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Obdachlose in Frankfurt 39-Jähriger erfriert vor Hauptbahnhof

Am Nordausgang des Frankfurter Hauptbahnhofs stirbt ein Obdachloser in der Eiseskälte. Die Polizei sucht nach den Angehörigen des Mannes. Der Kältebus des Vereins für soziale Heimstätten hatte den 39-Jährigen noch vor seinem Tod besucht.

Der Kältebus des Vereins für soziale Heimstätten hilft im Winter Obdachlosen in Frankfurt. (Archivbild) Foto: Christoph Boeckheler

Zigarettenstummel liegen auf dem kalten Asphalt. Es sind die letzten Spuren, die der Obdachlose hinterlassen hat. Am Freitagmorgen erinnern am Nordausgang des Hauptbahnhofs nur noch Trauerkerzen an das Schlaflager des erfrorenen Mannes.

Um etwa 11.15 Uhr kam am Mittwoch der Notruf. Die für den Bahnhof zuständige Bundespolizei sperrte den Seiteneingang des Bahnhofs an der Poststraße. Ein Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Laut Frankfurter Polizei handelte es sich um keine Straftat, um kein Fremdverschulden, sondern um einen „natürlicher Tod“, was einen Kältetod nicht ausschließt. Die Passantin Susanne Krause ist erschüttert. „Es erschreckt mich, wie unterschiedlich Menschen in dieser Stadt sterben“, sagt sie. „Die einen medizinisch-psychologisch umsorgt im Hospiz oder zu Hause; die nächsten schlecht versorgt in einem miserablen Pflegeheim; und andere anonym, allein und bei Eiseskälte auf der Straße.“

Die Frau hat den obdachlosen Mann in den vergangenen Wochen immer wieder in seinem Schlafsack auf einer Isomatte liegend gesehen. Hinter einer Leitplanke am Nordeingang des Bahnhofs hatte er sich ein kleines Lager aufgebaut. „Im Nachhinein frage ich mich, ob ich etwas hätte tun können. Vielleicht hätte ich genauer hinsehen müssen“, überlegt die Frau, die die FR über den Fall informierte.

„Ja, mir ist kalt“, habe der Mann wenige Tage vor seinem Tod einem Passanten zugeraunt. Der Vorbeigehende steht am Freitagmorgen nun fassungslos vor der kahlen Stelle mit den vom Wind erloschenen Kerzen. „Dass sein Zustand so kritisch war, dass er wenige Tage später gestorben ist, war mir nicht klar“, sagt er.

„Man sieht es ihnen nicht an“, erklärt Christine Heinrichs, Bereichsleiterin des Vereins für soziale Heimstätten. Der Kältebus des Vereins habe den Mann am Abend vor seinem Tod besucht. Es hatte den Anschein, dass er dick eingepackt im Schlafsack eingenickt sei. Dass der Tod des Mannes auch mit den in der Nacht zum 3. Februar stark gesunkenen Temperaturen zusammenhängt, schließt Heinrichs nicht aus. „Es gibt aber meistens nicht nur einen Grund, warum ein Obdachloser die Nacht nicht übersteht“, sagt sie. Häufig seien ihre Körper vorgealtert und durch Krankheiten angeschlagen.

Derzeit ermittelt das Sterbefallbüro des Polizeipräsidiums K 11 nach Angehörigen des Verstorbenen. Die Identität des Mannes steht fest. Es handelt sich offenbar um einen 39-jährigen in Polen geborenen Mann. Sofern es keine Angehörigen gibt, werde er in den kommenden Tagen anonym bestattet.

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