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Obdachlose in Frankfurt Was getan wird, um zu helfen

Das Frankfurter Sozialdezernat beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Thema Obdachlose.

Obdachlose im Winter
Es ist kalt: Aufwärmen im Weser 5. Foto: Andreas Arnold (dpa)

Gibt es in Frankfurt genügend Übernachtungsplätze?
Die Stadt Frankfurt hält in Kooperation mit dem Frankfurter Verein für soziale Heimstätten, dem Diakonischen Werk für Frankfurt und dem Caritasverband Frankfurt Notübernachtungsplätze bereit. Die Kapazitäten können kurzfristig ausgebaut werden, wenn Bedarf besteht. Zur Deckung der aktuellen Nachfrage reichen die Plätze aus.

Welche Voraussetzung müssen für die Inanspruchnahme erfüllt sein?
Das hängt vom Konzept der jeweiligen Einrichtung ab. Um in der Bärenstraße beim Caritasverband und in der Weserstraße 5 beim Diakonischen Werk einen Notübernachtungsplatz beziehen zu können, muss ein Gesundheitscheck zum Beispiel bei der Elisabeth-Straßenambulanz absolviert werden. Die Notübernachtungsstätte des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten im Ostpark nimmt nachts erst einmal jeden auf, der Hilfe braucht. In den folgenden Tagen beginnt dann die Klärung, welche Hilfeansprüche die Person hat. Viele Osteuropäer, die noch keine fünf Jahre in Deutschland leben oder bereits sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, haben nur einen rechtlichen Anspruch auf eine Überbrückungsleistung von vier Wochen.

Wie sieht die Situation in der B-Ebene aus?
Die B-Ebene an der Hauptwache wird seit vielen Jahren im Winter nachts für obdachlos lebende Menschen geöffnet. Anfangs war das Angebot vor allem für solche Obdachlosen gedacht, die aufgrund ihrer psychischen Verfassung nicht bereit sind, in eine Notübernachtungsstätte zu gehen. Inzwischen nutzen das Angebot auch Menschen aus Osteuropa, die keine rechtlichen Ansprüche auf andere Hilfen haben. Vor Ort kümmern sich Mitarbeiter des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten um die Menschen. Außerdem sind die Toilettenanlagen die ganze Nacht über geöffnet.

Warum werden nicht auch leerstehende Flüchtlingsunterkünfte für die Unterbringung genutzt, wenigstens vorübergehend?
Es gibt nur eine Notunterkunft für Geflüchtete, die zurzeit nicht in Benutzung ist. Schon im März wird diese Notunterkunft wieder mit Asylbewerbern belegt werden müssen, die das Land Hessen der Stadt Frankfurt zuweist. Diese Unterkunft liegt nicht in der Innenstadt, in der sich obdachlos lebende Menschen hauptsächlich aufhalten. Unabhängig davon hat sich die B-Ebene der Hauptwache als niedrigschwelliges humanitäres Angebot bewährt.

Ist es unterlassene Hilfeleistung, wenn man jemanden bei diesen Temperaturen auf der Straße übernachten lässt?
Das hängt von den Umständen ab. Liegt ein Mensch ohne Schlafsack bei den aktuellen Temperaturen schlafend im Freien, muss unverzüglich gehandelt werden. Nicht immer ist die Situation aber so eindeutig. Im Zweifelsfall ist es besser, den Kältebus unter 431 414 anrufen oder den Notruf 112 wählen.

Viele Obdachlose sind psychisch krank – besteht die Möglichkeit einer Zwangseinweisung, wenn sie zu erfrieren drohen?
Menschen können dann gegen ihren Willen eingewiesen werden, wenn sie ihr Leben gefährden. Im konkreten Fall hängt es davon ab, ob sie ausreichend vor der Kälte geschützt sind.

Was wird getan, um Obdachlosigkeit zu verhindern?
Im Sozialrathaus Gallus des Jugend- und Sozialamts sind die Hilfen zur Wohnungssicherung angesiedelt. Bürgerinnen und Bürger, denen der Verlust ihrer Wohnung zum Beispiel wegen Mietrückständen droht, können sich dort beraten lassen. Die Stadt kann Mietrückstände ausgleichen, um den Erhalt der Wohnung zu sichern. Wenn mit dem Vermieter keine Einigung erzielt wird und es zu einer Zwangsräumung kommt, vermitteln die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Betroffenen in Übergangsunterkünfte.

Was sind die Gründe dafür, dass jemand obdachlos wird?
Die Gründe sind vielfältig. Ein Schicksalsschlag, psychische Probleme, eine Suchterkrankung und ähnliches können Menschen aus der Bahn werfen. Andere Menschen kommen ohne Aussicht auf eine Bleibe gewissermaßen auf gut Glück nach Deutschland, weil sie sich hier ein besseres Leben erhoffen. Weil sie ohne Einkommen keine Chance auf eine Wohnung und keine rechtlichen Ansprüche auf eine Unterbringung haben, landen sie häufig auf der Straße.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Obdachlos in Rhein-Main

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