebertransplantations-Programm der Uniklinik

Aus dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Jahresbericht 2017/2018 geht auch hervor, dass über die genannten Vorwürfe bereits das Universitätsklinikum selbst, die Landesärztekammer und die Staatsanwaltschaft informiert worden sind.

Wie die „Hessenschau“ ergänzend meldete, wurden in dem Zeitraum 2012 bis 2015 insgesamt 59 Lebertransplantationen unter die Lupe genommen. In 22 Fällen seien Verstöße „in erheblichem Umfang festgestellt“ worden. Die Vielzahl der Verstöße zwinge zu der Annahme, dass es sich nicht um gelegentliche Versehen gehandelt habe, sondern dass es ein bewusstes Nichtbeachten der Richtlinien gegeben habe.

In dem Jahresbericht der Prüfungskommission heißt es allerdings einschränkend: Geprüft werde die „ordnungsgemäße Durchführung und Dokumentation“ der von den Transplantationszentren zu treffenden Maßnahmen, „insbesondere die korrekte Meldung zutreffender Daten an Eurotransplant“, der europaweiten Vergabestelle für Organspenden. Die „ärztliche Indikationsstellung als solche“ werde nicht überprüft.

Klinikum: richtlinienkonform verhalten

Das Universitätsklinikum erklärte auf Anfrage der FR, man habe sich „in allen Fällen immer richtlinienkonform“ verhalten, und dies in einer Stellungnahme an die Prüfkommission auch so dargelegt. Im Großen und Ganzen fühlt sich das Universitätsklinikum in seiner Arbeit durch den Bericht der Prüfungskommission sogar bestätigt: Der Bericht attestiere dem Leberzentrum „in den zentralen und wesentlichen Bereichen richtlinienkonform“ und zum Wohle der Patienten gearbeitet zu haben. Das Universitätsklinikum strebe eine „vollständige Transparenz“ des Sachverhalts an und werde mit den zuständigen Behörden „vollumfänglich“ kooperieren.

Der Bericht der Prüfungskommission liegt inzwischen auch der Frankfurter Staatsanwaltschaft vor. Dieser werde geprüft, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nadja Niesen, am Freitag. „Wir schauen, ob ein Anfangsverdacht gegeben ist und ob gegebenenfalls ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Möglich sei ein Verstoß gegen das Transplantationsgesetz, aber auch andere Straftatbestände, „das ist Gegenstand der Prüfung. Bis wann diese dauert, steht nicht fest.
  

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