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Obdachlose in Frankfurt Teure, schlechte Hotelzimmer für Wohnungslose

Ein HR-Bericht löst in Frankfurt eine Diskussion über die Unterbringung von Wohnungslosen in billigen Pensionen und Hotels aus. Die Lebensbedingungen sollen dort unzumutbar sein.

Obdachlose im Winter
Ein Obdachloser wärmt sich an einer Heizung (Symbolfoto). Foto: Andreas Arnold (dpa)

Die Debatte über wohnungslose und geflüchtete Menschen, die von der Stadt Frankfurt unter zum Teil offenbar problematischen Bedingungen in Hotels und Pensionen untergebracht werden, beschäftigt zunehmend die Stadtpolitik. Die FDP im Römer hat einen Antrag in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht, in dem sie den Magistrat auffordert, umfassend über den Sachstand bei derartigen Übergangsunterkünften zu informieren. So müsse geklärt werden, wie viele der privaten Wohnheime sich in schlechtem Zustand befänden und nach welchen Kriterien sie ausgewählt würden, schreibt die FDP. Zudem müsse diskutiert werden, „ob die Unterkünfte vor der Anmietung nicht hinreichend begutachtet wurden“ – und ob die Stadt bessere Alternativen finden könne.

Hintergrund der Diskussion ist ein Bericht des HR-Magazins „Defacto“, der am Montag ausgestrahlt wurde. Die Fernsehjournalisten berichten darin über zum Teil unzumutbare Bedingungen in den Hotels und Pensionen, in denen die Stadt aus Mangel an Alternativen aktuell rund 2500 Wohnungslose und Flüchtlinge unterbringt. Laut HR müssen die Bewohner, darunter auch Familien mit Kindern, in den privaten Unterkünften zum Teil durchgelegene Matratzen, verschimmelte Wände und unzureichende sanitäre Anlagen hinnehmen, obwohl die Stadt 2017 insgesamt 21,2 Millionen Euro für private Wohnheime und Hotels ausgegeben habe. In einem Fall hätten sich 52 Menschen eine schlecht ausgestattete Küche teilen müssen, ein Zimmer für eine dreiköpfige Familie kostet den Recherchen zufolge rund 3000 Euro im Monat.

Politisches Versagen

Eyup Yilmaz, wohnungspolitischer Sprecher der Römerfraktion der Linkspartei, warf dem Magistrat am Mittwoch doppeltes Versagen vor. Die Stadtregierung gehe nicht ausreichend gegen Missstände in den privaten Unterkünften vor und kümmere sich gleichzeitig nicht genug um den sozialen Wohnungsbau, kritisierte Yilmaz. „Der ‚Defacto‘-Beitrag zeigt erschreckende Bilder davon, unter welchen Umständen Menschen in Frankfurt leben müssen“, sagte der Stadtverordnete. Die Stadt müsse in der Wohnungspolitik umsteuern.

Laut Sozialdezernat ist die Unterbringung in privaten Unterkünften immer „das letzte Mittel“ bei Flüchtlingen und Wohnungslosen und werde seit den 70er Jahren nur „zur Überbrückung von Spitzen“ eingesetzt. Gerade Familien sollten nicht längerfristig in Hotels oder Pensionen wohnen, sie würden generell schnellstmöglich verlegt.

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