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Occupy-Demo Frankfurt Demo mit Happening-Charakter

Mit einer Demo vor dem US-Konsulat wollten Aktivisten von Occupy in Frankfurt ein Zeichen setzen und sich mit den Protesten der Bevölkerung in Ferguson solidarisieren. Doch nur gut zwei Dutzend Leute sind vor Ort.

Überschaubar: Die Aktion vor dem US-Konsulat in Frankfurt. Foto: Schick

Auf Facebook war die Aktion groß angekündigt: Am Samstag, 15 Uhr, wollten Aktivisten von Occupy vor dem amerikanischen Konsulat ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA setzen und sich mit den Protesten der Bevölkerungin Ferguson solidarisieren, wo ein unbewaffneter Jugendlicher von einem Polizisten erschossen worden war.

„Hands up, don’t shoot! Ferguson ist überall“, lautete das Motto. „Hands up don’t shoot“ haben auch Jakob, Adrian und Alicia auf eines ihrer beiden Plakate geschrieben. Mit der Bahn sind die 16 und 17 Jahre alten Gymnasiasten aus Großkrotzenburg angereist, in der Hoffnung an einer machtvollen Demonstration teilnehmen zu können. Doch nur gut zwei Dutzend Leute haben sich vor dem Konsulat in der Gießener Straße eingefunden.

Rede vom Tablet abgelesen

Die Polizei spricht von einer „stressfreien Situation“. Die Leute gehen nicht mehr raus auf die Straße, die twittern nur noch, meint der Einsatzleiter und spricht von den Shitstorms, die das Internet erschüttern können. Auch der 17-jährige Jakob hat den Eindruck, „die Leute regen sich im Wohnzimmer auf“ und bleiben dann aber zu Hause.

Ralph Nierula, der die Demonstration drei Tage vorher angemeldet hat, spricht selbst von einer „kleinen Aktion“. Man wolle auch gar nicht die Beschäftigten im Konsulat erreichen– das Konsulat sei am Samstag sowieso geschlossen, „sondern die Bürger in Amerika selbst“. Die Reichweite im Internet sei „schon enorm.“

Seine Rede liest er dann von ein kleinen Tablet ab. Darin verweist er auf die Bevölkerungsstruktur von Ferguson: 70 Prozent seien Afroamerikaner, bei der Polizei seien es zehn Prozent. Man wisse inzwischen, dass die Polizei dort „extrem schnell und tödlich“ schieße.

„Soll ich noch die Merkel machen?“

Ein junger Mann, der sich im Internet Moritz Liberta nennt, bekommt für eine Obama-Parodie Applaus. „Soll ich auch noch die Merkel machen?“, fragt er. Langsam bekommt die Aktion doch Happening-Charakter. Liberta schlüpft in ein rotes Kleid und legt  auf dem Grünstreifen, der die vierspurige Gießener Straße teilt, der Regierungschefin eine eher dürftige Rede in den Mund.

Immerhin ist inzwischen bei dieser Kundgebung an der Nordmauer des Hauptfriedhofs eine Stunde vergangen. Die drei Schüler aus Großkrotzenburg bekommen den Tipp, zum Willy-Brandt-Platz zu fahren. Dort ist am Bauzaun um  17 Uhr die Aktion “Schiffbruch“ angesagt, die sich mit dem Flüchtlingselend auseinandersetzen will. Es soll die Möglichkeit geben, Bilder und Meinungsäußerungen am Bauzaun zu befestigen. „Auch nix Großes“, beurteilt eine Ferguson-Demonstrantin die Aktion.

Tatsächlich machen sich Jakob, Adrian und Alicia auf den Weg zum Willy-Brandt-Platz. Wie später zu erfahren war, haben sie dort ihre beiden Plakaten abgestellt. Es ist anzunehmen, dass sie das Gefühl hatten, sie so schnell nicht wieder zu brauchen.

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