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Obdachlose in Frankfurt Ein bisschen Wärme in der U-Bahn-Station

An der Station Eschenheimer Tor ist eine Notübernachtung für Obdachlose eingerichtet worden. Doch die Nächte dort sind kurz.

Wohnungslose
Morgens um kurz vor halb sechs werden die Menschen in der B-Ebene geweckt. Die Stadtpolizei schaut nach dem Rechten. Foto: peter-juelich.com

Die Nacht unter der Erde ist kurz und sie endet abrupt. Sie ist, um präzise zu sein, um genau 5.25 Uhr vorbei. „Guten Morgen“, ruft der Mann mit den Einmalhandschuhen und der Fleeceweste. „Hallo, junger Mann? Aufstehen!“ Langsam geht der Sozialarbeiter durch die Reihen der Menschen, die nebeneinander auf Isomatten auf dem Betonboden liegen, in Schlafsäcke oder dünne Decken gewickelt. Immer wieder bleibt er kurz stehen, rüttelt an einer Schulter und wiederholt seinen Weckruf. „Aufwachen!“

Langsam kommt Leben in die müden Körper auf dem Fußboden. Die ersten Menschen setzen sich auf, gähnen und blinzeln ins Neonlicht. Einige springen auf, schlüpfen in ihre Schuhe und beginnen, ihre paar Habseligkeiten einzupacken. Andere drehen sich wieder um und versuchen, noch etwas weiterzuschlafen. Aber sie haben keine Chance. Um kurz nach halb sechs sind alle 110 Menschen, die diese Dezembernacht im Zwischengeschoss der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor verbracht haben, wach.

Anfang November ist die Notübernachtung, die der „Frankfurter Verein für soziale Heimstätten“ in jedem Winter für obdachlose Menschen anbietet, in die B-Ebene am Eschenheimer Tor gezogen. Zuvor war die Einrichtung, mit der die Stadt Obdachlose vor dem Erfrieren bewahren will, fast 20 Jahre lang in der U-Bahn-Station Hauptwache untergebracht. Das Untergeschoss am Eschenheimer Tor wurde für rund 250 000 Euro saniert, neue Wände wurden eingezogen, die Böden gereinigt, Heizungen eingebaut. Unter der Erde, wo man frühmorgens schon die ersten U-Bahnen rattern hört, ist so eine große, gekachelte Halle entstanden. Jeden Abend ab 22 Uhr können die Nutzer dort auf dem Fußboden ihre Isomatten ausrollen. Jeden Morgen um 5.30 Uhr werden sie geweckt.

Der neue Standort sei besser als der alte, findet Johannes Heuser. Die Halle sei beheizt und weniger zugig, es gebe keine Passanten, die die Übernachter störten. „Es ist geschützter als an der Hauptwache.“ Heuser, 58 Jahre alt, seit 30 Jahren Straßensozialarbeiter beim Frankfurter Verein, koordiniert den Frankfurter Kältebus und ist auch für die Notübernachtung zuständig. Insgesamt sei der Umzug gut verlaufen, findet Heuser. Wie in den vergangenen Jahren auch nutzten jede Nacht rund 100 Menschen das niedrigschwellige Angebot. „Für uns ist das Wichtigste, dass man sich nicht legitimieren muss“, sagt Heuser. „Hier muss niemand seinen Ausweis vorzeigen und erklären, warum er auf der Straße ist.“ Das ist ein Grund, warum vor allem Menschen aus Rumänien, Bulgarien und anderen ost- und südosteuropäischen Ländern die Notübernachtung nutzen, die in den anderen Notunterkünften der Stadt wegen fehlender Rechtsansprüche nicht dauerhaft aufgenommen werden. Ihr Anteil liegt hier bei etwa 90 Prozent.

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