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Öffentlicher Nahverkehr Regionaltangente auf dem Vormarsch

Der Aufsichtsrat will heute die Regionaltangente West (RTW) voranbringen. Frankfurts wichtigste neue Schienenverbindung soll in die Planfeststellung gehen.

Die RTW würde sich die Gleise mit der S5 von und nach Bad Homburg teilen. Foto: Michael Schick

Eine Woche ist es her. Da rammte ein riesiger Bohrer ins Erdreich von Gateway Gardens – zum Baubeginn für die neue unterirdische Haltestelle. Dort halten ab Ende 2019 die S-Bahnen. In der Folge auch die Zweisystemzüge der Regionaltangente West (RTW). Sie können auf Gleisen von U-Bahnen der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) und S-Bahnen der Deutschen Bahn fahren.

Die RTW. Das ist für Frankfurt und die Region die wichtigste neue Schienenverbindung. Der Bau soll im kommenden Jahr in die Planfeststellung gehen. Das kündigte der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) bei der symbolischen Rammbohrung an.

Am heutigen Freitag will der RTW-Aufsichtsrat den Zeitplan für die Planfeststellung festzurren, ist aus dem Verkehrsdezernat zu hören. Rolf Valussi ist schon ganz aus dem Häuschen. „Es ist die wichtigste Sitzung im ganzen Jahr“, sagt der Geschäftsführer der RTW-Planungsgesellschaft.

Warum ist die RTW so wichtig? Weil das Frankfurter S-Bahn-Netz völlig überlastet ist. Alle Züge fahren zum Hauptbahnhof. Und weiter durch den Citytunnel. Kommt es zu einer Störung, sind alle Linien betroffen. Und damit Zehntausende Pendler. Die RTW soll das ändern. Statt übers Eck in die Innenstadt zu fahren, umkurvt sie Frankfurt im Westen. Und zwar auf zwei Linien: Von Bad Homburg nach Neu-Isenburg (Linie 1); vom Praunheimer Gewerbegebiet nach Dreieich-Buchschlag (Linie 2). Jede Linie fährt halbstündlich. Wo sich die Strecken überlagern, zwischen Eschborn und Neu-Isenburg, alle 15 Minuten. Dabei bindet die RTW viele Arbeitsplätze an. Am Flughafen, im Industriepark Höchst, in den Industriegebieten der Frankfurter Stadtteile Sossenheim und Praunheim. 185 000 Jobs, alles im allem. 200 000 werden im Umfeld der RTW bis 2020 erwartet.
Den Autopendlern soll die RTW eine attraktive Alternative bieten. Das sei „erklärtes Ziel des Magistrats“, heißt es in die Vorplanungs-Vorlage. Die haben die Stadtverordneten beschlossen. Darin ist von 15 000 Autofahrern die Rede, die jeden Tag auf die RTW umsteigen würden. 45 000 Fahrgäste sollen die neue Zugverbindung pro Tag nutzen.

Dass das den Frankfurter Bahnknoten entlastet, erwartet auch die Europäische Union. Sie fördert die Planung der RTW mit 7,68 Millionen Euro. Damit ist genug Geld da, die Planfeststellung zu Ende zu bringen. Wie lange sie dauert, und wann die RTW dann fährt, darüber hüllt sich die Politik in Schweigen. Planfeststellungen können sich hinziehen.

Besonders bei einem Riesenprojekt wie der RTW, wo schon viel umgeplant worden ist. Im Praunheimer Gewerbegebiet hält die Linie an einem Mittelbahnsteig. Die U-Bahn-Linie U6 wird über die Endhaltestelle hinaus verlängert. Beide Stationen sind über eine Rampe verbunden.

Zurückgestellt hat die Stadt die Pläne, die RTW nach Niederursel, zum Nordwestzentrum, zu verlängern. Die Untertunnelung der Europäischen Schule sei zu teuer.

In Sossenheim wird die Trasse nicht durchs Landschaftsschutzgebiet Sulzbachwiesen fahren, sondern auf Sulzbacher Gebiet. Verworfen wurde der Bau von drei Haltstellen in enger Folge. Neue Haltestellen im Radius von unter einem halben Kilometer Metern lässt der Gesetzgeber nicht mehr zu.

In Höchst wird das Klinikum mit der Station Stadtpark künftig besser erreichbar sein. Am Bahnhof Höchst hält die RTW am nördlichen Gleis 6. In der Leunastraße wird die Trasse auf einem Rasengleis in Mittellage geführt. Simulationen hatten gezeigt, dass das den Verkehr nicht behindert.
Der Leunaknoten muss nicht untertunnelt werden. Am Industriepark Höchst fährt die RTW nicht durch die Reserveflächen des Betreibers Infraserv. Der Halt ist am Tor H. Das soll das Naherholungsgebiet Schwanheimer Düne besser anbinden.

Eine Herausforderung bleibt die Streckenführung zwischen Schwanheim und Keltsterbach, wegen des Bannwalds und des Flora-und-Fauna-Schutzgebietes. Hier gibt es zwei Varianten, am Stadion sogar drei. Wenn die RTW gebaut wird, kann sie auf Geld von der EU hoffen. Bis zu 100 Millionen Euro. Gut ein Viertel der Gesamtkosten.

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