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Offene Studios in Frankfurt Das perfekte Bild

Mehr als 130 Künstler öffnen ihre Ateliers bei der Ausstellung in der Frankfurter „Basis“.

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Besucher bestaunen die Fotos von Vanja Vukovic. Foto: ROLF OESER (Rolf Oeser)

Ein interessanter Versuch sollte es sein. Mit dem Ergebnis zufrieden ist Vanja Vukovic allerdings nicht so recht. Vor einiger Zeit hat die Fotokünstlerin wissenschaftlich untersuchen lassen, worauf die Menschen bei ihren Werken zuerst schauen: auf Objekte und auf Menschen. Das hat sie zu vereinen versucht – im „perfekten Bild“ sozusagen. Einer Collage gleich sind darauf Gebäudestrukturen, ein Mensch und ein Regenschirm angeordnet. „Ich denke aber nicht, dass das funktioniert, dass man so das perfekte Bild erhält“, sagt Vukovic.

In der Produktions- und Ausstellungsplattform Basis in der Gutleutstraße steht sie in ihrem Atelier. Wenige Quadratmeter nur, dafür mit hoher Decke. Eine kleine Gruppe hat sich in den Raum gezwängt bei diesem Tag der offenen Studios. Insgesamt über 130 Künstler haben am Samstag und Sonntag in den Basisstandorten in der Elbe-, der Linné- und eben in der Gutleutstraße ihre Ateliers geöffnet für die Allgemeinheit.

„Wir wollen den Leuten die Möglichkeit bieten herzukommen“, sagt Christin Müller, Kuratorin bei der Basis. Für die Besucher sei es deshalb reizvoll, weil verschiedenste Künstler an einem Ort seien: Bildhauer, Architekten, Maler, Fotografen.

Zu Letzteren führt Hannah Bohr bei einem Rundgang, der im Gebäude in der Gutleutstraße beginnt bei Vanja Vukovic, der Künstlerin mit dem perfekten Bild. Von ihrem Atelier im ersten Stock geht es in den siebten Stock. „Der Aufzug funktioniert nicht, oder?“, fragt Bohr eine Kollegin. Die schüttelt nur den Kopf. Und so stapft die Gruppe Stufe für Stufe nach oben.

Früher sei einmal die Landesbildstelle in dem Gebäude an der Gutleutstraße gewesen, sagt Müller. Vom grauen Beamtenalltag zeugen noch heute die rechteckig zugeschnittenen Zimmer. „2008 sind wir dann hier eingezogen“, erzählt Müller, um jungen Künstlern kostengünstige Arbeitsräume zu bieten. Immerhin beträgt die Miete für den Quadratmeter im Schnitt nur 8,50 Euro warm – in Frankfurt.

Von langen, tristen Fluren mit knarzenden Holzböden und schmucklosen weißen Wänden gehen die Ateliers ab. Stünde nicht manche Tür offen, wäre der einzige Lichtblick surrende Leuchtröhren an der Decke.

Während die Gruppe um Bohr im siebten Stock bei der nächsten Künstlerin angekommen ist, sitzt Tilmann Schlootz drei Etagen weiter unten in seinem Atelier. Schlootz ist Designer, seines ausgeprägten Gestaltungswillen wegen, sagt er. „Jedes Produkt kommt irgendwann an seine Grenze und ich suche dann nach Lösungen“, sagt der 37-Jährige. Sein neustes Produkt: Time Bulb. Eine LED-Lampe, die aussieht wie eine Glühbirne mit goldfarbener Fassung, aufgesteckt auf einen kleinen Vintage-Holzkasten mit Klippschalter, wahlweise Akku- oder Batteriebetrieb. So könne man sich die Lampe auf den Tisch stellen ohne lästiges Kabel, sagt Schlootz – und, dass Thomas Edison sicher auch gerne so eine gehabt hätte. Bis zu 70 Euro könne die Lampe später kosten, wenn sie im September in die Produktion gehe, sagt Schlootz. „Nimm mehr“, rät ein Besucher.

Im Erdgeschoss des Gebäudes gibt es eine Ausstellung „rumors of glory“. Das Thema: „Unsere Erwartungen und wenn das Erfahrungsgerüst ins Wanken gerät“, erklärt Müller. Konkret äußert sich das beispielsweise in einer Installation, bei der Metallstangen an Stangen aufgehängt im Kreis drehen, mitunter unkontrolliert aneinandergeraten und somit eine Art Glockenklang schaffen.

Die Ateliers mögen am Ende des Wochenendes nicht mehr für die Allgemeinheit geöffnet sein, die Ausstellung indes ist noch bis zum 16. Juli in der Basis zu sehen.

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