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Obdachlose EU-Bürger Für Menschen, die durch alle Netze fallen

Die Bilder der slumartigen Behausungen von Wanderarbeitern aus Rumänien im Frankfurter Gutleut machte die prekäre Lage obdachloser EU-Bürger sichtbar. Köln packt das Problem jetzt an - ein Vorbild auch für Frankfurt?

Lager Obdachlose
Ende Mai wurde dieses Elendslager auf einer Brache im Frankfurter Gutleutviertel geräumt. Foto: peter-juelich.com

Derjenige, der die Lücke am Ende wirklich schließen muss, ist Rainer Best. Best ist beim Kölner Sozialdienst Katholischer Männer, der die Einrichtung betreiben wird, für die Wohnungslosenhilfe zuständig. Er koordiniert die seit April laufenden Umbauarbeiten und führt die Frankfurter durch das Gebäude. Es sei noch viel zu tun bis zur Eröffnung, räumt er ein. „Aber wir denken, dass wir das hinkriegen.“ Der Standard des Gebäudes wird einfach, aber hochwertig: Der Brandschutz ist auf dem neusten Stand, es gibt getrennte Bereiche für Frauen und für Rollstuhlfahrer.

Zunächst sollten 90 Schlafplätze entstehen, mittelfristig könne das Haus Platz für 150 Menschen bieten, sagt Best. Die Notübernachtung soll abends um 19 Uhr öffnen, die Gäste können ihre Wertsachen einschließen und bekommen Bettwäsche ausgehändigt. Um 8 Uhr müssen sie die Zimmer verlassen, von 11 bis 19 Uhr soll es aber eine Tagesaufenthaltsstätte geben. Dazu Essenausgabe, Kleiderkammer, Duschen, Waschmaschinen, eine medizinische Ambulanz – und eine Sozialberatung in mehreren osteuropäischen Sprachen. Die Menschen können nicht dauerhaft einziehen – aber jeden Abend wiederkommen.

„Ich denke, das hier wird ein großer Punkt zur Verbesserung des Hilfssystems“, sagt Best, der von der Idee der Einrichtung spürbar begeistert ist. Die Personalien der Übernachter sollen jeden Abend überprüft werden, damit auch wirklich nur EU-Bürger ohne Rechtsansprüche auf Sozialleistungen das Angebot nutzen. Kontakte zur lokalen Polizei und zu den Anwohnern seien bereits geknüpft, berichtet Best. „Wir gehen davon aus, dass wir hier große Unterstützung haben werden.“ Bei den herunterhängenden Kabeln, dem nackten Beton und den noch zu ziehenden Zwischenwänden fällt es nicht leicht, sich die fertige Einrichtung vorzustellen. Aber Best traut man sofort zu: Der kriegt das noch rechtzeitig hin.

Die kleine Frankfurter Delegation ist merklich beeindruckt. „Es ist offenbar alles einfacher als gedacht“, sagt Beatrix Baumann. Jetzt habe man ein konkretes Beispiel, mit dem man in Frankfurt weiterdiskutieren könne, sagt Manuel Stock – zunächst mal mit den Koalitionspartnern von CDU und SPD. „Man kann ja immer von anderen lernen.“ Stocks Fraktionskollegin Birgit Ross, die sich viele Notizen gemacht hat, nickt eifrig. „Wir starten direkt mit der Überzeugungsarbeit.“

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