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Online-Spendenplattformen Gutes tun in Frankfurt

Gute Taten haben wieder Saison, und überall gibt es Projekte, die Spenden dringend nötig haben. Einige davon sind gleich um die Ecke: Frankfurter, die gezielt in der Nachbarschaft helfen wollen, können Initiativen vor Ort übers Netz finden. Wir zeigen, wie.

Die Givebox im Baumweg 20 in Frankfurt ist rund um die Uhr zugänglich. Foto: Monika Gemmer

Gute Taten haben wieder Saison, und überall gibt es Projekte, die Spenden dringend nötig haben. Einige davon sind gleich um die Ecke: Frankfurter, die gezielt in der Nachbarschaft helfen wollen, können Initiativen vor Ort übers Netz finden. Wir zeigen, wie.

Seien wir ehrlich: Bei vielen von uns ist der Haushalt vollgestopft mit Dingen, die wir irgendwann unbedingt haben mussten – und dann doch nicht (mehr) benutzen. Vielleicht findet sich aber jemand in der Nähe, der Verwendung für den funktionstüchtigen Mixer, die ausrangierte Lampe oder den nicht mehr passenden Fahrradgepäckträger hat? In Frankfurt gibt es jetzt eine neue Anlaufstelle, um Hausrat anonym zu verschenken. In einem Hofeingang am Baumweg 20 in Bornheim steht seit kurzem eine Givebox – ein   hölzerner Verschlag, etwas größer als eine Telefonzelle, der rund um die Uhr öffentlich zugänglich ist und auf mehreren Regalbrettern und in hängenden Fächern Platz für allerlei gute Gaben bietet. Wer etwas abzugeben hat, kann es hier deponieren – und wer etwas brauchen kann, darf es sich  mitnehmen.

Zwei Haarfärbemittel waren die ersten Gegenstände, die hier auf neue Besitzer warteten, erzählt Daniel Kohls. Er hat die Idee der Givebox, die sich seit 2011 von Berlin aus in mehr als 50 deutschen Städten verbreitet hat, nach Frankfurt gebracht und die Holzbude mit Unterstützung des  Bornheimer Clubladens „Glück ist jetzt“ gebaut. Mit einigen Helfern kümmert sich Kohls darum, dass das Inventar stimmt: „Erwünscht sind neue oder neuwertige kleinere Gegenstände, die für andere Personen von Nutzen sein könnten“, sagt er „Unerwünscht sind große, defekte oder abgenutzte Gegenstände. Auch Lebensmittel und Medikamente haben in der Givebox nichts zu suchen.“

Social Web im besten Sinne

Kohls und seine Mitstreiter nutzen mehrere Plattformen im Web, um ihre Givebox bekannt zu machen. „Der Facebook-Seite sind fast 900 Personen beigetreten, davon alleine etwa 400 innerhalb der letzten vier Wochen“, erzählt er. Die Kommunikation mit den Fans der Givebox laufe vorwiegend hier. Auf einem Tumblr-Blog werden  Fotos gepostet. Die entscheidende Unterstützung aber kam über einen weiteren Kanal: Die Finanzierung der Gaben-Hütte gelang über die Spendenplattform betterplace.org. Daniel Kohls richtete hier eine Projektseite ein, beschrieb konkret, was gebraucht wird - und sammelte auf diesem Weg das benötigte Geld ein: „Fast alle Materialkosten konnten dank anonymer und nicht-anonymer Spenden auf betterplace.org gedeckt werden.“ Zehn Spender haben insgesamt 200 Euro für die Givebox gegeben und dafür gesorgt, dass der Fortschrittsbalken, der den Spendenstand anzeigt, zu 100 Prozent ausgefüllt ist.

Kleine Privatinitiativen wie die Givebox stehen auf der Plattform gleich neben Spendenaufrufen großer Hilfsorganisationen oder kirchliche Einrichtungen. Eine davon sind die Malteser Werke. Katrin Heim ist hier zuständig für Fundraising und hat im  September 2012 einen Account auf betterplace.org eingerichtet. Sie wirbt auf der Plattform um Unterstützung für drei Projekte, darunter die Ambulanz für Drogenabhängige im Krisenzentrum Schielestraße am Frankfurter Osthafen. Auf der Projektseite steht im Detail, was hier gebraucht wird: Acht Schränke für den Behandlungsraum, zwei Tische für das Sprechzimmer, vier Stühle, zwei Schreibtische. Das Crowdfunding-Prinzip, das immer mehr Geschäftsideen zur Umsetzung verhilft, scheint auch bei gemeinnützigen Projekten zu funktionieren: Ein EKG-Gerät im Wert von 2000 Euro und eine Tischzentrifuge für 850 Euro seien innerhalb von zwei bis drei Monaten auf diesem Weg finanziert worden, berichtet Katrin Heim.

Kommunikation ohne Umwege

„Ich bin ein großer Fan davon“, fasst sie ihre Erfahrungen mit betterplace.org zusammen. Ihr gefällt, dass Projekte und Unterstützer direkt zueinander finden: „Die Beziehung zu den Spendern ist viel näher.“ Und: Der Dialog endet nicht zwangsläufig, wenn die benötigte Summe eingesammelt ist. Katrin Heim nutzt die Plattform, um Anschaffungen in Text und Bild zu dokumentieren und so transparent zu machen, was mit dem Geld geschieht. Wer bereits gespendet hat, bekommt eine automatische Benachrichtigung über solche Status-Updates. „Die Leute merken, da passiert etwas.“  Auch sie selbst wird von der Plattform regelmäßig daran erinnert, über ihre Projekte zu berichten. „Das ist sehr hilfreich.“ Nicht nur der direkte Kontakt fördere die Spendenbereitschaft, sondern auch das Prinzip der Plattform, Bedarfe konkret zu benennen und die Spendenziele in überschaubare Häppchen aufzuteilen.

Persönliche Empfehlung statt Spendensiegel

Initiativen erreichen im Netz ein neues, jüngeres und online-affines Klientel - und damit eine Generation, die gewohnt ist, sich bei ihren Konsumentscheidungen auf Empfehlungen im Web zu stützen. Hier setzen auch Spendenplattformen wie betterplace.org an. Um zu beurteilen, wie vertrauenswürdig beispielsweise eine private Initiative ist, die kein offizielles Prüfsiegel hat, sollten potenzielle Spender unbedingt einen Blick auf die Meinungen anderer Unterstützer werfen. Für die Givebox wie für die Malteser-Ambulanz in Frankfurt haben sämtliche Spender den Daumen gehoben - ein gutes Zeichen.

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