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Ökohaus Entrüstung über Anti-Israel-Konferenz

Die Jüdische Gemeinde und Bürgermeister Becker wehren sich gegen eine Veranstaltung im Ökohaus. Dort wollen Aktivisten eine Tagung abhalten, die zum Boykott israelischer Waren aufrufen.

Protest
Die „BDS“-Bewegung ruft zum Boykott von Waren aus Israel auf. (Symbolbild) Foto: imago stock&people

Eine Anti-Israel-Konferenz in Frankfurt stößt auf heftige Kritik des Bürgermeisters und der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. Die Tagung „50 Jahre israelische Besatzung“ ist für den 9. und 10. Juni im Tagungszentrum Ka Eins im Ökohaus in Bockenheim vorgesehen. Die „israelische Besatzung“ müsse beendet werden, heißt es in der Einladung.

Gemeint sind die Gebiete Ost-Jerusalem, Golan-Höhen, Westjordanland und Gazastreifen, die Israel im Sechs-Tage-Krieg im Jahr 1967 unter Kontrolle gebracht hatte. Veranstalter ist der Deutsche Koordinierungskreis Palästina Israel (Kopi).

Kopi sei für die Unterstützung der antisemitischen „BDS“-Bewegung bekannt, sagte Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker (CDU). BDS stehe für „Boykott, Deinvestitionen und Sanktionen gegen Israel“. Die Bewegung betreibe eine „zutiefst antisemitische Stimmungsmache“ und benutze „die gleiche Sprache wie die Nationalsozialisten“, die „’Kauft nicht bei Juden’“ proklamiert hätten, so Becker.

„Ich finde es unmöglich, dass sich auf der Tagung Menschen zu Wort äußern wollen, die offen zum Boykott israelischer Waren aufrufen“, sagte Leo Latasch aus dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. Auch er erinnerte daran, dass es solche Aufrufe in der deutschen Geschichte schon einmal gegeben habe.

Auf der Veranstaltung sprechen bekannte Kritiker der israelischen Politik gegenüber Palästina – wie der Historiker Moshe Zuckermann, die frühere palästinensische Ministerin Majida Al-Masri, der emeritierte Rechtswissenschaftler und Linken-Politiker Norman Paech, der Historiker Ilan Pappe, die Psychoanalytikerin und Autorin Iris Hefets. Kopi hält an der Tagung fest. „Wir vertreten keine antisemitischen Positionen“, sagte Sprecher Matthias Jochheim. Von der BDS-Kampagne distanzierte er sich nicht.

„Eine solche Veranstaltung hat in Frankfurt nichts verloren“, sagte Becker. „Wer in Frankfurt Stimmung gegen Israel machen will, wer für den Boykott israelischer Waren wirbt und Sanktionen gegenüber diesem Land fordert, ist in unserer Stadt nicht willkommen.“ Becker forderte die Betreiber von Ka Eins im Ökohaus auf, „die Vermietung ihrer Räume für diese Veranstaltung zu überdenken“. „Es wäre die eleganteste Lösung, wenn die Räume nicht vermietet würden“, sagte Leo Latasch. Für den 9. Juni kündigte er eine Demonstration vor dem Ökohaus an, unterstützt von der Jüdischen Gemeinde.

Bizhan Alkanan vom Tagungszentrums Ka Eins im Ökohaus reagierte überrascht, dass die Tagung eine derartige Entrüstung auslöst. „An Faschisten und Islamisten vermieten wir nicht, aus Überzeugung“, sagte er, verwies aber darauf, „dass in einem freien Land jeder seine Meinung sagen darf“. Er sei nun besorgt um die Sicherheit im Tagungszentrum.

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