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Open Studios Kunst für die ganze Familie

Im Atelier-Frankfurt sind am Sonntag die Studios der sechsten und vierten Etage geöffnet. So können die Besucher ganz unterschiedliche Einblicke gewinnen.

Open Studios
Evely Toomistu arbeitet mit Leder. Foto: Renate Hoyer

Der Regen ist vorbei, der Sonnenschein lockt die Leute von der Couch ins Freie. Viele bummeln einfach am Main entlang, manche verschlägt es am Sonntag nach Osten, ins Atelier-Frankfurt zu den „Open Studios“ im Rahmen des Frankfurter Kunstsommers. Nachdem im Juni die Ateliers im zweiten und fünften Stock geöffnet hatten, sind es diesmal die Studios der vierten und sechsten Etage.

Im Raum 6.12 sitzt Evelyn Toomistu. Die Arbeit mit Leder sei ihre „Leidenschaft“, sagt die 35-Jährige. An den Wänden hängen Schnittmuster, auf einem Tisch steht eine Nähmaschine. Am liebsten näht die studierte Lederdesignerin und Kunstpädagogin Handschuhe. Die in Estland geborene Kunsthandwerkerin hatte früher oft „frierende Hände“. Handschuhe sollen aber nicht nur wärmen, sondern auch „schön“ sein. In ihrem kleinen Reich aus Taschen, Portemonnaies, Gürteln und eben Handschuhen setzt sie „auf die Accessoires“. Ein schlichtes Kleid, dazu ein hübscher Gürtel und eine exklusive Tasche – so stellt sich Toomistu die Frau von heute vor.

Ihre Arbeitszeiten legt Toomistu selber fest. „Als Selbstständige kann ich mir das aussuchen.“ Wichtig ist ihr, dass genügend Zeit für die neunjährige Tochter bleibt. Kinder sind an diesem Nachmittag viele unterwegs. Sie sind mittendrin im Geschehen, lotsen die Großen mal hierhin, mal dorthin, haben Spielsachen mitgebracht, mit denen sie sich im großen Hof der Schwedlerstraße 1 beschäftigten.

Auch Oliver Gewert (48) hat seine beiden Töchter mitgebracht. Die fünf und neun Jahre alten Mädchen sind gerade bei einer Freundin, bei Katja Röder im Studio 6.08. Für Gewert, der beruflich etwas „ganz anderes“ macht, nämlich als IT-Berater Software verkauft, ist der Besuch im Atelier-Frankfurt „ein Ausflug aus dem Alltag“. Der 48-Jährige genießt es, „was Schönes zu entdecken“ – und die Ruhe. Die allerdings ist relativ.

Eigene Technik Fotografien zu entfremde

„Mama, der hat mich am Ohr gezogen“, beschwert sich lautstark der Sohn von Katja Röder. „Das macht doch bitte unter euch aus“, sagt Röder. Ihr Sohn und die Töchter von Gewert kennen sich aus dem Bornheimer Kinderladen „Die wilden Kerle“. Der sechsjährige Sohn ist aber nicht nur ein „wilder Kerl“, sondern zusammen mit seinem Vater auch auf einem der Bilder zu sehen, die Röder an die Wand gehängt hat. Die 46-Jährige hat eine eigene Technik entwickelt, um ihre Fotografien zu entfremden und auf Keramikpapier drucken zu lassen, so dass die Konturen verwischen und ein Spiel mit Mustern und Farben zulassen.

Ganz ähnlich und doch ganz anders sind die Werke von Johannes Kriesche, der sich unter anderem mit der Europäischen Zentralbank auseinandergesetzt hat. Er hat sie mit Öl auf der Leinwand festgehalten und dann das gesamte Bild mit durchsichtigen Glasperlen bestückt. So bekommt die Honsellbrücke optisch mehr Gewicht. Kriesche hat eine kleine Gruppe Besucher um sich geschart, die seinen Ausführungen über den Terrorismus in Berlin mit Interesse folgen. Auch nebenan geht es politisch zu: „Die Gruppe Grübel“ verspricht an ihrer Tür „Was mit Trump“. Um durch das Guckloch zu gucken, muss man sich bücken, dann sieht man einen Schriftzug: „Elisabeth ich liebe Dich.“ Die Gruppe Grübel versteht ihr Geschäft.

An vielen Ecken werden kleine Snacks und Getränke angeboten. Werkstattcharakter, WG-Feeling und Partystimmung vermischen sich. „Wahnsinn, irre“ – Corinna Bimböse, die Direktorin von Atelier-Frankfurt freut sich über das bunte Treiben von mehreren Hundert Besucherinnen und Besuchern. Vor zehn Jahren ist der Verein in das ehemalige Lagerhaus im Osthafen eingezogen und hat in den weiten großen Hallen die zusammen 130 Studios geschaffen, „ein Riesenkraftakt“ sagt Bimböse.

Die letzten Open Studios , nämlich die vom dritten OG, werden am Sonntag, 20. August, die Türen öffnen.

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