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Öffentlicher Dienst „Im öffentlichen Dienst fehlt die Anerkennung“

Maria Lüning und Hakan Bölükmese arbeiten im Öffentlichen Dienst. Eine bessere Bezahlung halten beide für überfällig. Bei einer Gewerkschaftsveranstaltung in Frankfurt berichten sie über ihre Arbeitsbedingungen.

Lüning und Bölükmese berichten über ihren Arbeitsalltag. Foto: Andreas Arnold

Maria Lüning arbeitet bei der Awo mit minderjährigen Flüchtlingen. Hakan Bölükmese ist Lademeister auf dem Frankfurter Flughafen. Beiden gemeinsam ist, dass ihre Bezahlung durch den Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVöD) geregelt wird. Die Gewerkschaft Verdi hat sie im Rahmen der laufenden Tarifrunde für den öffentlichen Dienst am Mittwoch eingeladen, um über ihre Arbeitsbedingungen zu berichten.

Bölükmese hat 1999 bei der Fraport als Ladearbeiter angefangen. Bewusst wählte der damals arbeitslose Chemielaborant den öffentlichen Dienst, weil er glaubte, dort einen sicheren Arbeitsplatz zu finden. Inzwischen ist er für das ordnungsgemäße Be- und Entladen der Flugzeuge zuständig, trägt ein hohes Maß an Verantwortung und greift den Kollegen immer wieder bei der Gepäckbeförderung unter die Arme. Die Arbeit spielt sich bei jedem Wetter im Freien ab. Wenn Bölükmese Frühschicht hat, muss er um 3.30 Uhr antreten.

2851 Euro brutto bringt der 39-Jährige jeden Monat mit nach Hause. Er wohnt „relativ günstig“ in Rüsselsheim. Einmal im Monat möchte er mit seiner Frau und den beiden Söhnen essen gehen; bei einem Kinobesuch muss er nachrechnen, ob es auch fürs Popcorn reicht. „Es ist nicht einfach, über die Runden zu kommen.“ Viele Kollegen hätten einen Zweitjob oder seien als Aufstocker auf Unterstützung durch die öffentliche Hand angewiesen.

„Die Arbeit wird immer komplizierter, die Anerkennung fehlt“, sagt die Sozialarbeiterin Maria Lüning. Viele minderjährige Flüchtlinge seien traumatisiert, würden eine besonders intensive Betreuung benötigen. Seit 23 Jahren macht sie diesen Job. „Mein Bruder ist Ingenieur und verdient über 1000 Euro mehr als ich“, erzählt sie. Schon seit 23 Jahren ist sie dabei, 4033 Euro brutto sind Monat für Monat der Lohn für diese Treue.

Es handele sich diesmal „nicht um eine reine Entgeltrunde“, betont der hessische Verdi-Chef Jürgen Bothner. „Es geht auch um die Attraktivität des öffentlichen Dienstes.“ Was die Sache besonders kompliziert macht, ist, dass parallel mit den kommunalen Arbeitgebern über eine Reform der bestehenden Entgeltregelungen des TVöD verhandelt wird. Ziel ist eine zeitgemäßere Bewertung der Arbeit in verschiedenen Berufsgruppen.

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