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Oper und Schauspiel Städtische Bühnen könnten wachsen

Die Theaterdoppelanlage ist marode. Über den Zustand berichtet eine Mitarbeiterin der Städtischen Bühnen. Die Stadtverordneten sind mittlerweile eher für eine Sanierung als einen Neubau.

Markant und schützenswert: die Glasfassade der Städtischen Bühnen. Foto: peter-juelich.com

Wenn Anselm Weber nach der Sommerpause die Intendanz am Schauspiel Frankfurt übernimmt, kommen auf ihn nicht nur Regiearbeiten, Leitung und Geschäftsführung zu. Sondern auch die drängende Frage: Wo sollen die Schauspieler eigentlich auftreten, wenn die Städtischen Bühnen saniert werden? Das beschäftigt auch seinen Kollegen in der Theaterdoppelanlage, Oper-Intendant Bernd Loebe, genau wie die Frankfurter Stadtpolitik. Sie muss das Ganze bezahlen.

380 Millionen Euro steht als Zahl im Raum. So viel könnte die Grunderneuerung der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt Platz kosten. Aus dem Jahre 1963 stammt der Neubau, das Fundament von 1902.

Die Fachgruppe, die die Substanz untersucht, hat Löcher in der Decke ausgemacht, Mängel in der Gebäudetechnik, bei Lüftung, Klimatisierung, Elektrik, Wasserleitungen. „Sämtliche technischen Anlagen sind kurz- bis mittelfristig abgängig“, sagte Anita Wilde, Verwaltungsdirektorin der Städtischen Bühnen. Brandschutz, Leittechnik, Sprinkleranlage – all das stammt aus den 1960er Jahren und zieht sich wie verkalkte Adern durchs Gebäude.

Wilde arbeitet mit zahlreichen Experten an der Machbarkeitsstudie, die über Neubau oder Sanierung der Städtischen Bühnen Auskunft geben soll. Sie soll im Frühjahr fertig sein.

Weil Platzmangel herrsche, sei auch ein Anbau auf dem Dach des Hauses in der Diskussion, führte sie aus. Doch bevor weiter Geschosse draufgesetzt werden könnten, müsste aus Gründen der Statik ein Teil des Gebäudes zunächst abgerissen werden.

Ausschuss vor Ort

Die Stadtverordneten des Kulturausschusses hatten die Theaterdoppelanlage am Donnerstag besucht. In der Ausschusssitzung am Abend sagte Renate Wolter-Brandecker (SPD): Ziel müsse sein, das Gebäude möglichst zu erhalten und bei laufendem Betrieb zu sanieren. Martin Kliehm (Linke) gab zu Bedenken, im Falle einer Aufstockung die Garderoben und Umkleiden nicht zu weit von den Bühnen entfernt zu errichten. Jessica Purkhardt (Grüne) regte an, einen Baukran im Malersaal nachzurüsten. Thomas Dürbeck (CDU) freute sich darüber, dass der Zustand des Gebäudes „besser ist als befürchtet“. Er sprach sich gegen die Idee aus, die historischen Fassaden freizulegen, weil dann Anbauten wegfallen würden. Schon jetzt herrsche Raummangel, sagte er.

In den vergangenen zehn Jahren hatte die Stadt 90 Millionen Euro ins Gebäude investiert, davon 60 Millionen Euro in die Sanierung der Werkstätten. Diese Investition würde bei einem Abriss verloren gehen.

Das Landesamt für Denkmalpflege hatte bereits dargelegt, dass es Teile des Gebäudes für schützenswert erachte: das Wolkenfoyer mit der Glasfassade, den herabhängenden „Goldwolken“ des ungarischen Künstlers Zoltan Kemeny im Foyersaal sowie die historischen Fundamente des Gebäudes mit Treppenanlage und Keller. Wenn Oliver Reese das Schauspiel im Sommer Richtung Berliner Ensemble verlässt, wird sein Nachfolger keine Baustelle vorfinden. Aber Anselm Weber wird sich mit der Sanierung der Spielstätte bei laufendem Betrieb auseinandersetzen müssen.

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