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Opec-Prozess Sonja Suder Freispruch für Suder

Der Prozess um den tödlichen Opec-Anschlag in Wien endet vor dem Frankfurter Landgericht mit einem Freispruch für die 80-jährige Sonja Suder. Suder wird allerdings wegen anderer Vergehen zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

12.11.2013 09:46
Die Angeklagte Sonja Suder mit ihrem Verteidiger Joachim Bremer im Hochsicherheitssaal des Frankfurter Landgerichts. Foto: dpa

Der Frankfurter Prozess um den tödlichen Überfall auf die Wiener Opec-Konferenz vor fast 40 Jahren ist mit einem Freispruch zu Ende gegangen. Die Mordvorwürfe gegen Sonja Suder sind nach dem Urteil des Landgerichts nicht erwiesen. Die inzwischen 80-Jährige war ursprünglich angeklagt gewesen, das Attentat auf die Konferenz der Organisation erdölexportierender Länder im Jahr 1975 mitvorbereitet zu haben. Der Überfall, bei dem drei Menschen starben, stand unter dem Kommando des Terroristen Ilich Ramirez Sanchez alias Carlos.

Das Frankfurter Gericht verurteilte Suder am Dienstag allerdings wegen der Beteiligung an drei Anschlägen Ende der 1970er Jahre in Süddeutschland zu dreieinhalb Jahren Haft. Dabei ging es um Attentate auf das Heidelberger Schloss, eine Pumpenfabrik im pfälzischen Frankenthal und die Firma MAN in Nürnberg. Es war beträchtlicher Schaden entstanden. Die Taten wären erst nach 40 Jahren endgültig verjährt gewesen. Vor allem bei dem Bombenanschlag auf den Königssaal im Heidelberger Schloss in einer Mainacht 1978 habe die Angeklagte die Gefährdung von Menschenleben in Kauf genommen, sagte die Vorsitzende Richterin. Eine halbe Stunde vor der Explosion sei noch ein Schlosswächter in dem Saal gewesen.

Strafe außer Vollzug

Suder nahm das Urteil äußerlich ungerührt entgegen, die Augen mit einer Sonnenbrille verdeckt. Die heute 80-Jährige soll einst den Revolutionären Zellen (RZ) angehört haben, einer linksextremistischen Terrorgruppierung. Sie konnte den Gerichtssaal nach dem Urteil auf freiem Fuß verlassen. Der Haftbefehl wurde außer Vollzug gesetzt, da Suder bereits mehr als zwei Drittel der Gefängnisstrafe in der Untersuchungshaft abgesessen hat. Auf der Straße vor dem Landgericht wurde sie anschließend von rund 100 Sympathisanten gefeiert. Der Prozess in Frankfurt hatte fast 14 Monate gedauert. Die Staatsanwaltschaft selbst war im Lauf des Verfahrens vom Mordvorwurf gegen Suder abgerückt, weil eine Mittäterschaft an dem Opec-Attentat nicht nachweisbar gewesen sei. Das Gericht sprach bei der Urteilsverkündung von einer «ungeheuer beschwerlichen Sachaufklärung».

Widersprüchliche Aussagen

Suder soll sich vor dem Opec-Anschlag im Frankfurter Stadtwald mit dem Terroristen Hans-Joachim Klein getroffen und Waffen für Carlos beschafft haben, lautete die Anklage. Doch Widersprüche in den Aussagen von Klein, der mehrere Verhandlungstage lang befragt wurde, konnten auch aus Sicht des Gerichts nicht aufgelöst werden. Der Ex-Terrorist Klein war wegen seiner Beteiligung am Opec-Anschlag bereits im Jahr 2001 verurteilt worden war. Die Verteidigung hatte in allen Anklagepunkten Freispruch gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Wegen der Anschläge in Süddeutschland war auch Suders Lebensgefährte angeklagt worden. Das Verfahren wurde aber wegen seines schlechten gesundheitlichen Zustands erst abgetrennt und später ganz eingestellt. (dpa)

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