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Oldtimer Ein bisschen Dampf einatmen

Historische Züge, die der Verein Historische Eisenbahn Frankfurt über Pfingsten auf die Schiene schickt, fahren nostalgische Ausflügler von Frankfurt in den Taunus und retour.

Diesellok
Am Eisernen Steg geht es los mit der alten Diesellok und Zugführer Manuel Dippel. Foto: Rolf Oeser

Eigentlich ist es wie auf jeder Zugreise: Die Bahn hat Verspätung, fünf Minuten nach Abfahrt wird der Proviant ausgepackt und weitere fünf Minuten später fragt der Dreijährige: „Wann sind wir da?“. Ansonsten aber ist alles anders als sonst: Die Fahrt beginnt nicht am Hauptbahnhof, sondern mit freundlichem Tuten am Eisernen Steg, eine alte Diesellok zieht die komfortablen Vorortwagen am Mainufer entlang und die Fahrgäste, die es sich auf braunen Lederbänken bequem gemacht haben, haben statt Umsteigestress und schwerem Gepäck nur Fotoapparate und gute Laune dabei.

„Das ist genau so, wie ich das als Kind in den 60er Jahren erlebt habe“, sagt Wilfried Fechner. Der 66-Jährige aus Bad Homburg ist am Pfingstsonntag extra früh aufgestanden, um mit dem Auto nach Frankfurt zu fahren – und mit der historischen Eisenbahn wieder hinaus, vom Eisernen Steg bis nach Königstein im Hochtaunus. „Wir sind früher auch oft mit der Eisenbahn zur Verwandtschaft gefahren“ – manchmal sogar über die DDR-Grenze hinweg bis nach Frankfurt an der Oder –, „da sind auch schon mal die Fensterscheiben rausgefallen“, erinnert er sich.

In den gut erhaltenen Zügen, die der Verein Historische Eisenbahn Frankfurt über Pfingsten auf die Schiene schickt, kann das nicht passieren. Nur müssen sich Eltern daran gewöhnen, dass sich anders als im modernen ICE die Fenster zwischen den orangenen Gardinen herunterschieben lassen – nicht, dass da noch kleine Passagiere unterwegs rauspurzeln. Passiert aber auch nicht.

Hannelore Kunze steht die meiste Zeit am offenen Fenster und schaut hinaus. „Ich mache eigentlich jede Fahrt des Vereins mit“, sagt die 67-Jährige. Schon mehr als 16 Jahre führen sie und ihr Mann, heute auch noch eine gute Freundin, mit der Historischen Eisenbahn durchs Land, bis nach Dresden seien sie so schon gekommen. Aber das Ziel sei eigentlich zweitrangig: „Für mich bräuchte die Bahn gar nicht anhalten, sie könnte auch einfach so durch die Gegend fahren. Mit Dampf ist es das Schönste. Da sitze ich am liebsten direkt hinter der Lok, dass man die hört und sieht und ein bisschen Dampf einatmet.“

„Heute dieseln wir mal“

Dieses Mal aber hätten sie statt des Dampfzugs, der später zwischen Höchst und Königstein verkehren wird, die Diesellok V36 gewählt, die sei einige Jahre außer Betrieb gewesen. „Heute dieseln wir mal“, sagt Kunze und schiebt lachend hinterher: „Da können wir nur ein bisschen Feinstaub einatmen.“

Haben anfangs nur wenige Fahrgäste in den Großraumwagen Platz genommen, füllen diese sich in Griesheim und Höchst zusehends. Wie schon entlang des Mainufers stehen auf den Bahnsteigen, an denen sonst S-Bahnen halten, viele Menschen mit gezückten Smartphones und Kameras und fotografieren den Zug, der aus einem alten Fotoalbum herausgerollt zu sein scheint.

Zugführer Manuel Dippel bläst in die Trillerpfeife, gibt mit der Kelle das Abfahrtssignal – und weiter geht’s. Normalerweise fährt der 30-Jährige als DB-Lokführer Regionalbahnen zwischen Frankfurt und Kassel oder Gießen und Dillenburg hin und her. Seit rund zwei Jahren begleitet er aber auch ehrenamtlich die Touren der Historischen Eisenbahn. Schon sein Onkel und sein Großvater seien bei der Bahn gewesen, erzählt er. Die alten Züge hätten für ihn etwas Beruhigendes, „sie sind nicht so schnell und modern wie die neuen Züge. Da kann man die Technik noch nachvollziehen.“

Sehen, hören, riechen eben. Unter Dampf geht es zurück, im gemütlichen Sechserabteil. Familien stehen gedrängt im Gang am Fenster. Und ICE-gewöhnte Kinder können endlich nachvollziehen, warum es „tuff, tuff, tuff, die Eisenbahn“ heißt.

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